Dialog Semiconductor: 648 Prozent Plus. Aixtron: 418 Prozent Plus. Drillisch: 167 Prozent Plus. Auch wenn diese Firmen alle schon zu Zeiten des Neuen Marktes existierten: Die Kurszuwächse entstammen keineswegs einem Rückblick auf die vergangenen Zeiten des früheren Wachstumssegments der Deutschen Börse. Die Zahlen geben die Entwicklungen der Aktien seit zwölf Monaten wieder. Genau zehn Jahre, nachdem die Euphorie um den Technologie- und Internetsektor den Rest der Börse in unfassbare Höhen getrieben hatte, sind die IT-Werte wieder obenauf. Heute wie damals aber stellt sich die Frage: Ist das der Grundstein für einen nachfolgenden schmerzhaften Absturz?
Monster-Rallye macht Angst vor tiefem Absturz Nicht nur kleine Firmen im TecDax, den die Deutsche Börse als eine Art Neuer-Markt-Nachfolger installiert hat, sind stark geworden. Auch in den USA gehören die Hightechwerte wie einst zu den Lieblingen der Anleger. So tummeln sich unter den besten Aktien des US-Kursbarometers Dow Jones seit Beginn des Jahres mit IBM, Microsoft, Cisco, Hewlett Packard und Intel gleich fünf Tech-Titanen unter den Top zehn.
"Hightechunternehmen gelten als relativ stark konjunkturabhängig", sagt Markus Zschaber, Fondsmanager der M.Z.V. Vermögensverwaltung. "Bei den ersten Anzeichen einer Stabilisierung haben die Technologiewerte deshalb vielfach die erhoffte wirtschaftliche Erholung mit stark steigenden Kursen vorweggenommen."
Diese Korrelation zeigt aber auch klar die Gefahren für Anleger auf, die jetzt noch in das Segment einsteigen: Denn das Schicksal der Tech-Rallye ist eng mit der Frage verwoben, ob die Wirtschaft in den entwickelten Industrienationen tatsächlich über den Berg ist, oder ob die Konjunktur doch erst noch den zweiten Abwärtshaken des "W" durchlaufen muss. "Leider spricht derzeit vieles für letzteres Szenario", sagt Keith Wade, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Schroders. Und dann dürfte es auch die Aktien aus der IT-Branche noch einmal empfindlich erwischen.
zurück weiter 1 von 20 Technologiefonds und -BewertungenTechnologiewerte sind bei Anlegern wieder beliebt. WELT ONLINE stellt die besten Tech-Fonds und die am besten bewerteten Technologieaktien vor...
Fundamental zumindest präsentieren sich die Großen des Sektors gut aufgestellt. "Die Unternehmen haben im Abschwung konsequent ihre Kosten reduziert, oftmals deutlich stärker als vom Markt erwartet", sagt Knut Woller, Branchenanalyst bei Unicredit. Kein Wunder: Gerade dieser Sektor war schließlich vom plötzlichen Ende des TMT-Booms (Technologie, Medien, Telekom) besonders kalt erwischt worden und beweist nun, aus dieser Krise gelernt zu haben. Das strikte Kostenmanagement wurde vor allem in der laufenden Quartalssaison belohnt, als es gut 80 Prozent der bisher berichtenden Konzerne gelang, die Erwartungen des Marktes zu schlagen.
Freilich naht der Zeitpunkt, da die Unternehmen auch "liefern" müssen. Bisher haben sie es überwiegend durch Ausgabendisziplin geschafft, ihre Margen zu stabilisieren. "Doch sparen bringt langfristig nichts, wenn der Absatz stagniert oder gar sinkt", gibt Jens Herdack, Marktstratege der Weberbank zu bedenken. Und mit dieser Tatsache haben weiterhin viele der Konzerne zu kämpfen. Anleger sind zwar bereit, das zu akzeptieren. Aber dann muss die Perspektive stimmen.
Jahresvergleich von S&P Info Tech mit S&P 500-Index
Das bekamen Ende Oktober die Aktionäre der Softwareschmiede SAP zu spüren. Die Walldorfer hatten nicht nur für das abgelaufene Quartal einen Umsatzeinbruch von neun Prozent vermeldet – auch für den folgenden, gewöhnlich besten Dreimonatszeitraum mussten sie die Prognose zurücknehmen. Die Aktie stürzte um sieben Prozent ab.
Schon vorher hatten die SAP-Anteilseigner wenig Grund zur Freude gehabt. Die Aktie hatte den Aufschwung des Gesamtmarkts nur unterproportional mitgemacht. Der Funke, der das Papier anspringen lässt, könnte sich aber aus der besonderen Konstellation auf dem Technologiesektor ergeben. "SAP spielt im Zuge der fälligen Konsolidierung der IT-Branche eine besondere Rolle", sagt Analyst Woller. "Aufgrund seiner Ausrichtung wäre der Konzern für Unternehmen wie Oracle, IBM, Microsoft oder Hewlett-Packard eine strategisch sinnvolle Ergänzung."
Und die Konsolidierung innerhalb des Sektors ist bereits im Gang. SAP-Konkurrent Oracle kämpft zurzeit mit der Europäischen Kommission um grünes Licht für die Übernahme des Computerherstellers Sun Microsystems, die deutsche Software AG hat IDS Scheer übernommen, und Gerüchte ranken sich zum Beispiel um ein mögliches Zusammengehen des Netzwerkherstellers Cisco Systems mit dem Speicherspezialisten EMC.
Bei der aktuellen Tech-Rallye bleiben konservative Anleger vielleicht besser erst mal außen vor.
Sonntag, 15. November 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen