Mittwoch, 28. April 2010

Griechenland

Es kommt zur Kapitalflucht, die Griechen ziehen das Geld von den Bankkonten ab - aus Angst, dass die schönen Euro morgen ungefragt auf Drachmen umgestellt werden. Die Stimmung heizt sich immer mehr auf - doch die ersehnte Hilfe bleibt aus. Deutschland, das im ersten Schritt 8,4 Milliarden Euro geben soll, sagt: nein. Angela Merkel weiß: Es wird eine zweite Runde geben, doch niemand weiß, wie hoch die Rechnung am Ende sein wird. Merkel will keinen Präzedenzfall schaffen, der sie zwingt, bald weiteren Wackelkandidaten zu helfen.

Ein Analyst glaubt: "Die Märkte wollen Blut sehen." Wenn Hilfe ausbleibt, werden sie es kriegen. Griechenland bekommt kein Kapital mehr. Die Regierung Papandreou hat keine Wahl, stellt die Zahlungen ein und meldet offiziell Staatsbankrott an. Die Auswirkungen auf den Euro und die EU sind fatal. Der Kurs griechischer Staatsanleihen sinkt ins Bodenlose, Anleger aus aller Welt müssen Milliarden Euro abschreiben.

Als Erste brechen die griechischen Banken unter der Last fauler Staatsanleihen zusammen. Sie lösen Schockwellen in ganz Europa aus und Erinnerungen an die Pleite von Lehman Brothers werden wach. Griechenland steht bei seinen Gläubigern mit rund 300 Milliarden Euro in der Kreide. Die größten Geldgeber sind Banken in Frankreich und der Schweiz, aber auch in den Bilanzen deutscher Institute liegen griechische Papiere im Wert von geschätzt 20 Milliarden Euro. Die größten deutschen Gläubiger sind Hypo Real Estate und Commerzbank. Wieder müssen die Staaten ihre Banken retten - mit noch mehr Geld.

Nicht nur die Banken kippen, auch die Staaten. Sobald die Anleger wissen, dass Europa ein Land bankrott gehen lässt, kaufen sie auch keine Anleihen anderer Staaten mehr, deren Zahlungsfähigkeit sie für gefährdet halten. Es kommt zu spekulativen Attacken auf Portugal, Spanien, Irland und Italien. Ihre Zinsen schießen in die Höhe, bis auch sie zusammenbrechen. Als erstes Land gibt Hellas den Euro ab und kramt seine alte Drachme hervor. "Für Griechenland ist es leichter, den Euro aufzugeben und abzuwerten, als massiv Löhne und Preise zu senken und eine Depression zu durchleben, um sein gigantisches Außenhandelsdefizit zu verkleinern", sagt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Ein Schuldenmoratorium ist nun unausweichlich. Denn die Drachme ist viel zu schwach, als dass sich damit die horrenden Euro-Schulden Athens begleichen ließen, die durch eine Abwertung der neuen Währung in die Höhe schnellen. Griechenland bleibt am Kapitalmarkt geächtet - so wie Russland nach seiner Pleite 1998. Mit dem Ausscheren weiterer Länder zerbricht der Euro. Übrig bleibt eine Kernwährungsunion mit Deutschland und Frankreich.

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