Montag, 24. Mai 2010

Inflation

Wenn die Zentralbank immer mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf gibt, steigen dann irgendwann zwangsläufig die Preise? Diese Frage steckt hinter der Furcht vor der Inflation, die momentan die Talkshows beherrscht.

Die Antwort darauf liefert die sogenannte Quantitätstheorie, und die ist steinalt, ihre Anfänge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, schreibt der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing in seiner „Einführung in die Geldtheorie“. Zu den ersten Vertretern zählt er Kopernikus, in Gleichungsform fand die Theorie durch Irving Fisher weite Verbreitung: Geldmenge × Umlaufgeschwindigkeit = Preisniveau × reales Bruttoinlandsprodukt.

In ihrer naiven Form besagt diese Theorie, dass sich das Preisniveau direkt proportional zur Veränderung der Geldmenge verhält, also: Alles, was die EZB an zusätzlichem Geld in den Kreislauf pumpt, spüren wir direkt in steigenden Preisen.

So simpel ist der Zusammenhang, gerade in kürzerer Frist, freilich nicht, wie Milton Friedman mittels empirischer Studien herausgefunden hat. Der Chicagoer Nobelpreisträger hat die Quantitätstheorie weiterentwickelt als elementare Grundlage, auf der seine Denkschule, der Monetarismus, aufbaut.

Friedmans Fazit lautet: Inflation ist der Ausdruck und die zwangsläufige Folge eines Anstiegs der Geldmenge pro Produktionseinheit. Ihm sei kein Beispiel bekannt, gleich aus welchem Land oder welcher Periode, so hat er geschrieben, in dem eine wesentliche Steigerung der Geldmenge nicht langfristig auf die Preise durchgeschlagen hat.

Die Geldmenge ist demnach einer der besten Indikatoren der zukünftigen Preisentwicklung. Daraus folgert Otmar Issing: „Je unabhängiger die Notenbank eines Landes ist, desto niedriger ist über einen längeren Zeitraum hinweg die durchschnittliche Inflationsrate.“

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