Freitag, 3. Mai 2013

DJ Outlook - aus DiePresse.at

Uberraschend gute US-Arbeitsmarktdaten haben die wichtigsten New Yorker Börsenindizes auf neue Rekordstände getrieben. Am Freitag gegen 16.25 Uhr (MEZ) lag der Dow Jones Industrial Average Index bei 15.006,30 Punkten, was einem Kursplus von 1,18 Prozent entspricht. Damit überschritt der bekannte Aktienindex erstmals die Schwelle von 15.000 Punkten. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist so niedrig wie seit über vier Jahren nicht mehr. Im April fiel sie überraschend von 7,6 auf 7,5 Prozent. Für den tiefsten Stand seit Ende 2008 sorgten überraschend viele Neueinstellungen in den Unternehmen. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 165.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit 145.000 gerechnet. Im Februar und März entstanden zudem 114.000 Job mehr als zunächst angenommen. Das nährt die Hoffnung auf einen anhaltenden Aufschwung.
"Der Arbeitsmarkt und die Wirtschaft insgesamt scheinen widerstandsfähiger zu sein als viele angenommen haben", sagte Analyst Joe Manimbo von Western Union Business Solutions. Die Börsen reagierten positiv: Der deutsche Leitindex Dax kletterte deutlich über die Marke von 8000 Punkten, der MDax stieg sogar auf einen Rekordwert. Der Dollar-Kurs legte zu.
Die unerwartet guten Zahlen lassen hoffen, dass die weltgrößte Volkswirtschaft ihre Erholung fortsetzt. Bereits im ersten Quartal schoben die Verbraucher die Konjunktur an, indem sie ihren Ausgaben um mehr als drei Prozent nach oben schraubten und damit so stark wie seit Ende 2010 nicht mehr. Dadurch wuchs die US-Wirtschaft, die zu 70 Prozent vom Konsum abhängig ist, mit einer Jahresrate von 2,5 Prozent. Ende 2012 hatte es lediglich zu einem Mini-Plus von 0,4 Prozent gereicht.

"Wirtschaft nicht so schlecht wie befürchtet"

"Die Wirtschaft ist nicht so schlecht wie befürchtet", sagte Darrell Cronk von der Großbank Wells Fargo. "Die US-Arbeitnehmer verzeichnen derzeit einen realen Einkommensanstieg", ergänzte Postbank-Ökonom Thilo Heidrich. "Dies sollte sich in einer Ausweitung des privaten Verbrauchs niederschlagen."
Für die positive Bilanz sorgten vor allem Dienstleister. Sie schufen allein 185.000 Stellen. Auch im Einzelhandel entstanden neue Jobs, während die Industrie ihre Belegschaft stabil hielt. "Der Beschäftigungsanstieg steht auf ziemlich breiter Basis", sagte Heidrich. Der unter Sparzwang stehende Staat strich dagegen 11.000 Stellen, auch in der Baubranche fielen Arbeitsplätze weg.
Trotz der positiven Bilanz der vergangenen Monate ist der US-Arbeitsmarkt noch lange nicht in Bestform. Die Arbeitslosenquote liegt noch deutlich über dem Schnitt der vergangenen 60 Jahre von rund sechs Prozent. Experten befürchten, dass Ausgabenkürzungen der Regierung und höhere Steuern den Aufschwung schon im Frühjahr bremsen dürften. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte erst vor kurzem die Wachstumsprognose für 2013 von 2,1 auf 1,9 Prozent.

Fed setzt lockere Geldpolitik fort

Um die Konjunktur anzuschieben, will die Notenbank Fed ihre extrem lockere Geldpolitik fortsetzen. Monat für Monat kauft sie für 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere. Damit will sie die Wirtschaft ankurbeln und hofft, dass die Arbeitslosigkeit sinkt. Vom Gas gehen wollen Fed-Chef Ben Bernanke und die meisten anderen Top-Notenbanker erst dann, wenn die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist.

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