en Hedgefonds ein Denkmal. Unternommen wurde nichts, stattdessen haben die Regierungschefs darauf spekuliert, dass die Sache schon irgendwie gut gehen wird. Tat sie aber nicht. Was nun frech jenen professionellen Spekulanten angelastet wird, die frühzeitig erkannt haben, dass der „Club Med“ auf das Glück von oben wartete, statt die Ausgaben zurückzufahren. Weshalb Hedgefonds & Co. begonnen haben, Kreditausfallversicherungen („Credit Default Swaps“, kurz: CDS) für mediterrane Staatsanleihen aufzukaufen.
Das wiederum wären jene spekulativen Finanzprodukte, die heute von den Staatskanzleien als Ausgeburt der Finanzhölle gebrandmarkt werden. Was insofern überraschend ist, als gerade diese Produkte nach Geld suchenden Staaten hervorragende Dienste leisten: Ohne das vermeintliche Teufelszeug namens CDS wären Länder wie Griechenland längst zahlungsunfähig. Nur mehr Ahnungslose hätten dem griechischen Staat Geld geliehen, wären da nicht jene Versicherungen gewesen, mit denen sich Gläubiger gegen den Ausfall ihrer Ausleihungen absichern konnten. Auch bei finanziell potenteren Euroländern wären Geldgeber ohne derartige Versicherungen übrigens längst zurückhaltender.
Die Politik wäre den Spekulanten also ebenso zu Dank verpflichtet wie die investierende Allgemeinheit den ominösen Hedgefonds. Ohne sie wären viele ins offene Messer gelaufen: Schließlich kauften Hedgefonds immer mehr CDS auf griechische Staatsanleihen auf, als das finanzielle Desaster Athens konkretere Formen anzunehmen begann. Aufgrund der wachsenden Nachfrage verteuerten sich die Preise für CDS – was wiederum Pensionsfonds und andere Anleger auf das steigende Risiko aufmerksam machte und letztlich verschreckte.
Lukrativer Teufelskreis. Griechenland kam in der Folge freilich immer schwerer zu neuen Krediten, während die Staatsausgaben durch die Decke gingen. Eine Traumkonstellation für risikofreudige Hedgefonds: Sie kauften weiter CDS zu und spekulierten munter darauf, dass die Euroländer zwar notfalls den Stabilitätspakt in die Luft jagen könnten, um Griechenland vor der Pleite zu retten, diese Rettung aber nicht funktionieren würde. Die Spekulanten gehen nach wie vor davon aus, dass die Gläubiger Athens früher oder später zum „Haircut“ müssen, um auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten. Andernfalls würde Griechenland nicht einmal den Zinsendienst für die wachsenden Schuldenberge bewältigen können. In der Politik läuft eine derartige Anlagestrategie unter dem Titel „Wetten auf den Untergang bedrängter Staaten“.
Wenn die Wirkung zur Ursache wird. Ein Untergang, der freilich weniger von Spekulanten als von den demokratisch gewählten Regierungen jener Pleitestaaten vorbereitet wurde, die Schulden versteckten, Budgetdaten frisierten und das billige Geld zur Absicherung der eigenen politischen Zukunft einsetzten. Und von jenen Finanzministern aus dem „reichen“ Norden, die Schmiere standen, um sich im Mai des Jahres 2010 im Namen der Allgemeinheit dazu verpflichten, die Schuldenstaaten freizukaufen, sollte es tatsächlich eng werden. Das wiederum verkauft die Politik der Öffentlichkeit als „verantwortungsvolles Handeln“.
Nun spricht nichts dagegen, Hedgefonds zu regulieren. Allerdings werden weder strenge Regeln für Hedgefonds noch Steuern auf Finanztransaktionen am grundsätzlichen Problem etwas ändern: Selbst eine Welt ohne Spekulanten und Hedgefonds machte über beide Ohren verschuldete Staaten nicht zahlungsfähiger. Bestenfalls gäbe es zwei Sündenböcke weniger.
franz.schellhorn@diepresse.com
Montag, 24. Mai 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen