Laut Definition ist ein Swap nichts anderes als ein Tauschgeschäft. Im Fall der BIZ hat das Institut 346 Tonnen Gold von Zentralbanken oder Geschäftsbanken angekauft. Damit es sich um einen Swap handelt, mussten die BIZ und ihre Kunden eine Rückkaufsvereinbarung zu einem festgelegten Termin und Preis festschreiben. Wäre der Kunde nicht in der Lage, das Gold wieder auszulösen, könnte die BIZ das Edelmetall am Markt verkaufen.
In der Regel tragen jedoch die Geschäftsbanken ihr Gold nicht zur BIZ oder einer nationalen Zentralbank. Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten kauften die Bullion Banks, also die Geschäftsbanken, mit Swaps oder Leasing-Geschäften von einer Zentralbank Gold und verkauften es am Markt weiter. Die Bullion Banks hofften dann auf einen fallenden Kurs, um das Gold später günstiger zurückkaufen und zurückgeben zu können. Da das Gold bei Abschluss des Swap in der Regel auf den Markt geworfen wurde, belastete dies den Goldpreis. Swaps und Verleihung wurden und werden offenbar auch noch heute von den Zentralbanken zur Steuerung des Goldmarkts verwendet.
Sonntag, 25. Juli 2010
Gold als Zuflucht
Doch mittlerweile verlieren die Bremsversuche der Notenbanken an Gewicht. Denn vor allem asiatische Zentralbanken springen auf den Goldzug auf und legen sich vermehrt die Barren in ihre Tresore. Das ist ein weiteres Alarmzeichen für die Gold-Bullen. Denn wenn die Notenbanken nicht mehr an die Werthaltigkeit ihrer Währungsreserven in US-Dollar, Yen und Euro glauben und Gold als bessere Alternative ansehen, dürften die Dämme für den Goldpreis gebrochen sein.
„Als nächstes 12-Monats-Ziel sehen wir die Marke von 1600 US-Dollar“, gibt Stöferle die Erwartungen der Erste-Bank-Analysten an. „Am Ende des Zyklus sollte unser Kursziel von 2300 US-Dollar erreicht werden“, sagt der Goldexperte zudem. Wenn das nicht nach Verschwörung gegen die Notenbanken riecht!
„Als nächstes 12-Monats-Ziel sehen wir die Marke von 1600 US-Dollar“, gibt Stöferle die Erwartungen der Erste-Bank-Analysten an. „Am Ende des Zyklus sollte unser Kursziel von 2300 US-Dollar erreicht werden“, sagt der Goldexperte zudem. Wenn das nicht nach Verschwörung gegen die Notenbanken riecht!
Freitag, 23. Juli 2010
Risiken für den Aufschwung
Die größten Risiken für den deutschen Aufschwung sind nach Meinung der Experten:
* Die Konjunktur in den USA und Asien entwickelt sich nicht so gut wie zuletzt. US-Notenbankchef Ben Bernanke bezeichnete die Aussichten für die weltgrößte Volkswirtschaft als "außergewöhnlich unsicher". Pessimisten schließen sogar einen Rückfall in die Rezession nicht aus angesichts einer hohen Arbeitslosigkeit und anhaltender Probleme am Immobilienmarkt. In China schwächte sich das Wachstum im zweiten Quartal von 11,9 auf 10,3 Prozent ab. Die Regierung erwartet eine "stetige Abschwächung".
* Das Sparpaket der Bundesregierung: Auch beim privaten Konsum spricht wenig für ein kräftiges Wachstum. Zwar fällt die Zahl der Arbeitslosen weiter in Richtung drei Millionen, allerdings steigen die Löhne kaum. Gleichzeitig droht weniger Netto vom Brutto. Ab 2011 steigen zudem die Krankenkassenbeiträge für gesetzlich Versicherte von 14,9 auf 15,5 Prozent.
* Die deutschen Unternehmen investieren trotz des Aufschwungs kaum. Ihre Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen werden 2010 um nicht einmal ein Prozent steigen, erwartet das Ifo-Institut. "Die Investitionstätigkeit ist damit noch weit davon entfernt, die Rolle als Konjunkturlokomotive zu übernehmen", sagt Ifo-Experte Arno Städtler.
* Die Gefahr einer Kreditklemme ist noch vollständig nicht gebannt. "Das ist jetzt die Ruhe vor dem Sturm", warnt der von der Regierung eingesetzte Kreditmediator Hans-Joachim Metternich. Die Geldhäuser dürften angesichts der zu erwartenden strengeren Eigenkapitalvorschriften und der drohenden Bankenabgabe deutlich zurückhaltender bei der Kreditvergabe werden. Hinzu komme, dass viele Landesbanken derzeit mitten in der Restrukturierung steckten. "Das ist alles nicht gut für die Versorgung der mittelständischen Wirtschaft", sagte Metternich.
* Die Konjunktur in den USA und Asien entwickelt sich nicht so gut wie zuletzt. US-Notenbankchef Ben Bernanke bezeichnete die Aussichten für die weltgrößte Volkswirtschaft als "außergewöhnlich unsicher". Pessimisten schließen sogar einen Rückfall in die Rezession nicht aus angesichts einer hohen Arbeitslosigkeit und anhaltender Probleme am Immobilienmarkt. In China schwächte sich das Wachstum im zweiten Quartal von 11,9 auf 10,3 Prozent ab. Die Regierung erwartet eine "stetige Abschwächung".
* Das Sparpaket der Bundesregierung: Auch beim privaten Konsum spricht wenig für ein kräftiges Wachstum. Zwar fällt die Zahl der Arbeitslosen weiter in Richtung drei Millionen, allerdings steigen die Löhne kaum. Gleichzeitig droht weniger Netto vom Brutto. Ab 2011 steigen zudem die Krankenkassenbeiträge für gesetzlich Versicherte von 14,9 auf 15,5 Prozent.
* Die deutschen Unternehmen investieren trotz des Aufschwungs kaum. Ihre Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen werden 2010 um nicht einmal ein Prozent steigen, erwartet das Ifo-Institut. "Die Investitionstätigkeit ist damit noch weit davon entfernt, die Rolle als Konjunkturlokomotive zu übernehmen", sagt Ifo-Experte Arno Städtler.
* Die Gefahr einer Kreditklemme ist noch vollständig nicht gebannt. "Das ist jetzt die Ruhe vor dem Sturm", warnt der von der Regierung eingesetzte Kreditmediator Hans-Joachim Metternich. Die Geldhäuser dürften angesichts der zu erwartenden strengeren Eigenkapitalvorschriften und der drohenden Bankenabgabe deutlich zurückhaltender bei der Kreditvergabe werden. Hinzu komme, dass viele Landesbanken derzeit mitten in der Restrukturierung steckten. "Das ist alles nicht gut für die Versorgung der mittelständischen Wirtschaft", sagte Metternich.
Sinn-volles
Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg insgesamt von 101,8 auf 106,2 Punkte, wie das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München mitteilte. Diese Zunahme sei der größte Sprung nach vorne seit der deutschen Wiedervereinigung. "Die deutsche Wirtschaft ist wieder in Partylaune", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Die Experten hatten diese jähe Stimmungsverbesserung überhaupt nicht auf der Rechnung und hatten vielmehr mit einer leichten Verschlechterung insbesondere der Geschäftserwartungen gerechnet.
Der deutliche Anstieg kam daher vollkommen unerwartet. Die befragten 7000 Unternehmen berichteten demnach von einer erheblich verbesserten aktuellen Geschäftslage: Der entsprechende Teilindex stieg von 101,2 Punkten im Juni auf jetzt 106,8 Punkte. Auch die Erwartungen an das kommende halbe Jahr schätzen die Unternehmen deutlich besser ein als im Juni. Nach 102,5 Punkten im Vormonat fiel der Anstieg auf jetzt 105,5 Punkte aber nicht so deutlich aus wie bei der Lagebewertung.
Volkswirte hatten bei der aktuellen Geschäftslage lediglich mit einem leichten Anstieg auf 101,8 Punkte gerechnet. Bei den Erwartungen der Unternehmen hatten die Experten hingegen ein Rückgang auf 101,4 Punkte prognostiziert.
Die Experten hatten diese jähe Stimmungsverbesserung überhaupt nicht auf der Rechnung und hatten vielmehr mit einer leichten Verschlechterung insbesondere der Geschäftserwartungen gerechnet.
Der deutliche Anstieg kam daher vollkommen unerwartet. Die befragten 7000 Unternehmen berichteten demnach von einer erheblich verbesserten aktuellen Geschäftslage: Der entsprechende Teilindex stieg von 101,2 Punkten im Juni auf jetzt 106,8 Punkte. Auch die Erwartungen an das kommende halbe Jahr schätzen die Unternehmen deutlich besser ein als im Juni. Nach 102,5 Punkten im Vormonat fiel der Anstieg auf jetzt 105,5 Punkte aber nicht so deutlich aus wie bei der Lagebewertung.
Volkswirte hatten bei der aktuellen Geschäftslage lediglich mit einem leichten Anstieg auf 101,8 Punkte gerechnet. Bei den Erwartungen der Unternehmen hatten die Experten hingegen ein Rückgang auf 101,4 Punkte prognostiziert.
Sonntag, 18. Juli 2010
Gold ?
„Gold ist im Gegensatz zu Papiergeldwährungen die ultimative Währung“, sagt der Hamburger Vermögensverwalter Martin Mack. Da hat er recht. Verschiedenste Währungen kamen und gingen wieder, Gold blieb bestehen. Und es zweifelt auch niemand daran, dass der Goldpreis, der derzeit bei 1189,25 Dollar je Feinunze steht, langfristig steigen wird. Die entscheidende Frage ist jene nach dem Einstiegszeitpunkt. Seit Ende Juni ging der Preis um knapp fünf Prozent zurück. Für die Anleger könnten sich demnächst noch bessere Möglichkeiten zum Goldkauf ergeben. Es gibt nämlich Signale, die darauf hindeuten, dass der Preis noch etwas nach unten gehen dürfte.
Inflationsschutz ist nicht notwendig. Der Goldpreis profitiert von einer erhöhten Teuerungsgefahr, da das Edelmetall als Absicherung gegen eine Inflation gesehen wird. Doch Analysten werden nicht müde zu betonen, dass die Gefahr einer hohen Inflation derzeit nicht gegeben sei. Die Produktionskapazitäten sind noch nicht ausgelastet, die Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch.
Warnung vor der Goldblase. „Blasen sehen genau so aus“, sagt Gerhard Rehor, Vorstand der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien. Mit fundamentalen Gründen sei der jüngste Preisanstieg nicht zu begründen. Aber: Verglichen mit der Staatsverschuldung könne man absolut nicht von einer Blase sprechen, sagen die Experten der Erste Bank. Würde man die US-Staatsverschuldung mit zehn Prozent Gold decken, müsste der Goldpreis bei 4500 Dollar liegen.
Banken tauschten Gold gegen Geld ein. Die Investoren könnten sich verunsichert zeigen, nachdem die Geschäftsbanken bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die riesige Menge von 346 Tonnen Gold hinterlegten, um von der BIZ frisches Geld zu bekommen. Das könnte ein Signal sein, dass die Banken derzeit schwer an Geld kommen. Hinter diesem Deal könnten auch Notenbanken stehen. Staaten, deren Notenbanken Gold an die BIZ verkaufen, könnten in Zahlungsschwierigkeiten stecken. Für den Goldpreis könnten beide Szenarien negative Auswirkungen haben. Können die Banken das geliehene Geld der BIZ nicht zurückzahlen, müsste Letztere das hinterlegte Gold über den Markt verkaufen und somit den Preis drücken. Die 346 Tonnen entsprechen immerhin zwei Dritteln der globalen Goldfördermenge im ersten Quartal 2010.
Ruhe auf den Finanzmärkten. Herrscht Nervosität auf den Finanzmärkten, hilft das normalerweise dem Gold. Aktuell scheint sich die Lage etwas beruhigt zu haben. Die Berichtssaison verläuft gut. Die Schuldenstaaten Griechenland, Portugal und Spanien haben sich erfolgreich Geld vom Kapitalmarkt geholt. Eine zusätzliche Beruhigungspille sollen die Ergebnisse der europäischen Bankenstresstests bringen, die am 23.Juli veröffentlicht werden. „Die Stresstests könnten ein großer Schritt sein, um das Vertrauen in das europäische Finanzsystem zu stärken“, sagte Robert Wescott, Wirtschaftsberater des früheren US-Präsidenten Bill Clinton, im „Presse“-Interview.
Aktuelle Dollarschwäche. Seit Anfang Juni ist der Dollar gegenüber dem Euro im Sturzflug. Es hat sich wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass es den USA kaum besser geht als Europa. Viele Euro-Investoren dürften wegen der europäischen Schuldenkrise und des kriselnden Euro in Gold geflüchtet sein. Der aktuell aufwertende Euro dürfte nun dazu führen, dass die Investoren auf die Absicherung mit Gold verzichten, was den Goldpreis weiter drücken könnte.
Silber wird an Bedeutung gewinnen.Analysten glauben, dass Silber in Zukunft eine wachsende Bedeutung bekommen wird. Silber hat nämlich eine Doppelfunktion: Es ist ein Edelmetall und ein Industriematerial.
Experten glauben, dass die Anleger künftig verstärkt auf Silber zurückgreifen werden, wenn sie sich gegen Währungskrisen absichern wollen. Sie sehen das Verhältnis von Rendite und Risiko von Silber besser als von Gold, das derzeit rund 50 Mal so teuer ist wie Silber. Sollten die Analystenprognosen wirklich zutreffen, dann hätte das aber noch keine markanten kurzfristigen Auswirkungen auf den Goldpreis.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2010)
Inflationsschutz ist nicht notwendig. Der Goldpreis profitiert von einer erhöhten Teuerungsgefahr, da das Edelmetall als Absicherung gegen eine Inflation gesehen wird. Doch Analysten werden nicht müde zu betonen, dass die Gefahr einer hohen Inflation derzeit nicht gegeben sei. Die Produktionskapazitäten sind noch nicht ausgelastet, die Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch.
Warnung vor der Goldblase. „Blasen sehen genau so aus“, sagt Gerhard Rehor, Vorstand der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien. Mit fundamentalen Gründen sei der jüngste Preisanstieg nicht zu begründen. Aber: Verglichen mit der Staatsverschuldung könne man absolut nicht von einer Blase sprechen, sagen die Experten der Erste Bank. Würde man die US-Staatsverschuldung mit zehn Prozent Gold decken, müsste der Goldpreis bei 4500 Dollar liegen.
Banken tauschten Gold gegen Geld ein. Die Investoren könnten sich verunsichert zeigen, nachdem die Geschäftsbanken bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die riesige Menge von 346 Tonnen Gold hinterlegten, um von der BIZ frisches Geld zu bekommen. Das könnte ein Signal sein, dass die Banken derzeit schwer an Geld kommen. Hinter diesem Deal könnten auch Notenbanken stehen. Staaten, deren Notenbanken Gold an die BIZ verkaufen, könnten in Zahlungsschwierigkeiten stecken. Für den Goldpreis könnten beide Szenarien negative Auswirkungen haben. Können die Banken das geliehene Geld der BIZ nicht zurückzahlen, müsste Letztere das hinterlegte Gold über den Markt verkaufen und somit den Preis drücken. Die 346 Tonnen entsprechen immerhin zwei Dritteln der globalen Goldfördermenge im ersten Quartal 2010.
Ruhe auf den Finanzmärkten. Herrscht Nervosität auf den Finanzmärkten, hilft das normalerweise dem Gold. Aktuell scheint sich die Lage etwas beruhigt zu haben. Die Berichtssaison verläuft gut. Die Schuldenstaaten Griechenland, Portugal und Spanien haben sich erfolgreich Geld vom Kapitalmarkt geholt. Eine zusätzliche Beruhigungspille sollen die Ergebnisse der europäischen Bankenstresstests bringen, die am 23.Juli veröffentlicht werden. „Die Stresstests könnten ein großer Schritt sein, um das Vertrauen in das europäische Finanzsystem zu stärken“, sagte Robert Wescott, Wirtschaftsberater des früheren US-Präsidenten Bill Clinton, im „Presse“-Interview.
Aktuelle Dollarschwäche. Seit Anfang Juni ist der Dollar gegenüber dem Euro im Sturzflug. Es hat sich wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass es den USA kaum besser geht als Europa. Viele Euro-Investoren dürften wegen der europäischen Schuldenkrise und des kriselnden Euro in Gold geflüchtet sein. Der aktuell aufwertende Euro dürfte nun dazu führen, dass die Investoren auf die Absicherung mit Gold verzichten, was den Goldpreis weiter drücken könnte.
Silber wird an Bedeutung gewinnen.Analysten glauben, dass Silber in Zukunft eine wachsende Bedeutung bekommen wird. Silber hat nämlich eine Doppelfunktion: Es ist ein Edelmetall und ein Industriematerial.
Experten glauben, dass die Anleger künftig verstärkt auf Silber zurückgreifen werden, wenn sie sich gegen Währungskrisen absichern wollen. Sie sehen das Verhältnis von Rendite und Risiko von Silber besser als von Gold, das derzeit rund 50 Mal so teuer ist wie Silber. Sollten die Analystenprognosen wirklich zutreffen, dann hätte das aber noch keine markanten kurzfristigen Auswirkungen auf den Goldpreis.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2010)
Samstag, 17. Juli 2010
Euro ?
So werden die Fliehkräfte, die den Euro zu zerreißen drohen, schon bald wieder größer werden. Nicht umsonst warnte der prominente japanische Devisenexperte Eisuke Sakakibara erst davor, dass sich die Europäische Union und ihre Gemeinschaftswährung Euro in einem Zustand der Auflösung befinde. Laut der Finanznachrichtenagentur Bloomberg sieht er den Euro zum Jahresende bis zum Jahresende um zehn Prozent nachgeben. Sakakibara war von 1997 bis 1999 im japanischen Finanzministerium für die Währungspolitik zuständig und wurde in dieser Funktion durch seine zahlreichen Interventionen am Devisenmarkt international unter dem Namen „Mr. Yen“ bekannt.
Auch die Währungsstrategen der US-Bank Morgan Stanley halten die jetzige Erholung des Euro für eine kurzlebige Scheinblüte. Der Bankenstresstest werde anders als derzeit weithin erwartet eher zu Enttäuschungen führen. Und wer jetzt die Wachstumsrisiken jenseits des Atlantiks sehe, werde erkennen müssen: Alles, was Amerika an Konjunkturschwäche drohe, werde Europa noch viel schlimmer treffen. Der Grund sind die Sparprogramme vieler europäischer Regierungen. Die US-Regierung hat dagegen noch die Spendierhosen an. Die Wall-Street-Banker raten ihren Kunden, noch offensivere Verkaufspositionen zum Europa-Geld einzugehen. Ihr Kursziel lautet 1,18 Dollar zum Jahresende, rund zehn Prozent weniger als aktuell.
Noch aggressiver positioniert sich Devisenexperte Hans-Günter Redeker von der BNP Paribas: Er sieht den Euro bis Frühjahr 2011 auf 0,97 Dollar zurückfallen und hält den jetzigen Kursaufschwung für die letzte gute Gelegenheit, sich zu guten Preisen von der Gemeinschaftswährung zu trennen.
Auch die Währungsstrategen der US-Bank Morgan Stanley halten die jetzige Erholung des Euro für eine kurzlebige Scheinblüte. Der Bankenstresstest werde anders als derzeit weithin erwartet eher zu Enttäuschungen führen. Und wer jetzt die Wachstumsrisiken jenseits des Atlantiks sehe, werde erkennen müssen: Alles, was Amerika an Konjunkturschwäche drohe, werde Europa noch viel schlimmer treffen. Der Grund sind die Sparprogramme vieler europäischer Regierungen. Die US-Regierung hat dagegen noch die Spendierhosen an. Die Wall-Street-Banker raten ihren Kunden, noch offensivere Verkaufspositionen zum Europa-Geld einzugehen. Ihr Kursziel lautet 1,18 Dollar zum Jahresende, rund zehn Prozent weniger als aktuell.
Noch aggressiver positioniert sich Devisenexperte Hans-Günter Redeker von der BNP Paribas: Er sieht den Euro bis Frühjahr 2011 auf 0,97 Dollar zurückfallen und hält den jetzigen Kursaufschwung für die letzte gute Gelegenheit, sich zu guten Preisen von der Gemeinschaftswährung zu trennen.
Donnerstag, 8. Juli 2010
Spekulation
Ob die Wirtschafts- und Finanzkrise der Jetztzeit ähnlich zerstörerische Wirkungen entfalten wird, lässt sich schwer vorherzusagen. John Kenneth Galbraith jedenfalls hat in seiner 1990 erstmals erschienenen "Kurzen Geschichte der Spekulation" weitere schwere Finanzkrisen prognostiziert. Einer der Gründe dafür ist seiner Meinung nach:
Das Gedächtnis in Finanzdingen reicht höchstens zwanzig Jahre zurück. Das ist normalerweise der Zeitraum, der notwendig ist, die Erinnerung an eine Katastrophe zu tilgen und irgendeiner Abart des alten Schwachsinns die Chance einzuräumen, erneut den ökonomischen Verstand zu übertölpeln. Es ist auch der Zeitraum, der normalerweise nötig ist, bis eine neue Generation die Szene betritt, die, wie ihre Vorgänger, von der eigenen Genialität überzeugt ist.
Galbraith ist Realist: Solange unser Wirtschaftsleben nach kapitalistischen Prinzipien organisiert ist, wird es immer wieder - unvermeidlich - zu Spekulations-Exzessen kommen. Daran werden auch Bankenabgaben, Spekulationssteuern und ähnliche Regulierungsmaßnahmen wenig ändern.
Man könne Profitgier und finanzielle Leichtgläubigkeit, schreibt Galbraith, durch gesetzliche Regelungen nicht unterbinden. Das einzige, was man tun könne: sich bemühen, die Mechanismen der Spekulation zu verstehen. Galbraiths Buch bietet erstklassige Instrumentarien dazu.
Das Gedächtnis in Finanzdingen reicht höchstens zwanzig Jahre zurück. Das ist normalerweise der Zeitraum, der notwendig ist, die Erinnerung an eine Katastrophe zu tilgen und irgendeiner Abart des alten Schwachsinns die Chance einzuräumen, erneut den ökonomischen Verstand zu übertölpeln. Es ist auch der Zeitraum, der normalerweise nötig ist, bis eine neue Generation die Szene betritt, die, wie ihre Vorgänger, von der eigenen Genialität überzeugt ist.
Galbraith ist Realist: Solange unser Wirtschaftsleben nach kapitalistischen Prinzipien organisiert ist, wird es immer wieder - unvermeidlich - zu Spekulations-Exzessen kommen. Daran werden auch Bankenabgaben, Spekulationssteuern und ähnliche Regulierungsmaßnahmen wenig ändern.
Man könne Profitgier und finanzielle Leichtgläubigkeit, schreibt Galbraith, durch gesetzliche Regelungen nicht unterbinden. Das einzige, was man tun könne: sich bemühen, die Mechanismen der Spekulation zu verstehen. Galbraiths Buch bietet erstklassige Instrumentarien dazu.
Samstag, 3. Juli 2010
Bob Haugen
29. Juni 2010
Jahrzehntelang hatte der amerikanische Ökonom Bob Haugen die Moderne Portfoliotheorie seines amerikanischen Kollegen Harry Markowitz bekämpft. Nun, im Alter, sieht er sich endlich auf der Gewinnerseite. Im Zuge der Finanzkrise ist die Kapitalmarkttheorie, wie Markowitz sie 1952 entworfen hatte, zunehmend in die Kritik geraten. „Es ist ganz falsch anzunehmen, dass die Kapitalmärkte effizient seien“, sagt Haugen, der nun auch als Berater von verschiedenen Fondsgesellschaften der französischen Großbank BNP Paribas arbeitet.
Markowitz veränderte die Geldanlage wie kaum ein anderer Ökonom im zwanzigsten Jahrhundert. Mit seiner Modernen Portfoliotheorie wies er wissenschaftlich nach, dass Anleger dank einer breiten Streuung der Geldanlage das Risiko spürbar senken können. Allerdings sind der Diversifizierung Grenzen gesetzt. Sind sie überschritten, bringt eine noch breitere Streuung keinen Vorteil mehr.
Jahrzehntelang hatte der amerikanische Ökonom Bob Haugen die Moderne Portfoliotheorie seines amerikanischen Kollegen Harry Markowitz bekämpft. Nun, im Alter, sieht er sich endlich auf der Gewinnerseite. Im Zuge der Finanzkrise ist die Kapitalmarkttheorie, wie Markowitz sie 1952 entworfen hatte, zunehmend in die Kritik geraten. „Es ist ganz falsch anzunehmen, dass die Kapitalmärkte effizient seien“, sagt Haugen, der nun auch als Berater von verschiedenen Fondsgesellschaften der französischen Großbank BNP Paribas arbeitet.
Markowitz veränderte die Geldanlage wie kaum ein anderer Ökonom im zwanzigsten Jahrhundert. Mit seiner Modernen Portfoliotheorie wies er wissenschaftlich nach, dass Anleger dank einer breiten Streuung der Geldanlage das Risiko spürbar senken können. Allerdings sind der Diversifizierung Grenzen gesetzt. Sind sie überschritten, bringt eine noch breitere Streuung keinen Vorteil mehr.
Ellwanger
Stuttgart (BoerseGo.de) - Arnim Kogge von der Privatbank Ellwanger & Geiger hält es nach dem gestrigen Einbruch des Dax-Index für wichtig, dass der Bereich um 5800 Punkte durch die Bullen verteidigt wird. Auch der Euro Stoxx 50 sowie der Dow Jones befänden sich unmittelbar vor charttechnischen Unterstützungsmarken, so Kogge. Trotz der gestiegenen Nervosität sorge die nahezu unbegrenzte Liquidität durch die Zentralbanken für eine Linderung des Schocks. Dennoch blieben Edelmetalle die Profiteure der Unsicherheit. Insbesondere Silber ziehe nun stärker an und schließe gegenüber Gold auf. Da die großen Konsumenten USA, China und Indien auch weiterhin auf Silber zu setzen scheinen, spreche alles dafür, dass die Rally an den Edelmetallmärkten noch nicht vorbei sei, so Ellwanger & Geiger in einem Marktkommentar.
Finanzkrise : A-Z (Schulmeister)
Die Industrieländer haben die schwierigste Phase der Krisenicht hinter sich, sie liegt voruns. Denn wir befinden uns erst am Anfang der Talsohle des „langen Zyklus“. Sein Aufschwung wurde – nach der Talsohle der Weltwirtschaftskrise – in der „realkapitalistischen“ Prosperitätsphase der Nachkriegszeit realisiert, der Abschwung in der „finanzkapitalistischen“ Phase der vergangenen 35 Jahre. Der Gesamtprozess lässt sich aus der Wechselwirkung zwischen wirtschaftswissenschaftlicher Weltanschauung (Paradigma) und ökonomischer Realität begreifen.
Von den 1950er- bis in die 1970er-Jahre dominierte in den Wirtschaftswissenschaften das keynesianische Weltbild: Der Staat spielte eine sehr aktive Rolle in der Konjunktur-, Wachstums-, Beschäftigungs- und Sozialpolitik, man strebte nach einem Mix aus Markt und Staat („Soziale Marktwirtschaft“): Unternehmervertreter und Gewerkschaften arbeiten eng zusammen („Rheinischer Kapitalismus“), die Gütermärkte werden schrittweise liberalisiert, die Finanzmärkte bleiben reguliert, der Zinssatz wird von den Notenbanken unter der Wachstumsrate gehalten, die Wechselkurse und Rohstoffpreise sind stabil, die Aktienmärkte dämmern vor sich hin.
Das Gewinnstreben – die „Kernenergie“ im Kapitalismus – wurde so systematisch auf die Realwirtschaft gelenkt, auf den Finanzmärkten ist nichts zu holen. Gleichzeitig wollten die Menschen permanent über ihre Verhältnisse leben, also jedes Jahr mehr kaufen als im letzten. Der stete Anstieg der Nachfrage machte wiederum das Produzieren für die Unternehmer (höchst) profitabel.
Makroökonomisch bedeutete dies: Der Unternehmenssektor übernahm das Sparen der Haushalte (Überschüsse) in Form von Investitionskrediten (Defizit) und verwandelte es in Realkapital und Arbeitsplätze. So konnte der Staat leicht einenausgeglichenen Haushalt aufweisen. Bei einem weit unter der Wachstumsrate liegenden Zinsniveau ging die Staatsschuldenquote 20 Jahre lang zurück, obwohl (weil?) der Sozialstaatstetig ausgebaut wurde. – Mit bewundernswerter Energie und Ausdauer bereiten in dieser Phase die (damaligen) „Außenseiter“ Friedman und Hayek die neoliberale Gegenoffensive vor. Hauptangriffspunkte:
▷Die Regulierung der Finanzmärkte, insbesondere im Zusammenhang mit der Debatte um flexible versus feste Wechselkurse.
▷Die (langfristige) Ineffizienz respektive Schädlichkeit von Vollbeschäftigungspolitik („Philipskurven-Debatte“).
Ende der 1960er-Jahre setzt die Gegenoffensive ein, paradoxerweise gefördert durch den Erfolg des „Realkapitalismus“ – dieser unterminierte das Bündnis Arbeit–Realkapital: Bei Vollbeschäftigung nehmen die Streiks zu, die Lohnquote steigt massiv, immer mehr Mitbestimmung wird verlangt, „links“ wird schick unter Intellektuellen (1968), die Sozialdemokratie bekommt Aufwind, 1970 beginnt die Umweltbewegung, den Kapitalismus aus ökologischer Sicht in Frage zu stellen („Club of Rome“). All dies verstört die Unternehmer.
Die neoliberalen „Masterminds“ holen die Vermögenden in ihrer Irritation gewissermaßen ab, indem sie die „übermächtigen Gewerkschaften“ und den „ausufernden Sozialstaat“ zu Hauptübeln erklären. In der Folge entwickeln sie eine geniale Doppelstrategie:
▷Schritt A: Aufgrund ihrer eigenen „wissenschaftlichen“ Empfehlungen werden Probleme geschaffen.
▷Schritt B: Diese werden so gedeutet, dass die Schlussfolgerung in den Dienst ei- nes neuen Schritts neoliberaler Propaganda gestellt werden kann.
Lassen wir die vergangenen vier Jahrzehnte Revue passieren als Abfolge neoliberaler Wechselschritte und zugleich als Tanz zum Abgrund.
Schritt 1A: Jahrelang hatten Friedman und Hayek für die Aufgabe des Systems fester Wechselkurse gekämpft, 1971 war es so weit. In der Folge verliert der Dollar 25 Prozent an Wert. Im Herbst 1973 reagieren die Erdölexporteure darauf mit dem ersten „Ölpreisschock“, die Inflation steigt, die Weltwirtschaft schlittert in eine Rezession, die Arbeitslosigkeit nimmt zu.
Schritt 1B: Diese Konstellation interpretieren die neoliberalen „Masterminds“ als Widerlegung der Philipskurve und damit des Keynesianismus. Eine geniale Fehlinterpretation, weil die „Theorie“ der Philipskurve nur für eine geschlossene Wirtschaft entwickelt wurde.
Schritt 2A: Zwischen 1976 und 1978 verliert der Dollar wieder 25 Prozent an Wert, 1979 kommt es zum zweiten „Ölpreisschock“ und damit neuerlich zu einer Rezession samt massiver Inflationsbeschleunigung.
Schritt 2B: Dies veranlasst die Notenbanken zu einer massiven Hochzinspolitik, seither liegt der Zinssatz nahezu permanent über der Wachstumsrate (in den USA wurde dies allerdings vor 20 Jahren „korrigiert“).
Schritt 3A: Die neoliberale Deregulierung der Finanzmärkte bringt in den 1980er-Jahren unzählige Finanzinnovationen (Derivate aller Art) hervor, sie erleichtern die Spekulation mit Aktien, Rohstoffpreisen, Zinssätzen und Wechselkursen, die Instabilität dieser Preise steigt.
Schritt 3B: Dies sowie das positive Zins-Wachstums-Differenzial veranlassen immer mehr Konzerne, sich in Finanzkapital zu veranlagen, statt in Realkapital zu investieren. Dies dämpft das Wirtschaftswachstum nachhaltig, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung steigen.
Schritt 4A: Davon werden die Eliten in Europa Anfang der 1990er-Jahre wachgerüttelt: So kann es nicht weitergehen, der Staat musssparen (Maastricht-Kriterien). Zwei Jahrzehnte nach Beginn der neoliberalen Gegenoffensive können die Eliten den systemischen Charakter des Problems Budgetdefizit nicht mehr begreifen – dieses ist ja das Resultat der Interaktion aller Sektoren: Wenn die Unternehmen ihr Defizit senken, weniger investieren und das Wachstum dämpfen, die Haushalte aber weiterhin sparen, dann „erleidet“ der Staat ein Defizit (durch höhere Arbeitslosigkeit und geringere Steuereinnahmen).
Die neoliberalen Geistesgrößen aber dachten und denken schlicht: Der Schuldner ist schuld. Der Symptomdiagnose folgte die Symptomkur der 1990er-Jahre: Der Staat muss sparen.
Schritt 4B: Die Sparpolitik dämpft den Konsum nachhaltig und
damit auch das Wirtschaftswachstum – ammeisten in jenen Ländern, wo die Staatsquote am stärksten gesenkt wird, insbesondere inDeutschland. In der Folge steigt die Arbeitslosigkeit bis 1997 massiv an.
Schritt 5A: Hohe Arbeitslosigkeit, dieSchwächung des Sozialstaats und boomende Finanzmärkte machen die Verteilung von Einkommen und Vermögen immer ungleicher – sowohl zwischen Arbeit, Realkapital und Finanzkapital (funktionelle Verteilung), als auch zwischen „unten“ und „oben“ (personelle Verteilung).
Schritt 5B: Die Zunahme der Ungleichheit in der Verteilung dämpft die Konsumnachfrage, die hohen Renditen auf Finanzveranlagung und -spekulation dämpfen die Realinvestitionen der Unternehmen, beides verstärkt die Stagnationstendenz. Statt normaler Arbeitsplätze werden immer mehr atypische Jobs geschaffen.
Schritt 6A: Die hohe Arbeitslosigkeit und der massive Anstieg atypischer Beschäftigung aller Art lassen die Armut steigen und belasten die Sozialbudgets. Weitere Kürzungen sind die Folge, insbesondere im Bereich der sozialstaatlichen Altersversorgung und der Arbeitslosenversicherung.
Schritt 6B: Der von ihnen selbst „abgebaute“ Sozialstaat wird von den neoliberalen Ökonomen (nunmehr die große Mehrheit) als Beweis angeführt, dass man individuell vorsorgen muss, insbesondere für die Pension.
Schritt 7A: Die Expansion der Pensionsfonds nährt den Aktienboom der 1990er-Jahre und verstärkt nach der Korrektur 2001/2003 einen weiteren Boom, der Ende 2007 kollabiert.
Schritt 7B: Strukturelle Gewinner dieser Versuche, Geld „arbeiten“ zu lassen, sind die Profis im Finanzsektor. Ihre Aktivitäten sind es, die von den neoliberalen „Masterminds“ wissenschaftlich legitimiert worden waren. Da auch die Unternehmervertreter den Neoliberalismus als ihre Ideologie adoptiert hatten, nahm seine Popularität unter den Eliten weiter zu.
Schritt 8A: Nach der Korrektur 2001/2003 brachte die Hochblüte der Finanz-Alchemie immer mehr und immer komplexere Produkte auf den Markt, mit denen man – bei geschicktem Einsatz – aus Geld (viel) mehr Geld machen konnte. Die „collateral debt obligations“ (CDOs) und die „credit default swaps“ (CDSs) boomten besonders stark.
Schritt 8B: Die CDOs in Gestalt der „mortgage backed securities“ (MBSs) trugen wesentlich zum Ausmaß des Preis- und Investitionsbooms am US-Immobilienmarkt bei, dessen Zusammenbruch die große Krise auslöste. Die CDSs verschärften die Finanzkrise und erleichterten den Finanz-Alchemisten in der Folge die Spekulation auf den Bankrott einzelner Staaten.
Schritt 9A: Durch die Expansion des Finanzsektors sind seine wichtigsten Akteure sogroß geworden, dass sie bei Insolvenzgefahr gerettet werden müssen („too big to fail“).
Schritt 9B: Darauf vertrauend, intensivieren die Finanz-Alchemisten die „selbstreferenzielle“ Geldvermehrung. Sie können dafür nicht nur Teile jener Mittel verwenden, die zu ihrer Rettung aufgebracht wurden, sondern profitieren auch von den extrem niedrigen Leitzinsen, mit denen die Notenbanken eigentlich die Kredite für die Realwirtschaft verbilligen wollten.
Nun stehen wir vor dem Finale furioso in der Abfolge neoliberaler Wechselschritte:
Schritt 10A: Über drei Jahrzehnte hat die Umsetzung der neoliberalen Empfehlungen die bedrückendsten Probleme anwachsen lassen, insbesondere Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung, soziale Ungleichheit, aber auch die Verschlechterung der Umweltbedingungen. Gleichzeitig hat das „Lassen Sie Ihr Geld arbeiten“ das Potenzial für die große Krise aufgebaut.
Schritt 10B: Die Mainstream-Ökonomen fordern nun zur Bewältigung der Krise jene Therapien ein, die Teil der Krankheit sind, wie die Senkung der Staatsausgaben, umfassende Privatisierung, Schonung der Finanzvermögen.
Diese Maßnahmen werden nun in Europa umgesetzt. Ein letztes Mal nützen die neoliberalen Ökonomen jene Probleme aus, die in hohem Maß durch ihre Empfehlungen verursacht wurden, um ihre politischen Intentionen durchzusetzen:
▷Schwächung des Staats.
▷Weitere Privatisierung.
▷Auseinanderdividieren von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften.
Im Fall einer primär ausgabenseitigenBudgetkonsolidierung werden nunmehr alle Sektoren versuchen, ihre Lage durch eine Verringerung der Nachfrage, also durch Sparen, abzusichern:
▷Ein weiterer Rückzug des Staates wird die Haushalte veranlassen, individuell vorzusorgen, also mehr zu sparen. Zusätzlich wird der Konsum durch die hohe Arbeitslosigkeit gedämpft.
▷Die Unternehmen werden angesichts schwacher Nachfrage der öffentlichen und privaten Haushalte, mäßiger Exportentwicklung und relativ hoher Kreditkosten ihre Investitionskredite eher weiter reduzieren als ausweiten.
▷Auch das jeweilige Ausland versucht, seine Leistungsbilanz zu verbessern, innerhalb Europas vor allem die Mittelmeerländer, auf globaler Ebene vor allem die USA.
Wie Anfang der 1930er-Jahre – am Beginn der letzten Talsohle im „langen Zyklus“ – geht die Wirtschaftspolitik in den USA und Europa unterschiedliche Wege. 1930 begann der deutsche Reichskanzler Brüning mit dem „Gürtel-enger-Schnallen“, um die Staatsfinanzen zu konsolidieren, bis 1933 war die Wirtschaft in den Ruin gespart. Präsident Roosevelt hingegen setzte – gegen den Rat der Ökonomen – massive Steuererhöhungen für die „Reichen“ durch und finanzierte damit einen expansiven Kurs. Sein „New Deal“ ließ das Bruttoinlandsprodukt innerhalb von drei Jahren um fast 40 Prozent steigen, und dies kam allen zugute (auch den „Reichen“).
Unter deutscher Führung verordnen nun die europäischen Eliten – allen voran die ökonomischen Geistesgrößen – ein radikales Sparprogramm. Ganz in der Tradition ihres Vorgängers fordert Angela Merkel: „Deutschland muss bis 2015 den Gürtel enger schnallen.“ Dies gilt natürlich für jedes EU-Land: Das Brüning-Programm mal 27 wird den Handel zwischen den EU-Ländern schrumpfen lassen. Ganz anders der Kurs derUSA: Dort sind Budgetdefizit und Staatsverschuldung viel höher als im EU-Durchschnitt, an einen Sparkurs wird aber nicht gedacht. Vielmehr sollen die Steuern für Personen mit mehr als 250.000 Dollar Jahreseinkommen im Ausmaß von sechs Prozent des BIP erhöht und damit expansive Maßnahmen finanziert werden (Arbeitsmarkt, Umwelt, Bildung, Gesundheit). Das wird auch jenen Unternehmern guttun, welche „privat“ mehr Steuern zahlen müssen.
Fazit: Uns steht in Europa eine lange Krise bevor. Sie wird zu einer Umschuldung der Staatsschuld aller EU-Länder führen. Dadurch werden die „Reichen“ einen erheblichen Teil ihres Finanzvermögens verlieren, gerade weil sie nicht bereit waren, rechtzeitig auf einen kleinen Teil ihrer Einkommen und Vermögen zu verzichten. ■
Von den 1950er- bis in die 1970er-Jahre dominierte in den Wirtschaftswissenschaften das keynesianische Weltbild: Der Staat spielte eine sehr aktive Rolle in der Konjunktur-, Wachstums-, Beschäftigungs- und Sozialpolitik, man strebte nach einem Mix aus Markt und Staat („Soziale Marktwirtschaft“): Unternehmervertreter und Gewerkschaften arbeiten eng zusammen („Rheinischer Kapitalismus“), die Gütermärkte werden schrittweise liberalisiert, die Finanzmärkte bleiben reguliert, der Zinssatz wird von den Notenbanken unter der Wachstumsrate gehalten, die Wechselkurse und Rohstoffpreise sind stabil, die Aktienmärkte dämmern vor sich hin.
Das Gewinnstreben – die „Kernenergie“ im Kapitalismus – wurde so systematisch auf die Realwirtschaft gelenkt, auf den Finanzmärkten ist nichts zu holen. Gleichzeitig wollten die Menschen permanent über ihre Verhältnisse leben, also jedes Jahr mehr kaufen als im letzten. Der stete Anstieg der Nachfrage machte wiederum das Produzieren für die Unternehmer (höchst) profitabel.
Makroökonomisch bedeutete dies: Der Unternehmenssektor übernahm das Sparen der Haushalte (Überschüsse) in Form von Investitionskrediten (Defizit) und verwandelte es in Realkapital und Arbeitsplätze. So konnte der Staat leicht einenausgeglichenen Haushalt aufweisen. Bei einem weit unter der Wachstumsrate liegenden Zinsniveau ging die Staatsschuldenquote 20 Jahre lang zurück, obwohl (weil?) der Sozialstaatstetig ausgebaut wurde. – Mit bewundernswerter Energie und Ausdauer bereiten in dieser Phase die (damaligen) „Außenseiter“ Friedman und Hayek die neoliberale Gegenoffensive vor. Hauptangriffspunkte:
▷Die Regulierung der Finanzmärkte, insbesondere im Zusammenhang mit der Debatte um flexible versus feste Wechselkurse.
▷Die (langfristige) Ineffizienz respektive Schädlichkeit von Vollbeschäftigungspolitik („Philipskurven-Debatte“).
Ende der 1960er-Jahre setzt die Gegenoffensive ein, paradoxerweise gefördert durch den Erfolg des „Realkapitalismus“ – dieser unterminierte das Bündnis Arbeit–Realkapital: Bei Vollbeschäftigung nehmen die Streiks zu, die Lohnquote steigt massiv, immer mehr Mitbestimmung wird verlangt, „links“ wird schick unter Intellektuellen (1968), die Sozialdemokratie bekommt Aufwind, 1970 beginnt die Umweltbewegung, den Kapitalismus aus ökologischer Sicht in Frage zu stellen („Club of Rome“). All dies verstört die Unternehmer.
Die neoliberalen „Masterminds“ holen die Vermögenden in ihrer Irritation gewissermaßen ab, indem sie die „übermächtigen Gewerkschaften“ und den „ausufernden Sozialstaat“ zu Hauptübeln erklären. In der Folge entwickeln sie eine geniale Doppelstrategie:
▷Schritt A: Aufgrund ihrer eigenen „wissenschaftlichen“ Empfehlungen werden Probleme geschaffen.
▷Schritt B: Diese werden so gedeutet, dass die Schlussfolgerung in den Dienst ei- nes neuen Schritts neoliberaler Propaganda gestellt werden kann.
Lassen wir die vergangenen vier Jahrzehnte Revue passieren als Abfolge neoliberaler Wechselschritte und zugleich als Tanz zum Abgrund.
Schritt 1A: Jahrelang hatten Friedman und Hayek für die Aufgabe des Systems fester Wechselkurse gekämpft, 1971 war es so weit. In der Folge verliert der Dollar 25 Prozent an Wert. Im Herbst 1973 reagieren die Erdölexporteure darauf mit dem ersten „Ölpreisschock“, die Inflation steigt, die Weltwirtschaft schlittert in eine Rezession, die Arbeitslosigkeit nimmt zu.
Schritt 1B: Diese Konstellation interpretieren die neoliberalen „Masterminds“ als Widerlegung der Philipskurve und damit des Keynesianismus. Eine geniale Fehlinterpretation, weil die „Theorie“ der Philipskurve nur für eine geschlossene Wirtschaft entwickelt wurde.
Schritt 2A: Zwischen 1976 und 1978 verliert der Dollar wieder 25 Prozent an Wert, 1979 kommt es zum zweiten „Ölpreisschock“ und damit neuerlich zu einer Rezession samt massiver Inflationsbeschleunigung.
Schritt 2B: Dies veranlasst die Notenbanken zu einer massiven Hochzinspolitik, seither liegt der Zinssatz nahezu permanent über der Wachstumsrate (in den USA wurde dies allerdings vor 20 Jahren „korrigiert“).
Schritt 3A: Die neoliberale Deregulierung der Finanzmärkte bringt in den 1980er-Jahren unzählige Finanzinnovationen (Derivate aller Art) hervor, sie erleichtern die Spekulation mit Aktien, Rohstoffpreisen, Zinssätzen und Wechselkursen, die Instabilität dieser Preise steigt.
Schritt 3B: Dies sowie das positive Zins-Wachstums-Differenzial veranlassen immer mehr Konzerne, sich in Finanzkapital zu veranlagen, statt in Realkapital zu investieren. Dies dämpft das Wirtschaftswachstum nachhaltig, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung steigen.
Schritt 4A: Davon werden die Eliten in Europa Anfang der 1990er-Jahre wachgerüttelt: So kann es nicht weitergehen, der Staat musssparen (Maastricht-Kriterien). Zwei Jahrzehnte nach Beginn der neoliberalen Gegenoffensive können die Eliten den systemischen Charakter des Problems Budgetdefizit nicht mehr begreifen – dieses ist ja das Resultat der Interaktion aller Sektoren: Wenn die Unternehmen ihr Defizit senken, weniger investieren und das Wachstum dämpfen, die Haushalte aber weiterhin sparen, dann „erleidet“ der Staat ein Defizit (durch höhere Arbeitslosigkeit und geringere Steuereinnahmen).
Die neoliberalen Geistesgrößen aber dachten und denken schlicht: Der Schuldner ist schuld. Der Symptomdiagnose folgte die Symptomkur der 1990er-Jahre: Der Staat muss sparen.
Schritt 4B: Die Sparpolitik dämpft den Konsum nachhaltig und
damit auch das Wirtschaftswachstum – ammeisten in jenen Ländern, wo die Staatsquote am stärksten gesenkt wird, insbesondere inDeutschland. In der Folge steigt die Arbeitslosigkeit bis 1997 massiv an.
Schritt 5A: Hohe Arbeitslosigkeit, dieSchwächung des Sozialstaats und boomende Finanzmärkte machen die Verteilung von Einkommen und Vermögen immer ungleicher – sowohl zwischen Arbeit, Realkapital und Finanzkapital (funktionelle Verteilung), als auch zwischen „unten“ und „oben“ (personelle Verteilung).
Schritt 5B: Die Zunahme der Ungleichheit in der Verteilung dämpft die Konsumnachfrage, die hohen Renditen auf Finanzveranlagung und -spekulation dämpfen die Realinvestitionen der Unternehmen, beides verstärkt die Stagnationstendenz. Statt normaler Arbeitsplätze werden immer mehr atypische Jobs geschaffen.
Schritt 6A: Die hohe Arbeitslosigkeit und der massive Anstieg atypischer Beschäftigung aller Art lassen die Armut steigen und belasten die Sozialbudgets. Weitere Kürzungen sind die Folge, insbesondere im Bereich der sozialstaatlichen Altersversorgung und der Arbeitslosenversicherung.
Schritt 6B: Der von ihnen selbst „abgebaute“ Sozialstaat wird von den neoliberalen Ökonomen (nunmehr die große Mehrheit) als Beweis angeführt, dass man individuell vorsorgen muss, insbesondere für die Pension.
Schritt 7A: Die Expansion der Pensionsfonds nährt den Aktienboom der 1990er-Jahre und verstärkt nach der Korrektur 2001/2003 einen weiteren Boom, der Ende 2007 kollabiert.
Schritt 7B: Strukturelle Gewinner dieser Versuche, Geld „arbeiten“ zu lassen, sind die Profis im Finanzsektor. Ihre Aktivitäten sind es, die von den neoliberalen „Masterminds“ wissenschaftlich legitimiert worden waren. Da auch die Unternehmervertreter den Neoliberalismus als ihre Ideologie adoptiert hatten, nahm seine Popularität unter den Eliten weiter zu.
Schritt 8A: Nach der Korrektur 2001/2003 brachte die Hochblüte der Finanz-Alchemie immer mehr und immer komplexere Produkte auf den Markt, mit denen man – bei geschicktem Einsatz – aus Geld (viel) mehr Geld machen konnte. Die „collateral debt obligations“ (CDOs) und die „credit default swaps“ (CDSs) boomten besonders stark.
Schritt 8B: Die CDOs in Gestalt der „mortgage backed securities“ (MBSs) trugen wesentlich zum Ausmaß des Preis- und Investitionsbooms am US-Immobilienmarkt bei, dessen Zusammenbruch die große Krise auslöste. Die CDSs verschärften die Finanzkrise und erleichterten den Finanz-Alchemisten in der Folge die Spekulation auf den Bankrott einzelner Staaten.
Schritt 9A: Durch die Expansion des Finanzsektors sind seine wichtigsten Akteure sogroß geworden, dass sie bei Insolvenzgefahr gerettet werden müssen („too big to fail“).
Schritt 9B: Darauf vertrauend, intensivieren die Finanz-Alchemisten die „selbstreferenzielle“ Geldvermehrung. Sie können dafür nicht nur Teile jener Mittel verwenden, die zu ihrer Rettung aufgebracht wurden, sondern profitieren auch von den extrem niedrigen Leitzinsen, mit denen die Notenbanken eigentlich die Kredite für die Realwirtschaft verbilligen wollten.
Nun stehen wir vor dem Finale furioso in der Abfolge neoliberaler Wechselschritte:
Schritt 10A: Über drei Jahrzehnte hat die Umsetzung der neoliberalen Empfehlungen die bedrückendsten Probleme anwachsen lassen, insbesondere Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung, soziale Ungleichheit, aber auch die Verschlechterung der Umweltbedingungen. Gleichzeitig hat das „Lassen Sie Ihr Geld arbeiten“ das Potenzial für die große Krise aufgebaut.
Schritt 10B: Die Mainstream-Ökonomen fordern nun zur Bewältigung der Krise jene Therapien ein, die Teil der Krankheit sind, wie die Senkung der Staatsausgaben, umfassende Privatisierung, Schonung der Finanzvermögen.
Diese Maßnahmen werden nun in Europa umgesetzt. Ein letztes Mal nützen die neoliberalen Ökonomen jene Probleme aus, die in hohem Maß durch ihre Empfehlungen verursacht wurden, um ihre politischen Intentionen durchzusetzen:
▷Schwächung des Staats.
▷Weitere Privatisierung.
▷Auseinanderdividieren von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften.
Im Fall einer primär ausgabenseitigenBudgetkonsolidierung werden nunmehr alle Sektoren versuchen, ihre Lage durch eine Verringerung der Nachfrage, also durch Sparen, abzusichern:
▷Ein weiterer Rückzug des Staates wird die Haushalte veranlassen, individuell vorzusorgen, also mehr zu sparen. Zusätzlich wird der Konsum durch die hohe Arbeitslosigkeit gedämpft.
▷Die Unternehmen werden angesichts schwacher Nachfrage der öffentlichen und privaten Haushalte, mäßiger Exportentwicklung und relativ hoher Kreditkosten ihre Investitionskredite eher weiter reduzieren als ausweiten.
▷Auch das jeweilige Ausland versucht, seine Leistungsbilanz zu verbessern, innerhalb Europas vor allem die Mittelmeerländer, auf globaler Ebene vor allem die USA.
Wie Anfang der 1930er-Jahre – am Beginn der letzten Talsohle im „langen Zyklus“ – geht die Wirtschaftspolitik in den USA und Europa unterschiedliche Wege. 1930 begann der deutsche Reichskanzler Brüning mit dem „Gürtel-enger-Schnallen“, um die Staatsfinanzen zu konsolidieren, bis 1933 war die Wirtschaft in den Ruin gespart. Präsident Roosevelt hingegen setzte – gegen den Rat der Ökonomen – massive Steuererhöhungen für die „Reichen“ durch und finanzierte damit einen expansiven Kurs. Sein „New Deal“ ließ das Bruttoinlandsprodukt innerhalb von drei Jahren um fast 40 Prozent steigen, und dies kam allen zugute (auch den „Reichen“).
Unter deutscher Führung verordnen nun die europäischen Eliten – allen voran die ökonomischen Geistesgrößen – ein radikales Sparprogramm. Ganz in der Tradition ihres Vorgängers fordert Angela Merkel: „Deutschland muss bis 2015 den Gürtel enger schnallen.“ Dies gilt natürlich für jedes EU-Land: Das Brüning-Programm mal 27 wird den Handel zwischen den EU-Ländern schrumpfen lassen. Ganz anders der Kurs derUSA: Dort sind Budgetdefizit und Staatsverschuldung viel höher als im EU-Durchschnitt, an einen Sparkurs wird aber nicht gedacht. Vielmehr sollen die Steuern für Personen mit mehr als 250.000 Dollar Jahreseinkommen im Ausmaß von sechs Prozent des BIP erhöht und damit expansive Maßnahmen finanziert werden (Arbeitsmarkt, Umwelt, Bildung, Gesundheit). Das wird auch jenen Unternehmern guttun, welche „privat“ mehr Steuern zahlen müssen.
Fazit: Uns steht in Europa eine lange Krise bevor. Sie wird zu einer Umschuldung der Staatsschuld aller EU-Länder führen. Dadurch werden die „Reichen“ einen erheblichen Teil ihres Finanzvermögens verlieren, gerade weil sie nicht bereit waren, rechtzeitig auf einen kleinen Teil ihrer Einkommen und Vermögen zu verzichten. ■
Donnerstag, 1. Juli 2010
Kirchler
Gerald Kichler leitet das sogenannte Portfoliomanagement beim Vermögensverwalter Flossbach & von Storch, er ist also für die Verwaltung der Kundenanlagen und die strategische Ausrichtung verantwortlich. Er berichtet, welche Fragen die Klienten dieser Tage am meisten bewegen und welche Antworten er für sie hat.
WELT ONLINE: Die vergangenen Monate waren von der Schuldenkrise geprägt. Inzwischen scheint die Sorge vor dem großen Crash aber wieder verschwunden.
Gerald Kichler: Vor einem Crash bei Aktien ja, weniger in anderen Bereichen. Bei unseren Kunden ist nach wie vor die wichtigste Frage: Was wird aus meinem Geld? Das Vertrauen in die Politik ist dahin – weltweit –, sie haben Sorge vor einem Zusammenbruch des Euro-Systems und des Finanzsystems insgesamt. Wir raten daher auf jeden Fall zur Diversifizierung, insbesondere auch hinsichtlich der Währungen. 25 Prozent des Vermögens sollten in anderen Währungen angelegt sein, wozu ich auch Gold zähle. Bevorzugen würden wir Währungen stabiler Volkswirtschaften außerhalb Europas, zum Beispiel Australische Dollar oder Brasilianische Real. Nur mit Abstrichen den Schweizer Franken, denn keiner sollte glauben, dass die Schweiz, die rundum von Euro-Ländern umgeben ist, sich langfristig von deren Problemen abkoppeln kann. Und das Problem der Norwegischen Krone ist, dass sie überbewertet ist.
WELT ONLINE: Viele, die Angst vor dem Crash haben, denken auch an Immobilien.
Kichler: Genau. Auch das sehen wir bei unseren Kunden. Trotzdem halten wir Immobilien nur bedingt für eine gute Idee, denn in der Vergangenheit wurden gerade Immobilienbesitzer im Falle einer Hyperinflation mit Strafsteuern oder einem Lastenausgleich belegt. Wir empfehlen daher, eher über den Kapitalmarkt breit und durchaus auch international in Immobilien zu investieren, also über Immobilienaktien. Wir haben vor Monaten beispielsweise die TAG als interessanten Wert identifiziert und in unsere Portfolios gekauft.
WELT ONLINE: Und andere Aktien?
Kichler: Auch das empfehlen wir, allerdings sollte man nur in Qualitätswerte gehen, also Firmen, die als Fels in der Brandung gelten. Sie müssen eine ordentliche, nachhaltige Dividendenrendite bieten, wenig Schulden haben, global agieren, und ihr Geschäftsmodell darf nicht leicht kopierbar sein. Interessant sind derzeit vor allem Technologietitel wie Microsoft, Cisco oder SAP, aber auch Nestlé oder Coca-Cola sowie einige Pharmawerte wie Pfizer oder Novartis.
Top-Performer des Jahres 2010
Aktien Mongolei
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 85,1 Prozent
Aktien Bangladesch
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 59,0 Prozent
Aktien Kenia
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 45,0 Prozent
Aktien Nigeria
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 42,0 Prozent
Aktien Indonesien
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 39,7 Prozent
Aktien Ghana
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 38,0 Prozent
Palladium
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 35,1 Prozent
Gold
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 33,3 Prozent
Silber
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 29,7 Prozent
Platin
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 24,1 Prozent
Malysischer Ringgit
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 23,7 Prozent
Japanischer Yen
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 22,3 Prozent
Indonesische Rupiah
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 22,0 Prozent
Ukrainischer Hrywnja
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 18,5 Prozent
Sri-Lanka-Rupie
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 18,1 Prozent
Aktien Indien
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 18,0 Prozent
Chinesischer Renminbi
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 17,9 Prozent
Singapur-Dollar
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 17,8 Prozent
Kanadischer Dollar
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 17,8 Prozent
Indische Rupie
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 17,6 Prozent
US-Dollar
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 17,2 Prozent
Philippinischer Peso
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 16,7 Prozent
Neuseeland-Dollar
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 12,7 Prozent
Brasilianischer Real
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 12,6 Prozent
Schweizer Franken
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 12,2 Prozent
Australischer Dollar
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 11,9 Prozent
Aktien Kanada
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 11,9 Prozent
Südkoreanischer Won
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 11,8 Prozent
US-Aktien (Dow Jones Index)
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 11,0 Prozent
Aktien Japan
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 9,6 Prozent
Bundesanleihen RexP
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 5,1 Prozent
Aktien Schweiz
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 5,1 Prozent
Aktien Brasilien (Bovespa)
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 1,9 Prozent
Tagesgeld (Biallo-Index)
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 0,5 Prozent
Dax
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 0,3 Prozent
Aktien China
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: -13,8 Prozent
Aktien Portugal
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: -17,0 Prozent
Aktien Italien
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: -17,3 Prozent
Aktien Spanien
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: -23,3 Prozent
Aktien Griechenland
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: -35,0 Prozent
Quelle: Bloomberg: Stand, 30.6.2010
WELT ONLINE: Das sind allerdings alles Werte aus den Industrieländern. Das wahre Wachstum findet aber in den Schwellenländern statt.
Kichler: Das ist richtig, und wir sehen bei unseren Kunden auch gerade in den vergangenen Monaten ein verstärktes Verlangen, dort zu investieren. Dennoch halten wir es derzeit für keine gute Idee, direkt in den Schwellenländern zu investieren, aus dem einfachen Grund, dass die dortigen Aktien überbewertet sind. Die Kurse müssten um rund ein Viertel zurückkommen, damit sie wieder attraktiv wären. Bis dahin gehen wir den indirekten Weg über große Unternehmen in Europa oder den USA mit hohem Umsatzanteil in den Schwellenländern.
WELT ONLINE: Viele Ihrer Kunden haben traditionell einen Großteil ihrer Anlagen in festverzinslichen Papieren. Gilt das noch angesichts der Schuldenkrise der Industriestaaten?
Kichler: An Rentenpapieren kommt man nicht vorbei. Allerdings gab es hier Verschiebungen, weg von Staatspapieren, hin zu Anleihen von Unternehmen, weil Letztere heute in vielen Fällen schon als bessere Schuldner wahrgenommen werden als der Staat, in dem sie ihren Sitz haben. Ausnahmen sind vielleicht noch Deutschland und die USA, hier kann man durchaus noch in kurz laufende Staatspapiere investieren. Großbritannien, Japan und viele Länder der Euro-Zone meiden wir jedoch. Bei den Unternehmensanleihen bevorzugen wir Papiere jener Firmen, auf die wir auch bei Aktien setzen. Aber uns gefällt beispielsweise auch eine Anleihe von Tchibo, da das Papier gut besichert ist. Die Laufzeiten sollten hier durchaus länger sein, denn ein Deflationsumfeld erscheint uns zunächst sehr realistisch.
Video
Warum sich Goldanlage immer noch lohnt
WELT ONLINE: Viele Investoren setzen jetzt auf riskantere Firmen mit höheren Renditen, sogenannte High Yields.
Kichler: Das kommt für uns momentan nicht infrage, für uns ist die Qualität und die Sicherheit das entscheidende Kriterium. Das gilt übrigens auch bei einem ganz anderen Thema: Gold. Wir empfehlen nur den physischen Kauf, lehnen also auch Fonds ab, die mit physischem Gold hinterlegt sind, denn da haben Untersuchungen gezeigt, dass es im Krisenfall durchaus problematisch sein kann, an sein Gold zu kommen. Das Gold sollte im eigenen Tresor lagern, durchaus auch außerhalb Deutschlands.
WELT ONLINE: Die vergangenen Monate waren von der Schuldenkrise geprägt. Inzwischen scheint die Sorge vor dem großen Crash aber wieder verschwunden.
Gerald Kichler: Vor einem Crash bei Aktien ja, weniger in anderen Bereichen. Bei unseren Kunden ist nach wie vor die wichtigste Frage: Was wird aus meinem Geld? Das Vertrauen in die Politik ist dahin – weltweit –, sie haben Sorge vor einem Zusammenbruch des Euro-Systems und des Finanzsystems insgesamt. Wir raten daher auf jeden Fall zur Diversifizierung, insbesondere auch hinsichtlich der Währungen. 25 Prozent des Vermögens sollten in anderen Währungen angelegt sein, wozu ich auch Gold zähle. Bevorzugen würden wir Währungen stabiler Volkswirtschaften außerhalb Europas, zum Beispiel Australische Dollar oder Brasilianische Real. Nur mit Abstrichen den Schweizer Franken, denn keiner sollte glauben, dass die Schweiz, die rundum von Euro-Ländern umgeben ist, sich langfristig von deren Problemen abkoppeln kann. Und das Problem der Norwegischen Krone ist, dass sie überbewertet ist.
WELT ONLINE: Viele, die Angst vor dem Crash haben, denken auch an Immobilien.
Kichler: Genau. Auch das sehen wir bei unseren Kunden. Trotzdem halten wir Immobilien nur bedingt für eine gute Idee, denn in der Vergangenheit wurden gerade Immobilienbesitzer im Falle einer Hyperinflation mit Strafsteuern oder einem Lastenausgleich belegt. Wir empfehlen daher, eher über den Kapitalmarkt breit und durchaus auch international in Immobilien zu investieren, also über Immobilienaktien. Wir haben vor Monaten beispielsweise die TAG als interessanten Wert identifiziert und in unsere Portfolios gekauft.
WELT ONLINE: Und andere Aktien?
Kichler: Auch das empfehlen wir, allerdings sollte man nur in Qualitätswerte gehen, also Firmen, die als Fels in der Brandung gelten. Sie müssen eine ordentliche, nachhaltige Dividendenrendite bieten, wenig Schulden haben, global agieren, und ihr Geschäftsmodell darf nicht leicht kopierbar sein. Interessant sind derzeit vor allem Technologietitel wie Microsoft, Cisco oder SAP, aber auch Nestlé oder Coca-Cola sowie einige Pharmawerte wie Pfizer oder Novartis.
Top-Performer des Jahres 2010
Aktien Mongolei
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 85,1 Prozent
Aktien Bangladesch
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 59,0 Prozent
Aktien Kenia
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 45,0 Prozent
Aktien Nigeria
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 42,0 Prozent
Aktien Indonesien
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 39,7 Prozent
Aktien Ghana
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 38,0 Prozent
Palladium
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 35,1 Prozent
Gold
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 33,3 Prozent
Silber
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 29,7 Prozent
Platin
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 24,1 Prozent
Malysischer Ringgit
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 23,7 Prozent
Japanischer Yen
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 22,3 Prozent
Indonesische Rupiah
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 22,0 Prozent
Ukrainischer Hrywnja
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 18,5 Prozent
Sri-Lanka-Rupie
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 18,1 Prozent
Aktien Indien
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 18,0 Prozent
Chinesischer Renminbi
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 17,9 Prozent
Singapur-Dollar
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 17,8 Prozent
Kanadischer Dollar
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 17,8 Prozent
Indische Rupie
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 17,6 Prozent
US-Dollar
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 17,2 Prozent
Philippinischer Peso
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 16,7 Prozent
Neuseeland-Dollar
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 12,7 Prozent
Brasilianischer Real
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 12,6 Prozent
Schweizer Franken
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 12,2 Prozent
Australischer Dollar
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 11,9 Prozent
Aktien Kanada
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 11,9 Prozent
Südkoreanischer Won
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 11,8 Prozent
US-Aktien (Dow Jones Index)
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 11,0 Prozent
Aktien Japan
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 9,6 Prozent
Bundesanleihen RexP
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 5,1 Prozent
Aktien Schweiz
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 5,1 Prozent
Aktien Brasilien (Bovespa)
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 1,9 Prozent
Tagesgeld (Biallo-Index)
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 0,5 Prozent
Dax
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: 0,3 Prozent
Aktien China
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: -13,8 Prozent
Aktien Portugal
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: -17,0 Prozent
Aktien Italien
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: -17,3 Prozent
Aktien Spanien
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: -23,3 Prozent
Aktien Griechenland
Wertentwicklung seit Jahresbeginn: -35,0 Prozent
Quelle: Bloomberg: Stand, 30.6.2010
WELT ONLINE: Das sind allerdings alles Werte aus den Industrieländern. Das wahre Wachstum findet aber in den Schwellenländern statt.
Kichler: Das ist richtig, und wir sehen bei unseren Kunden auch gerade in den vergangenen Monaten ein verstärktes Verlangen, dort zu investieren. Dennoch halten wir es derzeit für keine gute Idee, direkt in den Schwellenländern zu investieren, aus dem einfachen Grund, dass die dortigen Aktien überbewertet sind. Die Kurse müssten um rund ein Viertel zurückkommen, damit sie wieder attraktiv wären. Bis dahin gehen wir den indirekten Weg über große Unternehmen in Europa oder den USA mit hohem Umsatzanteil in den Schwellenländern.
WELT ONLINE: Viele Ihrer Kunden haben traditionell einen Großteil ihrer Anlagen in festverzinslichen Papieren. Gilt das noch angesichts der Schuldenkrise der Industriestaaten?
Kichler: An Rentenpapieren kommt man nicht vorbei. Allerdings gab es hier Verschiebungen, weg von Staatspapieren, hin zu Anleihen von Unternehmen, weil Letztere heute in vielen Fällen schon als bessere Schuldner wahrgenommen werden als der Staat, in dem sie ihren Sitz haben. Ausnahmen sind vielleicht noch Deutschland und die USA, hier kann man durchaus noch in kurz laufende Staatspapiere investieren. Großbritannien, Japan und viele Länder der Euro-Zone meiden wir jedoch. Bei den Unternehmensanleihen bevorzugen wir Papiere jener Firmen, auf die wir auch bei Aktien setzen. Aber uns gefällt beispielsweise auch eine Anleihe von Tchibo, da das Papier gut besichert ist. Die Laufzeiten sollten hier durchaus länger sein, denn ein Deflationsumfeld erscheint uns zunächst sehr realistisch.
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Warum sich Goldanlage immer noch lohnt
WELT ONLINE: Viele Investoren setzen jetzt auf riskantere Firmen mit höheren Renditen, sogenannte High Yields.
Kichler: Das kommt für uns momentan nicht infrage, für uns ist die Qualität und die Sicherheit das entscheidende Kriterium. Das gilt übrigens auch bei einem ganz anderen Thema: Gold. Wir empfehlen nur den physischen Kauf, lehnen also auch Fonds ab, die mit physischem Gold hinterlegt sind, denn da haben Untersuchungen gezeigt, dass es im Krisenfall durchaus problematisch sein kann, an sein Gold zu kommen. Das Gold sollte im eigenen Tresor lagern, durchaus auch außerhalb Deutschlands.
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