1. Nicht alles auf einmal investieren
Ein klein wenig Optimismus kann mitunter gefährlich sein. Kleinanleger sind dafür bekannt, sich erst dann von ihren Aktien zu trennen, wenn die Märkte bereits kräftig eingebrochen sind, und erst dann einzusteigen, wenn die Kurse bereits weit gelaufen sind. „Bei niedrigen Kursen zu verkaufen und bei hohen zu kaufen ist der größte Renditekiller“, sagt Susan Elser von Elser Financial Planning in Indianapolis.
Viele Anleger, die sich im zurückliegenden Jahr von Aktien und anderen riskanten Anlageklassen fernhielten, ärgern sich nun, die diesjährige Rally verpasst zu haben. Doch ist nun der richtige Zeitpunkt zum Wiedereinstieg gekommen?
Man sollte nicht in den Markt zurückkehren, nur weil man fürchtet, die Rally verpasst zu haben. „Der größte Fehler besteht darin, alles auf einmal wettmachen zu wollen“, sagt Micah Porter, Vorstandsvorsitzender der Minerva Planning Group aus Atlanta.
Auf dem derzeitigen Kursniveau ist eine Korrektur von 10, 15 oder 20 Prozent praktisch jederzeit möglich. Anstatt alles auf einmal zu investieren, rät Porter zum schrittweisen Kauf von Aktien im Laufe des kommenden Jahres oder - wenn viel Geld für Anlagezwecke zur Verfügung steht - über einen noch längeren Zeithorizont hinweg. Auf diese Weise werden Positionen langfristig aufgebaut, während zugleich die Wahrscheinlichkeit minimiert wird, Aktien genau auf dem Höhepunkt des Marktes überteuert zu kaufen.
2. Vorsicht vor Trends oder übertriebenem Enthusiasmus
Bei der Kapitalanlage ist es meist keine gute Idee, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen.
Hier und da wird Gold nach dessen kometenhaftem Anstieg auf über 1.100 Dollar je Feinunze am 6. November als Wertanlage gelobt. Der Goldpreis könnte sich aktuell jedoch auf seinem Höhepunkt oder in dessen Nähe befinden. „In meinen Augen ist momentan wahrscheinlich der ungünstigste Zeitpunkt, um in Gold zu investieren“, sagt Benningfield. Er warnt außerdem vor Devisenspekulationen, einem weiteren aktuell angesagten Trend. „Die Risiken sind enorm“, sagt er.
Gold kann sich - neben anderen Rohstoffen - als lohnenswerte Beimischung erweisen. Berater wie Steve Medland von TABR Capital Management aus Orange (Kalifornien) raten allerdings, nicht mehr als fünf Prozent des Portfolios in Gold anzulegen.
In den Vereinigten Staaten werden derzeit mit großem Werbeaufwand Aktienindex-Anleihen angepriesen. „Es ist das Trendprodukt schlechthin“, sagt Elser. Doch Elser, Medland und andere warnen vor der Komplexität und den hohen Gebühren dieser Wertpapiere.
3. Bauen Sie Anlageentscheidungen nicht auf Schlagzeilen oder Politik auf
„Es ist ein grober Fehler, seine Anlageentscheidung auf der Sympathie oder Antipathie gegenüber politischen Führungspersonen aufzubauen“, sagt Elaine Scoggins, leitende Kundenberaterin bei der Anlageberatungsgesellschaft Merriman aus Seattle.
Seit der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten haben sich die Gemüter auf der rechten Seite des politischen Spektrums erhitzt (ähnlich wie jene der liberal Gesinnten während der vorangegangenen Bush-Regierung). Dies könnte zu schlechten Investmententscheidungen führen.
Scoggins zufolge würden sich Anleger aufgrund ihrer politischen Überzeugung bei Kaufentscheidungen von Katastrophenszenarien leiten lassen - von hoher Inflation über einen Crash des amerikanischen Dollars bis hin zu massiven Steuererhöhungen. „Im Medien- und Politikbetrieb ist Panikmache weit verbreitet.“
Auf diese unwahrscheinlichen Ereignisse zu setzen, kann sich bei der Zusammenstellung eines Portfolios als schwerwiegender Fehler erweisen. „Die Angst ist gewaltig“, sagt Paul Sutherland, Chief Investment Officer bei der FIM Group aus Traverse City (Michigan). Die Angst ist aber nicht in jedem Fall gerechtfertigt. So sei ein schwächerer Dollar für das verarbeitende Gewerbe der Vereinigten Staaten oder für amerikanische Unternehmen mit ausländischen Geschäftsaktivitäten sogar von Vorteil, merkt Sutherland an.
Politik und aktuelle Ereignisse lösten in aller Regel Emotionen aus, die bei der langfristig ausgerichteten Kapitalanlage kein guter Ratgeber seien, sagt Medland. „Schlagzeilen sagen nicht die künftige Entwicklung der Märkte voraus“, so Medland.
Eine politische Tatsache sollten Anlegern jedoch im Hinterkopf behalten: Die Wahrscheinlichkeit höherer Steuern für wohlhabendere Amerikaner. Zeitpunkt und Ausmaß der Steuererhöhungen lassen sich zwar schwer vorhersagen, in einigen Fällen könnte sich für den Steuerzahler jedoch eine gute Finanzberatung lohnen. So könnten amerikanische Anleger beispielsweise jetzt ihre Kursgewinne realisieren, solange die Kapitalertragsteuer noch verhältnismäßig niedrig ist.
4. Auf Qualität setzen
Seit März haben sich die Aktien von Unternehmen mit der geringsten Qualität am besten entwickelt. Nachdem sie während des Höhepunkts der Finanzkrise kräftig abgestraft wurden, haben sie in Erwartung einer konjunkturellen Erholung wieder stark aufgeholt. So verzeichneten beispielsweise Banken, Industriekonzerne oder sehr kleine Kapitalgesellschaften - also risikoreiche Unternehmen, die von der Finanz- und Wirtschaftskrise schwer getroffen wurden - eine Verdoppelung oder Verdreifachung ihrer Aktienkurse.
Unternehmen mit stabilen und nachhaltigen Geschäftsaktivitäten wurden von den Börsianern dagegen nicht selten stiefmütterlich behandelt.
Erwarten Sie keine Fortsetzung dieses Trends. Vielleicht ist er sogar bereits zu Ende. Setzen Sie stattdessen auf jene Unternehmen, die ihre Umsätze in den zurückliegenden 12 Monaten am stärksten steigern konnten. Nach Angaben des Datenanbieters Capital IQ liegen die Aktien der 100 Unternehmen mit den größten Umsatzzuwächsen im S&P-500 seit dem Märztief mit durchschnittlich 50,3 Prozent im Plus, während die Kurse der 100 Unternehmen mit der geringsten Umsatzsteigerung im Schnitt um 96,7 Prozent zulegten.
Im vergangenen Monat setzte jedoch eine Angleichung der Kursentwicklung beider Gruppen ein, und in der zurückliegenden Woche hat sich dieser Trend sogar umgekehrt. In der ersten Novemberwoche lag die Gruppe mit den größten Umsatzsteigerungen im Durchschnitt mit 0,6 Prozent im Plus, während die Gruppe mit der schwächsten Umsatzentwicklung mit durchschnittlich 0,2 Prozent im Minus notierte.
Nach Einschätzung von John Merrill, Chief Investment Officer von Tanglewood Wealth Management, könnte diese Verlagerung auf den Eintritt einer „neuen Art von Investor“ zurückgehen. Diese Investoren hätten sich in den vergangenen Monaten vorsichtig zurückgehalten, wären nun jedoch vom Wiedereinstieg überzeugt. Sie sind nach wie vor risikobewusst „und entscheiden sich für den sichersten Schritt zurück in den Markt“, so Merrill.
Unternehmen mit starken Fundamentaldaten könnten sich auf lange Sicht außerdem als widerstandsfähiger erweisen und seien nach der jüngsten Korrektur zu günstigeren Kursen zu haben, so Sutherland. „Es gibt viele Qualitätsunternehmen zu großartigen Preisen.“
Ähnliches könnte auch für den Rentenmarkt gelten. Porter warnt vor dem Kauf von Hochzinsanleihen, nachdem diese riskanten Papiere einen „unglaublichen Anstieg“ hinter sich haben.
5. Beherzigen Sie die Lektionen der Krise
Der jähe Einbruch der Aktienkurse 2008 und Anfang 2009 hat jedem Anleger eindrücklich vor Augen geführt, was alles schief gehen kann. Nach Meinung von Finanzexperten sollten diese Lektionen selbst in einer Aktienmarktrally nicht vergessen werden.
„Anleger sollten sich stets dieser Worst-Case-Szenarien bewusst sein“, rät Medland. Der schwerste Fehler in einer Krise bestehe in seinen Augen darin, nicht im Voraus geplant zu haben. Die Krise lehrte den Anleger auch einiges über sich selbst, über seine Fähigkeit, langfristig zu investieren, ohne bei niedrigen Kursen zu verkaufen und bei hohen zu kaufen.
Wenn man im März in Panik geriet und den gesamten Aktienbestand verkaufte, dann hat man die Chance auf hohe Gewinne verpasst. Wenn man in Krisenzeiten zu derartigen Anlagefehlern neige, sollte man eventuell eine konservativere Strategie verfolgen, meint Elser.
„Menschen, die ständig in den Markt hinein und hinaus springen, sollten dem Geschehen vielleicht besser fernbleiben“, sagt Elser. „Entweder man erträgt die Volatilität oder nicht.“ Für zahlreiche Anleger „besteht eine der gelernten Lektionen wahrscheinlich darin, zu viele Risiken eingegangen zu sein“, sagt Benningfield.
Angesichts der schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt sind Anleger händeringend auf die Erträge ihrer Kapitalanlagen angewiesen. Die durch die Krise in ihre Portfolios gerissenen Wunden sind noch immer nicht völlig verheilt. Wichtig ist jedoch, Folgendes zu beherzigen: Wenn man 2008 und Anfang 2009 viel Geld mit riskanten Anlagen verloren hat, dann sollte man nicht noch größere Risiken eingehen, um die erlittenen Verluste wieder wettmachen zu wollen.
Dienstag, 10. November 2009
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