Freitag, 4. Dezember 2009

Short-term outlook

So sehen Anleger den Start in die Börsenwoche am liebsten: mit deutliche steigenden Kursen. Dax, MDax und TecDax, die wichtigsten Indizes des heimischen Marktes, erreichten ihre höchste Punktzahl der zurückliegenden zwölf Monate. Der Dax sprang zwischenzeitlich wieder über die Marke von 5800 Punkten.

„Investoren ziehen weiterhin hohe Summen aus Geldmarktfonds ab und investieren sie in Aktien“, sagt Commerzbank-Marktstratege Andreas Hürkamp. Ermutigt werden sie dazu von guten Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2009. Nachdem der US-Stahlkonzern Alcoa in der Vorwoche mit besseren Ergebnissen als erwartet für gute Stimmung sorgte, war es am 12. Oktober das niederländische Elektronikunternehmen Philips, das die Hoffnung auf eine deutlich bessere Berichtssaison als befürchtet nährte.

„Es mehren sich die Indizien dafür, dass die Sparmaßnahmen vieler Unternehmen schneller greifen als gedacht“, sagt Hürkamp. Sowohl Alcoa als auch Philips sehen noch keine nachhaltige Verbesserung bei der Nachfrage, doch sie haben die Kosten im Griff. Schon bei den Zahlen für das zweite Quartal hatten sich die Analysten bei den Kosten verrechnet. Sie mussten ihre Gewinnschätzungen nach oben revidieren, die Anleger jubelten, die Aktienkurse stiegen.

Dass es gerade bei US-Unternehmen auch bald mit den Umsätzen wieder nach oben geht, dafür spricht aus Sicht der Optimisten unter den Kapitalmarktexperten der schwache Dollar. „Die Exporteinnahmen stehen für 30 Prozent der US-Gewinne, das sollte sich schon im dritten Quartal positiv ausgewirkt haben“, sagt Aktienstratege Ian Scott von Nomura. Er sieht in den Währungseffekten neben dem guten Kostenmanagement und der insgesamt besseren Konjunkturverfassung den Hauptgrund für eine erneute Überraschung in USA – was auch für deutsche Anleger wichtig ist, gibt die Wall Street doch immer noch den Takt für alle Börsenplätze weltweit vor.

Schon am 13. Oktober wird die Verfassung der Märkte mit den Intel-Zahlen auf die nächste Probe gestellt. Und dann kommen die US-Banken. „Sie sind auch in dieser Berichtssaison wieder der wichtigste Punkt“, sagt Hürkamp. JP Morgan legt am 14. Oktober seine Ergebnisse vor, Goldman Sachs und Citigroup am 15. Oktober, einen Tag später zum Wochenschluss die Bank of America. Steigende Kurse und gute Kapitalmarktgeschäfte werden bei Adressen wie JP Morgan und Goldman Sachs erneut zu Milliardengewinnen geführt haben, sind Analysten überzeugt.

Bei Citigroup und Bank of America wird dagegen erneut von einem Minus ausgegangen. Auf mögliche Abschreibungen im Immobilienbereich und Ausfälle bei Konsumentenkredite werden alle wieder besonders schauen. „Im zweiten Quartal wurden durch diese Negativpunkte noch viele positive Entwicklungen überlagert“, sagt Hürkamp.

Dieses Mal setzt er vor allem auf Signale, dass das Basisgeschäft der Banken, das Kreditgeschäft wieder profitabel läuft. „Die Banken können sich weiterhin sehr günstig Geld leihen, es aber langfristig zu wesentlich besseren Zinsen weitergeben, als noch vor ein paar Monaten.“ Mehr Kredite erhöhen nach Hürkamps Ansicht die Chancen auf einen selbsttragenden Aufschwung – und damit auf eine Bestätigung der vielen Frühindikatoren der vergangenen Monate.

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Dow Jones Nasdaq USA Börse Aktien New York Doch diese Frühindikatoren stellen aus Sicht der Finanzprofis für die kommenden Tage auch das größte Kursrisiko dar. „Zuletzt wurden bereits kleine Enttäuschungen mit sichtbaren Kursrückgängen quittiert“, so Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen.

Das zeige, das Lager der Pessimisten, das von einer erneuten Wachstumsschwäche ausgehe, hat noch nicht kapituliert. Doch auch Aktienstratege Reinwand geht davon aus, dass die Analysten nach dieser Berichtssaison erneut ihre Gewinnschätzungen nach oben und nicht nach unten setzen müssen.

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