Freitag, 8. August 2008

Now stocks ?

In den USA ist die Aktion mit den Steuerschecks ausgelaufen. Der Konsum erhält keine weiteren Impulse. Die Immobilien- und die Finanzkrise halten aber an. Einige Banken beginnen, die Konsumentenkredite zu kürzen. Die einzige stabile Wachstumsstütze ist der Außenbeitrag, also die wachsenden Exporte und die rückläufigen Importe. Ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in einem oder mehreren der folgen Quartale ist nicht mehr ausgeschlossen.

- In Japan spricht man schon offiziell von Rezession. Das Wachstum soll in den nächsten drei Quartalen nur noch 0,1% betragen (was schnell auch in ein Minus umschlagen kann). Die Regierung legt ein Konjunkturprogramm mit höheren Ausgaben auf.

- In China mehren sich die Zeichen für eine weitere Abschwächung nach den olympischen Spielen. Das langsamere Wachstum des zweiten Quartals (immer noch 10,1%) liegt an nachlassenden Exporten. Hinzu kommt die Inflation (7,1%), die auch dort an der Kaufkraft zehrt.

Das sieht nicht nach einem Ende des Aufschwungs aus. Das ist ein Abschwung. Die schwachen Entwicklungen in den einzelnen Regionen der Welt schaukeln sich gegenseitig hoch. Jeder importiert die Probleme des anderen. Die Volumina des internationalen Frachtverkehrs – erfahrungsgemäß ein verlässlicher Indikator für die weitere Konjunktur – gehen zurück. Die Industrieländer haben schon weniger für das Weihnachtsgeschäft geordert.

Was noch mehr beunruhigt ist die Tatsache, dass zurzeit keine verlässlichen Gegenkräfte gegen eine Fortsetzung des Abschwungs erkennbar sind. Alle hoffen auf den Export. Es geht aber schon rein logisch nicht, dass alle mehr exportieren, wenn nicht irgendjemanden auch mehr einführt. Hoffnungen werden auch auf die Rohstoffpreise gesetzt. Sie haben sich in den letzten Wochen deutlich verringert. Das stärkt die Kaufkraft der Verbraucher und entlastet die Unternehmen. Andererseits geben die Konsumenten das an der Tankstelle gesparte Geld nicht so schnell für anderes aus, wenn sie generell verunsichert sind. Zudem führen niedrigere Ölpreise auch dazu, dass die Rohstoffexporteure weniger im Ausland kaufen. Das fehlt dann bei den Ausfuhren.

Positiv kann sich der Lagerzyklus auswirken. Hilfreich ist auch, dass die Unternehmen aus Wettbewerbsgründen weiter investieren müssen, unter anderem in den Ausbau der Computernetze für immer größere Datenmengen. Auch von der Fiskalpolitik werden über die so genannten automatischen Stabilisatoren Entlastungen ausgehen (rückläufige Steuereinnahmen bei tendenziell steigenden Ausgaben). Wenn die Wirtschaft noch weiter abstürzt, wird es auch neue Konjunkturprogramme geben. (In Deutschland sind im nächsten Jahr Wahlen.) Von den Zentralbanken ist dagegen angesichts der nach wie vor hohen Inflation keine schnelle Entlastung zu erwarten. Die Federal Reserve hat nach ihrer Zinssitzung von dieser Woche deutlich gemacht, dass sie nicht an weitere Lockerungen denkt. Richard Fisher von der Federal Reserve in Dallas hat sogar für eine Zinserhöhung gestimmt. Südkorea hat diese Woche die Zinsen erhöht.

Es gibt also Gegenkräfte, die einen Abschwung aufhalten oder zumindest bremsen können. So richtig überzeugend und stark sind sie aber nicht. Immerhin hält die Immobilienkrise hält. Die Banken leiden nach wie vor unter hohen Abschreibungen. Die Ölpreise sind auch bei dem jetzigen Niveau noch hoch (zu Jahresbeginn lagen sie bei 100 Dollar je Barrel). Der Dollar ist gemessen an den Fundamentalfaktoren zu schwach. Die Unsicherheit bei Verbrauchern und Unternehmen ist groß und wird noch steigen, wenn die Arbeitslosigkeit zunimmt.

Das ist beunruhigend. Ob es – wie der frühere US-Notenbankpräsident Alan Greenspan dieser Tag e schrieb – eine „Jahrhundert-Krise“ wird, kann man heute noch nicht sagen. Ich persönlich glaube es nicht. Nach einer solchen Häufung von schlechten Meldungen (vor allem in der nachrichtenarmen Sommerzeit) wird es auch wieder bessere geben. Eine Rezession auch in Staaten Europas schließe ich aber nicht mehr aus.

Für den Anleger: Das sind keine guten Nachrichten für die Unternehmensgewinne und damit auch nicht für den Aktienmarkt. Andererseits wird sich die schlechtere Konjunktur positiv auf Inflation auswirken und die Zinsen drücken. Das hilft. Zudem sind die Aktienkurse bei einer Reihe von Unternehmen inzwischen so attraktiv, dass internationale Investoren wieder ans Kaufen denken (und betroffene Übernahmekandidaten an mögliche Abwehrstrategien).

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