Was aber muss geschehen, damit das nächste Jahrzehnt ein besseres für Aktien wird? Aus Sicht von Jürgen Callies, er ist Leiter der Research-Abteilung der Meag, des Vermögensverwalters der Munich Re, sind schon die Vorzeichen besser: „Die Aktien waren zu Beginn der letzten Dekade zu hoch bewertet“, sagt er. Der Kursverfall ab März 2000 folgte fast zwangsläufig – zumindest in der Nachbetrachtung. Dieses Mal seien die Titel trotz der jüngsten Kursanstiege immer noch „moderat“ bewertet. In Zahlen ausgedrückt: Mit mehr als dem 25-Fachen des erwarteten Unternehmensgewinns gingen die Dax-Aktien 1999 ins neue Jahrzehnt. Heute liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 14. Es gilt: je niedriger die Kennzahl, desto besser. Pessimisten führen an, dass dem relativ niedrigen KGV Analystenschätzungen zugrunde liegen, die von Gewinnsteigerungen der Unternehmen um 40 Prozent im nächsten Jahr ausgehen. Das sei viel zu viel. Allerdings: In der Vergangenheit waren solche Gewinnsprünge nach einer Rezession nicht ungewöhnlich.
Hilfreich für eine dauerhaft gute Stimmung an den Börsen ist darüber hinaus, dass die Investoren weiterhin auf viel billiges Geld zurückgreifen können. Seit einem Jahr befinden sich die Leitzinsen auf historisch niedrigem Niveau. Zwar wird viel darüber diskutiert, ob die Notenbanken die Zinsen nicht bald wieder anheben, um die Gefahr einer neuen Blase zu mindern. Doch mit drastischen Schritten ist kaum zu rechnen. Zum einen gibt es weiterhin keine ernsthaften Anzeichen für Inflation, zum anderen ist der politische Druck auf die Zentralbanken gestiegen, die Kosten für Kredite dauerhaft niedrig zu halten. Bei höheren Zinsen müssten auch die Staaten mehr für ihre gewachsenen Schuldenberge zahlen.
Die dritte Voraussetzung für steigende Kurse ist der stetige Zustrom neuer Anlegergelder. Der Bestseller-Autor Harry Dent sieht hier ein großes Problem: Die Generation der Babyboomer geht in Rente. Ihre Mitglieder werden daher künftig weniger Geld sparen und nach dem schlechten Aktienjahrzehnt auch weniger im Ruhestand ausgeben als gedacht. Das ist schlecht, für die Wirtschaft wie für die Börse. Auf der anderen Seite des Erdballs, in Asien, wächst allerdings die Gruppe derer stetig, die es sich erstmals leisten kann zu sparen.
Ein Trend wird sich wohl zwischen 2010 und 2019 fortsetzen: „Wir werden weiter große Schwankungen sehen, da die Anleger weltweit mittlerweile sehr gleichgerichtet agieren“, sagt Alexander Kempf, Professor am Centre for Financial Research in Köln. Die Investoren gingen schneller rein und wieder raus aus den Märkten. Und damit auch aus Aktien. Allerdings ist mit einer baldigen Massenflucht von den Börsen nicht zu rechnen: Dazu mangelt es an Anlagealternativen. Solide Aktien versprechen derzeit allein dank der Dividenden eine höhere Rendite als Staatsanleihen.
Sonntag, 27. Dezember 2009
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