Montag, 19. Oktober 2009

Jens Kummer

Investmentauguren haben immer wieder und zu fast jeder Zeit Anleger beschworen, einen langen Atem zu haben. Das Mantra „Buy-and-hold“ zahlt sich jedoch nur sehr, sehr langfristig aus. Das Problem in der Praxis besteht darin, dass die meisten Anleger nicht zehn Jahre an ihren Investmententscheidungen festhalten, sondern eher in Zeiträumen von ein bis zwei Jahren denken und umschichten. Die Realität verlangt hier nach Lösungen, die einer breiten Masse von Anlegern eine Alternative bieten.

Wir haben zum Höhepunkt der Finanzmarktkrise im Sommer vergangenen Jahres eine Multi-Asset-Total-Return-Strategie (MATR) in zwei Publikumsfonds eingeführt, die keine Anlageklasse als „Buy-and-hold“ betrachtet: beim SEB deLuxe classic plus mit einer etwas konservativeren Ausrichtung und beim SEB deLuxe balance mit einem dynamischeren Ansatz. Der Zeitpunkt für einen Härtetest hätte kaum besser sein können. Das Fazit nach einem Jahr lautet: Anleger konnten nicht nur die Krise umschiffen, sondern auch an den jüngsten Kurschancen teilhaben. Der SEB deLuxe balance erreichte in den zurückliegenden 12 Monaten einen Wertzuwachs von über 12 Prozent, der SEB deLuxe classic plus kommt auf rund 6 Prozent.

Psychologische Fallstricke kosten Rendite

Wenn Investoren die Zusammensetzung ihres Portfolios selbst steuern, steht ihnen die eigene Psyche im Weg. Im Auf und Ab der Börsenkurse ist die Kaufbereitschaft und Risikofreude immer dann am größten, wenn bereits starke Kursgewinne am Markt erzielt wurden. Die Kaufzurückhaltung dagegen ist an den Tiefpunkten der Aktienindizes stets am höchsten. Hier gilt es professionelle Manager auszuwählen, die entweder langfristig erfolgreiche Werte kaufen und halten oder überzeugende Strategien einsetzen, die ohne menschliche Schwächen schnell und flexibel an den Märkten agieren. Unser Ansatz berücksichtigt sowohl langfristige fundamentale Bewertungskriterien als auch kurzfristige Preisreaktionen der Kapitalmärkte.

Auch sitzen Anleger Kursschwächen in der Regel nicht aus. Sie verkaufen zu ungünstigen Zeitpunkten. Es ist gewiss sinnvoll, die Investoren von den Vorteilen der Langfristanlage zu überzeugen. Realistischerweise wird dieser Erziehungsansatz bald an seine Grenzen stoßen. Notwendig ist es vielmehr, dass die Investmentbranche Lösungen entwickelt, die der Realität kürzerer Haltefristen Rechnung tragen. Der Geldmarkt oder kurzlaufende Staatsanleihen können hier nicht die einzige Alternative sein – gerade im derzeitigen Umfeld. Ein sinnvoller Weg ist, zwischen unterschiedlichen Anlageklassen flexibel wechseln zu können. Im Herbst vergangenen Jahres galt es, das Kapital der Anleger zu erhalten. Die Aktienmärkte stürzten teilweise über 50 Prozent ab. In solchen irrationalen Marktphasen, in denen die Panik das Handeln aller Marktakteure bestimmt, wird der Vorteil quantitativer Modelle offensichtlich. Im März dieses Jahres, als die Aktienmärkte zur größten Rallye starteten, hatten die wenigsten Marktteilnehmer den Mut, in bedeutendem Maß in Aktien zu gehen. Eine gute regelbasierte Strategie erkennt dagegen diese Trendwenden.

Gut diversifiziert – in allen Märkten

Der Multi-Asset-Ansatz berücksichtigt eine Bandbreite an Anlageklassen: Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien oder auch alternative Assets. Bei Rohstoffen ist Gold beispielsweise gerade in Zeiten der Krise ein sicherer Hafen. Läuft die Konjunktur wieder an, performen Industriemetalle dagegen oft besser. Anleihen sind nicht nur etwas für schlechte Börsenzeiten. Die jüngste Krise hat Risikoaufschläge für Anleihen von Unternehmen oder Schwellenländern bedeutend ansteigen lassen. Hier konnten im laufenden Jahr zweistellige Gewinne durch Spreadeinengungen erwirtschaftet werden. Die Diversifikation muss also auch innerhalb der Anlageklassen gut gesteuert sein. Diversifikation allein sichert nicht den Erfolg – vielmehr, zur richtigen Zeit in den richtigen Märkten investiert zu sein. Diversifikation heißt auch, in schlecht laufenden Märkten nicht engagiert zu sein. Buy-and-hold im klassischen Sinn hat sich als unpraktikabel erwiesen. Was aber werden Anleger nach zwölf Monaten machen, wenn sie merken, dass sie stabile positive Renditen aus einem schwankungsarmen Investment bekommen?

Möglicherweise sichert der schnell und flexibel agierende MATR-Ansatz gerade den ruhigen Schlaf, den Buy-and-hold-Investoren suchen.

Jens Kummer, Head of Multi Management,
SEB Asset Management

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