Der Run auf die Emerging-Markets-Fonds dürfte auch auf die dort tobende Börsenrallye zurückzuführen sein. So hat das dritte Quartal einmal mehr bewiesen, dass derzeit die größten Aktiengewinne in so abseitigen Märkten wie dem Baltikum, Vietnam, Südkorea, Kasachstan oder der Ukraine zu erzielen sind. Allein die Börse in Litauen schoss in den Monaten Juli, August und September um 73 Prozent in die Höhe.
Dahinter folgen Estland, Serbien und Ungarn mit jeweils weit über 30 Prozent. Doch nicht nur die osteuropäischen Schwellenländerbörsen haben den etablierten Märkten die Show gestohlen. Auch Asiens Wachstumsmärkte oder Lateinamerika schnitten im dritten Quartal mit Zuwächsen von 20 Prozent und mehr deutlich besser ab als der Deutsche Aktienindex (Dax) oder der amerikanische Dow Jones. Letztere legten „nur“ 18 beziehungsweise 10,6 Prozent zu. (Für den Dax war das gleichwohl das stärkste dritte Quartal seit 1967. Denn die Monate Juli bis September gehören traditionell eher zu den schwächeren.)
Nach der atemberaubenden Rallye sind die Schwellenländer in eine neue Gewichtsklasse aufgestiegen. Mittlerweile repräsentieren die Börsen von China, Indien, Osteuropa&Co. über zwölf Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung – das ist ein Rekord. Noch vor einem halben Jahr lag dieser Anteil gerade einmal bei neun Prozent, im Jahr 2003 waren es sogar erst 3,8 Prozent.
Trotz des Enthusiasmus für die Emerging Markets halten Experten die Aufwärtsbewegung noch lange nicht für beendet. Citibank-Stratege Andrew Howell hat gleich 14 Argumente zusammengetragen, warum ein Kauf für Anleger auch jetzt noch lohnt. An erster Stelle steht das kräftige Wirtschaftswachstum in den meisten der aufstrebenden Nationen. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds werden die Ökonomien Asiens, Osteuropas und Lateinamerikas in den kommenden fünf Jahren im Schnitt vier bis fünf Prozentpunkte schneller wachsen als die der westlichen Industriestaaten. Von Vorteil dabei sind nicht nur die demografischen Bedingungen.
So wächst die Erwerbsbevölkerung stetig, während sie etwa in Deutschland oder Japan schrumpft. Auch die vergleichsweise niedrige Verschuldung kommt den Schwellenländern zugute. Während die Schuldenquote in den entwickelten Nationen im Schnitt 90 Prozent der Wirtschaftsleistung beträgt – Tendenz steigend –, stehen die aufstrebenden Staaten gerade einmal mit 50 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in der Kreide – Tendenz fallend.
Auch bei der Börsenkapitalisierung klafft noch eine Lücke, die nach Ansicht von Experten geschlossen gehört. So erwirtschaften Indien, China&Co. inzwischen 46 Prozent des Welt-Bruttosozialprodukts, wohingegen der Anteil an der Weltbörsenkapitalisierung lediglich 12,1 Prozent beträgt. Nicht zuletzt spielen die Emerging Markets in den meisten Portfolios noch nicht die Rolle, die ihnen eigentlich zusteht – trotz des jüngsten Investorenansturms.
Gemessen an den weltweiten Fondsvolumina, machen die Schwellenlandfonds gerade einmal 2,8 Prozent aus. In Deutschland stecken in den Produkten mittlerweile knapp zehn Milliarden Euro – das sind immerhin 5,5 Prozent aller verwalteten Fondsgelder. „Die Schwellenländer haben gegenüber den etablierten westlichen Staaten noch jede Menge Nachholpotenzial“, fasst Howell zusammen.
Donnerstag, 1. Oktober 2009
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