Wie wählen Sie diese Aktien aus?
Wir setzen vor allem auf Marktführer. Die Unternehmen sollten in ihrem Geschäft immer die Nummer eins oder zwei sein, über eine gewisse Preismacht verfügen und hohe Eintrittsbarrieren für Marktneulinge errichtet haben. Außerdem muss die Bilanz stimmen, ein regelmäßiger hoher Mittelzufluss sollte erzielt werden.
Welche Unternehmen erfüllen Ihre Anforderungen?
Die meisten kommen aus den Bereichen, in denen Deutschland stark ist: der Chemieindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Automobilindustrie.
Das heißt konkret?
Der Pumpenhersteller KSB aus Frankenthal zum Beispiel ist in einigen Bereichen Weltmarktführer. Einen Teil unserer Überrendite gegenüber dem deutschen Aktienmarkt haben wir diesem Wert zu verdanken.
Einer einzigen Aktie?
Im Wesentlichen waren es 2009 fünf gute Investments: neben KSB die Aktien des Ärztesoftwareanbieters Compugroup, der Software AG, des Autozulieferers Elring Klinger und der Kauf der Vorzugsaktie von Volkswagen statt der völlig überteuerten Stammaktie.
Das reicht schon aus?
Die Stammaktie von Volkswagen hat dieses Jahr 70 Prozent an Wert verloren und damit den Dax belastet. Diese nicht zu haben und stattdessen die Vorzugsaktie, die 70 Prozent gewonnen hat, ist schon mal ein erheblicher Zugewinn.
Wie kommen Sie auf die Idee, wenig prominente Nebenwerte zu kaufen?
Das ist ganz unterschiedlich. Ich lese viel und entdecke dabei einiges. Oft machen mich zudem Analysten auf interessante Werte aufmerksam. Dann beschäftige ich mich ein paar Tage oder auch Wochen mit dem Unternehmen. Es läuft einem ja nichts weg. Und irgendwann treffe ich dann die Entscheidung zu kaufen oder eben nicht.
Gibt es dabei keine Flops?
Natürlich, und immer wieder. Die Liste ist lang. Schließlich haben wir rund 60 Werte im Fonds. Die laufen nicht alle gut. Wichtig ist dabei aber, sich Fehler einzugestehen. Wenn der Markt gegen einen läuft, dann muss man das anerkennen und die Position wieder schließen. Die Annahme, man wüsste etwas besser als der Markt, ist falsch. Da muss man ganz demütig sein.
Wie frei sind Sie in Ihren Anlageentscheidungen? Keiner Ihrer großen fünf Gewinner 2009 war, als Sie ihn kauften, im Dax, manche in gar keinem Index.
Der DWS Deutschland ist ein Standardwertefonds mit Beimischung. Das heißt, mindestens die Hälfte des Fondsvermögens wird in Dax-Aktien investiert, der Rest steht für andere deutsche Aktien zur Verfügung. Dabei sind die Nebenwerte oft das Salz in der Suppe. Hätten wir diese Freiheiten nicht, hätten aktiv gemanagte Fonds auch kaum eine Daseinsberechtigung. Dann könnte der Anleger gleich einen günstigeren Dax-Indexfonds kaufen.
Sie sprachen von zwei Dritteln Ihrer Anlagen, die Sie nach einer festgelegten Marschroute langfristig investieren. Was ist mit dem anderen Drittel?
Das wird taktisch investiert. Zum Beispiel bin ich im zweiten Halbjahr 2008 ganz aus den Finanzwerten ausgestiegen, um sie später zu Ausverkaufspreisen wieder einzusammeln. Auch schwankt unser Anteil an Nebenwerten zwischen 10 und 50 Prozent.
Wie ist Ihre aktuelle Positionierung?
Derzeit habe ich den Fonds neutral positioniert. Einige Industriewerte und auch Nebenwerte habe ich reduziert und dafür einige defensivere Aktien wie Bayer, Telekom oder auch die Versorger aufgestockt.
Sie sind also eher skeptisch für die weitere Marktentwicklung?
Dezember und Januar sind meistens gute Aktienmonate. Ich erwarte aber keine V-förmige Konjunkturerholung. Es wird immer wieder Rücksetzer geben, die auch die Aktienmärkte belasten. Die genannten Werte weisen über einen längeren Zeitraum auf hohe Dividendenrenditen. Das sind langfristig interessante Aktien.
Aber traditionell nicht die ganz großen Kursraketen.
Richtig. Aber das einfache Geld an den Märkten ist bereits gemacht. Die nächsten Monate werden etwas schwieriger. Die Aktienmärkte haben den Unternehmen viel Vertrauensvorschuss gegeben, und die Unternehmen haben nun eine Bringschuld und müssen erst einmal gute Ergebnisse liefern. Ich nehme daher zunächst eine abwartende Haltung ein. Grundsätzlich sind die Aktienmärkte aber noch nicht teuer.
Woran messen Sie das?
Das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist ein recht zuverlässiger Ratgeber. Im März sank es unter eins. Dann muss man immer Aktien kaufen, wenn man nicht gerade mit dem Weltuntergang rechnet. Solch günstige Kaufgelegenheiten gibt es selten. Steigt das Kurs-Buchwert-Verhältnis auf Werte von 2,5 oder gar 3, ist das ein Zeichen einer Überhitzung. Aktuell liegen wir bei 1,5.
Was raten Sie unschlüssigen Anlegern?
Mach doch einfach die Hälfte. Wer nicht weiß, ob nun der richtige Zeitpunkt ist, eine Aktie zu kaufen, der soll erst einmal die Hälfte seines vorgesehenen Budgets investieren. Wenn der Kurs steigt, ist er immerhin dabei. Und wenn er fällt, hat der Anleger noch Pulver trocken und kann mit der anderen Hälfte günstiger nachkaufen, wenn er wirklich von dem Unternehmen überzeugt ist.
Mittwoch, 30. Dezember 2009
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