Samstag, 17. April 2010

Inflationsschutz

Nach einem Jahrzehnt niedriger Inflationsraten sollten sich Anleger darauf einstellen, dass künftig die Inflationsraten wieder höher ausfallen werden. Das heißt, dass Sachwerte wieder in den Blickpunkt rücken sollten.

Die Rede ist nicht von Hyperinflation wie in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es ist vielmehr eine schleichende Geldentwertung, vor der viele Experten warnen. Welche Wirkung „ein bisschen Inflation“ auf ein Portfolio hat, zeigt ein einfaches Beispiel: Bei 3,5 Prozent Inflation muss sich das Anlagekapital in 20 Jahren verdoppeln, nur um die Kaufkraft zu erhalten.

„Pointiert könnte man formulieren: Es geht jetzt nicht darum, reich zu werden, sondern reich zu bleiben“, sagt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken Generali Investment-Gesellschaft. Anleger, die Inflation fürchten, sollten sich verstärkt Sachwerte ins Portfolio nehmen.

Dazu zählt Wögerbauer Wohnimmobilien, Gold, Rohstoffe und „Aktien mit viel Substanz“. Darunter versteht er die Beteiligung an Unternehmen, die Produkte des täglichen Bedarfs herstellen und Firmen, denen wegen ihrer Marktstellung zugetraut werden kann, dass sie Preiserhöhungen weitergeben können.

Konkret nennt Wögerbauer Firmen wie etwa den Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Versorger wie den deutschen Energiekonzern RWE, aber auch österreichische Unternehmen wie die OMV.

Gift für Fixzins-Anleihen

Steigende Inflation und damit steigende Zinsen seien auf jeden Fall Gift für Anleihen mit langen Laufzeiten und fixen Zinsen, sagt Markus Hinterberger, Leiter der Wertpapierabteilung der VKB-Bank. Weil Anleihen meist ein Hauptbestandteil eines ausgewogenen Portfolios sind, rät er hier zu inflationsgeschützten oder variabel verzinsten Anleihen. Dazu zählt er auch die Papiere, die von Unternehmen begeben wurden. „Die beste Zeit hochverzinster Unternehmensanleihen ist zwar vorbei, aber es gibt noch attraktive Angebote“, sagt Hinterberger.

Auch das Thema Rohstoffe müsse bei Angst vor Inflation eine Rolle spielen. Hinterberger rät aber dazu, nicht mehr als zehn Prozent vom Gesamtinvestment in Rohstoffe zu investieren.

Beim Gold, das als klassischer Inflationsschutz gilt, scheiden sich schnell die Geister der Anlage-Experten. Für die einen ist es schlicht ein Rohstoff, für die anderen ist es „das einzig wirkliche Geld“. Während Hinterberger Gold „nur bei starker Inflation“ als interessant bezeichnet, hält Wögerbauer derzeit viel von einem Investment in das Edelmetall: „Gold ist und bleibt ein wichtiger Depotbaustein.“

Dies auch deshalb, weil die Notenbanken, die in den vergangenen 20 Jahren Goldbestände abgebaut haben, im Vorjahr plötzlich wieder als Nettokäufer aufgetreten sind. In den weltweiten Finanzvermögen hatte Gold Ende der 60er-Jahre einen Anteil von knapp fünf Prozent. Derzeit liegt dieser Anteil bei rund 0,5 Prozent. „Von einer Blase kann man da wohl nicht sprechen“, sagt Wögerbauer.

Für alle Strategien zum Schutz des Portfolios vor Inflation gilt: Es ist ein Verzicht auf Rendite zugunsten der Werterhaltung. Das gilt für Gold ganz besonders, aber auch etwa für inflationsgeschützte Anleihen. Aggressive Anleger mit hohen Rendite-Erwartungen gehen anders vor.

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