Donnerstag, 8. Juli 2010

Spekulation

Ob die Wirtschafts- und Finanzkrise der Jetztzeit ähnlich zerstörerische Wirkungen entfalten wird, lässt sich schwer vorherzusagen. John Kenneth Galbraith jedenfalls hat in seiner 1990 erstmals erschienenen "Kurzen Geschichte der Spekulation" weitere schwere Finanzkrisen prognostiziert. Einer der Gründe dafür ist seiner Meinung nach:

Das Gedächtnis in Finanzdingen reicht höchstens zwanzig Jahre zurück. Das ist normalerweise der Zeitraum, der notwendig ist, die Erinnerung an eine Katastrophe zu tilgen und irgendeiner Abart des alten Schwachsinns die Chance einzuräumen, erneut den ökonomischen Verstand zu übertölpeln. Es ist auch der Zeitraum, der normalerweise nötig ist, bis eine neue Generation die Szene betritt, die, wie ihre Vorgänger, von der eigenen Genialität überzeugt ist.

Galbraith ist Realist: Solange unser Wirtschaftsleben nach kapitalistischen Prinzipien organisiert ist, wird es immer wieder - unvermeidlich - zu Spekulations-Exzessen kommen. Daran werden auch Bankenabgaben, Spekulationssteuern und ähnliche Regulierungsmaßnahmen wenig ändern.

Man könne Profitgier und finanzielle Leichtgläubigkeit, schreibt Galbraith, durch gesetzliche Regelungen nicht unterbinden. Das einzige, was man tun könne: sich bemühen, die Mechanismen der Spekulation zu verstehen. Galbraiths Buch bietet erstklassige Instrumentarien dazu.

2 Kommentare:

Watzenböck hat gesagt…

n seinem historischen Streifzug geht Galbraith weit zurück in die Geschichte - bis zur niederländischen Tulpenhysterie der 1630er-Jahre, die es zu einschlägiger Berühmtheit gebracht hat. Die schwungvolle Spekulation mit Tulpenzwiebeln, im 17. Jahrhundert eine floristische Innovation, trieb die Preise auch für ordinärste Tulpen in phantastische Höhen: Im Februar 1637 erzielte man auf dem Blumenmarkt von Alkmaar 90.000 Gulden für 99 Posten Tulpenzwiebeln. Zum Vergleich: Ein Schiffszimmermann kam damals auf ein Jahreseinkommen von gerade einmal 250 Gulden.
Manien mit System

Anhand vieler historischer Beispiele arbeitet John Kenneth Galbraith in seinem Buch die Mechanismen spekulativer Manien heraus, zu denen es seit der Erfindung des Kapitalismus zu Beginn der Neuzeit immer wieder gekommen ist. Galbraith schreibt:

Ob Tulpen in Holland oder Gold in Louisiana, ob Immobilien in Florida oder die erstaunlichen Wirtschaftspläne Ronald Reagans: Durch irgendein Produkt oder eine Entwicklung, scheinbar neu oder erstrebenswert, wird der wirtschaftliche Verstand oder das, was man dafür hält, eingelullt. Der Preis für das Spekulationsobjekt steigt. Wertpapiere, Grundstücke, Kunstwerke und andere Besitztümer, die heute erstanden werden, sind morgen mehr wert. Dieser Anstieg lockt weitere Käufer an; die neuen Käufer sichern einen weiteren Anstieg. Aber immer mehr werden angelockt, immer mehr kaufen, der Anstieg setzt sich fort. Die Spekulation entwickelt ganz von selbst eine Eigendynamik.

So entstehen Spekulationsblasen: Auch unerfahrene Anleger wollen, wie tausende andere zuvor, zu anstrengungslosem Reichtum kommen. Sie kaufen, oft auf Kredit, Tulpenzwiebeln, Aktien, was auch immer - und hoffen, dabei einen guten Schnitt zu machen.

Irgendwann finden sich allerdings, wie bei einem Pyramidenspiel, keine weiteren Käufer mehr, die das jeweilige Produkt zu noch höheren Preisen erwerben wollen. Das Resultat: Die Blase platzt.

Ein fester Bestandteil dieses Szenarios ist der unvermeidliche Zusammenbruch.

Watzenböck hat gesagt…

n seinem historischen Streifzug geht Galbraith weit zurück in die Geschichte - bis zur niederländischen Tulpenhysterie der 1630er-Jahre, die es zu einschlägiger Berühmtheit gebracht hat. Die schwungvolle Spekulation mit Tulpenzwiebeln, im 17. Jahrhundert eine floristische Innovation, trieb die Preise auch für ordinärste Tulpen in phantastische Höhen: Im Februar 1637 erzielte man auf dem Blumenmarkt von Alkmaar 90.000 Gulden für 99 Posten Tulpenzwiebeln. Zum Vergleich: Ein Schiffszimmermann kam damals auf ein Jahreseinkommen von gerade einmal 250 Gulden.
Manien mit System

Anhand vieler historischer Beispiele arbeitet John Kenneth Galbraith in seinem Buch die Mechanismen spekulativer Manien heraus, zu denen es seit der Erfindung des Kapitalismus zu Beginn der Neuzeit immer wieder gekommen ist. Galbraith schreibt:

Ob Tulpen in Holland oder Gold in Louisiana, ob Immobilien in Florida oder die erstaunlichen Wirtschaftspläne Ronald Reagans: Durch irgendein Produkt oder eine Entwicklung, scheinbar neu oder erstrebenswert, wird der wirtschaftliche Verstand oder das, was man dafür hält, eingelullt. Der Preis für das Spekulationsobjekt steigt. Wertpapiere, Grundstücke, Kunstwerke und andere Besitztümer, die heute erstanden werden, sind morgen mehr wert. Dieser Anstieg lockt weitere Käufer an; die neuen Käufer sichern einen weiteren Anstieg. Aber immer mehr werden angelockt, immer mehr kaufen, der Anstieg setzt sich fort. Die Spekulation entwickelt ganz von selbst eine Eigendynamik.

So entstehen Spekulationsblasen: Auch unerfahrene Anleger wollen, wie tausende andere zuvor, zu anstrengungslosem Reichtum kommen. Sie kaufen, oft auf Kredit, Tulpenzwiebeln, Aktien, was auch immer - und hoffen, dabei einen guten Schnitt zu machen.

Irgendwann finden sich allerdings, wie bei einem Pyramidenspiel, keine weiteren Käufer mehr, die das jeweilige Produkt zu noch höheren Preisen erwerben wollen. Das Resultat: Die Blase platzt.