Montag, 19. April 2010

Gehebelte Absicherung gegen DAX Absturz

Diese Absicherung ist derzeit recht günstig zu haben, da die Kursschwankungen (Volatilitäten) am Aktienmarkt momentan vergleichsweise niedrig sind. Dies wirkt sich positiv auf Optionsscheine aus, da es ihre Preise in der Tendenz drückt. Zusammen mit Knock-out-Produkten sind diese Scheine geeignete Investments, wenn es darum geht, Depots gegen Börsenturbulenzen zu schützen. Die derivativen Wertpapiere beziehen sich auf Basiswerte wie Aktien, Indizes oder Rohstoffe. Als „Put“ profitieren sie von fallenden Kursen, ihr Preis nimmt dann in der Regel zu. Auch Bezeichnungen wie „Bear“ oder „Short“ sind hierfür zu finden. Für Anleger, die auf höhere Kurse setzen wollen, sind „Calls“ geeignet - auch „Long“-Papiere genannt.

Sowohl Optionsscheine als auch Knock-out-Produkte sind jedoch riskante Hebelpapiere, das heißt, ihre Preise bewegen sich stärker als die Kurse der Basiswerte. Deswegen können Anleger hier mit einem vergleichsweise geringen Einsatz überdurchschnittlich gewinnen, aber auch verlieren. Schlimmstenfalls ist das Geld ganz weg. Besonders risikobehaftet sind die Knock-outs - ebenfalls als Turbos oder Waves bekannt -, da diese augenblicklich verfallen, falls der Basiswert eine festgelegte Kursschwelle berührt. Die Besonderheit von Optionsscheinen wiederum ist es, dass ihre Preise unter anderem auch von den Volatilitäten beeinflusst werden. Schwanken die Aktienkurse stark, dann erhöht sich diese Preiskomponente. Da jedoch höhere Aktienkurse in der Regel mit niedrigeren Volatilitäten einhergehen und umgekehrt, sind Optionsscheine derzeit relativ günstig.
Zum Börsenkurs

Ein Maß für die Volatilität am deutschen Aktienmarkt ist der V-Dax-New. Er misst die von den Marktteilnehmern in den kommenden 30 Tagen erwartete Schwankungsbreite des Dax. Am Montag waren es gut 18 Prozent, ein historisch eher niedriger Wert. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre ergibt sich für das Volatilitätsmaß ein Wert von 26 Prozent. Sein höchstes Niveau in dieser Zeit erreichte der Index nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Lehman-Bank Mitte Oktober 2008 mit rund 80 Prozent.
Sollten die Kurse fallen, stiege auch die Volatilität

Sollten die Aktienkurse in der Tat zurückgehen, dann dürften die Volatilitäten wieder zunehmen und die Preise der Optionsscheine schon allein deshalb steigen. Das macht diese Hebelpapiere nach Ansicht von Dirk Heß, Derivateexperte der Citigroup, zum Mittel der ersten Wahl für die Absicherung von Depots. Ein vollständiger Schutz sei allerdings wenig sinnvoll. Der finanzielle Aufwand wäre viel zu hoch. „Anleger können mit dem Kauf von Scheinen oder Knock-out-Produkten ihre Depots gegen Verluste lediglich abfedern. Sie sollten den Kaufpreis als eine Art Versicherungsprämie für diesen Teilschutz sehen, die auch verlorengehen kann, wenn die Kurse doch nicht fallen.“

Fachleute raten, die Laufzeit der Scheine lieber ein bisschen länger zu wählen, um einen größeren Sicherheitspuffer zu haben. Kürzer laufende Wertpapiere sind zwar reagibler, aber auch riskanter. Und falls die Kursverluste doch später einsetzen oder länger andauern als zunächst erwartet, könnte ihre Laufzeit dann schon zu Ende sein. Bei der Wahl des Basiswerts sollten Anleger die Zusammensetzung ihres Depots beachten. Sind darin viele deutsche Aktien enthalten, dürfte ein Dax-Produkt sinnvoll sein, bei einer großen Einzelposition auch ein Derivat auf genau diese Aktie. Ein Optionsschein auf einen Rückgang des Dax mit Laufzeit bis September 2010 (Isin DE000CG4WDD3) gewinnt zum Beispiel 134 Prozent, wenn der Dax binnen eines Monats um 10 Prozent nachgibt. Ein Papier auf die Aktie der Deutschen Bank mit Laufzeit bis Oktober 2010 (Isin DE000CG7YZQ7) legt um 49 Prozent zu, wenn die Aktie der Deutschen Bank binnen eines Monats 10 Prozent an Wert verliert. Die Papiere gibt es mit einer Vielzahl verschieden großer Hebel.

Gehebelte Derivate sind wegen ihrer Eigenheiten vor allem für erfahrene Anleger geeignet. Auch unter den konservativeren Zertifikaten finden sich Produkte, deren Preis steigt, wenn Aktienkurse sinken. Zum einen gibt es Zertifikate auf den Short-Dax. Dies ist ein Index, dessen Niveau sich erhöht, falls der Dax verliert und umgekehrt. Eine andere Möglichkeit bieten Reversezertifikate, die die eigentliche Funktionalität von Zertifikaten umkehren und von fallenden Notierungen profitieren.

Text: F.A.Z.

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