„Gold ist im Gegensatz zu Papiergeldwährungen die ultimative Währung“, sagt der Hamburger Vermögensverwalter Martin Mack. Da hat er recht. Verschiedenste Währungen kamen und gingen wieder, Gold blieb bestehen. Und es zweifelt auch niemand daran, dass der Goldpreis, der derzeit bei 1189,25 Dollar je Feinunze steht, langfristig steigen wird. Die entscheidende Frage ist jene nach dem Einstiegszeitpunkt. Seit Ende Juni ging der Preis um knapp fünf Prozent zurück. Für die Anleger könnten sich demnächst noch bessere Möglichkeiten zum Goldkauf ergeben. Es gibt nämlich Signale, die darauf hindeuten, dass der Preis noch etwas nach unten gehen dürfte.
Inflationsschutz ist nicht notwendig. Der Goldpreis profitiert von einer erhöhten Teuerungsgefahr, da das Edelmetall als Absicherung gegen eine Inflation gesehen wird. Doch Analysten werden nicht müde zu betonen, dass die Gefahr einer hohen Inflation derzeit nicht gegeben sei. Die Produktionskapazitäten sind noch nicht ausgelastet, die Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch.
Warnung vor der Goldblase. „Blasen sehen genau so aus“, sagt Gerhard Rehor, Vorstand der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien. Mit fundamentalen Gründen sei der jüngste Preisanstieg nicht zu begründen. Aber: Verglichen mit der Staatsverschuldung könne man absolut nicht von einer Blase sprechen, sagen die Experten der Erste Bank. Würde man die US-Staatsverschuldung mit zehn Prozent Gold decken, müsste der Goldpreis bei 4500 Dollar liegen.
Banken tauschten Gold gegen Geld ein. Die Investoren könnten sich verunsichert zeigen, nachdem die Geschäftsbanken bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die riesige Menge von 346 Tonnen Gold hinterlegten, um von der BIZ frisches Geld zu bekommen. Das könnte ein Signal sein, dass die Banken derzeit schwer an Geld kommen. Hinter diesem Deal könnten auch Notenbanken stehen. Staaten, deren Notenbanken Gold an die BIZ verkaufen, könnten in Zahlungsschwierigkeiten stecken. Für den Goldpreis könnten beide Szenarien negative Auswirkungen haben. Können die Banken das geliehene Geld der BIZ nicht zurückzahlen, müsste Letztere das hinterlegte Gold über den Markt verkaufen und somit den Preis drücken. Die 346 Tonnen entsprechen immerhin zwei Dritteln der globalen Goldfördermenge im ersten Quartal 2010.
Ruhe auf den Finanzmärkten. Herrscht Nervosität auf den Finanzmärkten, hilft das normalerweise dem Gold. Aktuell scheint sich die Lage etwas beruhigt zu haben. Die Berichtssaison verläuft gut. Die Schuldenstaaten Griechenland, Portugal und Spanien haben sich erfolgreich Geld vom Kapitalmarkt geholt. Eine zusätzliche Beruhigungspille sollen die Ergebnisse der europäischen Bankenstresstests bringen, die am 23.Juli veröffentlicht werden. „Die Stresstests könnten ein großer Schritt sein, um das Vertrauen in das europäische Finanzsystem zu stärken“, sagte Robert Wescott, Wirtschaftsberater des früheren US-Präsidenten Bill Clinton, im „Presse“-Interview.
Aktuelle Dollarschwäche. Seit Anfang Juni ist der Dollar gegenüber dem Euro im Sturzflug. Es hat sich wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass es den USA kaum besser geht als Europa. Viele Euro-Investoren dürften wegen der europäischen Schuldenkrise und des kriselnden Euro in Gold geflüchtet sein. Der aktuell aufwertende Euro dürfte nun dazu führen, dass die Investoren auf die Absicherung mit Gold verzichten, was den Goldpreis weiter drücken könnte.
Silber wird an Bedeutung gewinnen.Analysten glauben, dass Silber in Zukunft eine wachsende Bedeutung bekommen wird. Silber hat nämlich eine Doppelfunktion: Es ist ein Edelmetall und ein Industriematerial.
Experten glauben, dass die Anleger künftig verstärkt auf Silber zurückgreifen werden, wenn sie sich gegen Währungskrisen absichern wollen. Sie sehen das Verhältnis von Rendite und Risiko von Silber besser als von Gold, das derzeit rund 50 Mal so teuer ist wie Silber. Sollten die Analystenprognosen wirklich zutreffen, dann hätte das aber noch keine markanten kurzfristigen Auswirkungen auf den Goldpreis.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2010)
Sonntag, 18. Juli 2010
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