Montag, 31. Mai 2010

Inflationsschutz

Als Alan Greenspan die Zügel an der Spitze der amerikanischen Notenbank in die Hände gelegt bekam, galt sehr schnell ein neues Axiom: Jede Krise der Finanzmärkte wird mit einer Dollar-Liquiditätsflut beantwortet. Dieses Geld wird von der Federal Reserve aus dem Nichts geschöpft und gegen Schuldscheine in die Welt entlassen. Es kann nur wieder aus dieser Welt verschwinden, wenn diese Schuld mit bereits vorhandenem Geld getilgt wird.

Der vorgebliche Grund für Greenspans Gelderschaffungsorgien war seine theoretische Erkenntnis, dass zu Zeiten der Großen Depression die FED das genaue Gegenteil tat und so die schreckliche Krise erst richtig befeuerte. Die Greenspan-Dollars sollten den Wirtschaftskreislauf beleben. Dieses Ziel wurde wenigstens teilweise erreicht. Doch leider gilt in diesem Universum auch das vielen Entscheidungsträgern offenbar unbekannte Gesetz der ungewollten Folge. Da die US-Geldmenge von der Wirtschaftskraft der USA inzwischen völlig abgehoben ist, entstehen nun immer wieder zwangsläufig Spekulationsblasen, denn auf gesundem Wege findet dieses überflüssige Geld keine Anlage mehr. Eine solche Spekulationsblase, die obendrein politisch durch bewusst ungeregelte Märkte förmlich herbeigerufen wurde, ist nun geplatzt. Auch die gelegentlich astronomischen Managergehälter sind letztlich eine Konsequenz dieses überflüssigen Geldes. Das jedenfalls behauptet der Autor in seinem Buch. Und damit hat er wohl Recht.

Greenspans Nachfolger Bernake setzt das Werk seines Vorgängers nun in völlig neuen Dimensionen fort. Nachdem der Autor diese Ausgangssituation an mehreren Stellen seines Buches in unterschiedlicher Tiefe und Breite beschrieben hat, stellt er die Frage, ob der riesige ökonomische Feldversuch, Schulden mit immer noch mehr Schulden zu bekämpfen, ein gutes Ende nehmen kann und behauptet, dass dies gelingen wird, wenn es zu einer gemäßigten Geldentwertung kommt. Was kann einem Schuldner Besseres passieren als eine Inflation? Seine Schulden bleiben nominal gleich, aber der Wert des Geldes sinkt. Bislang hat das Ausland den amerikanischen Schuldenwahn finanziert, indem es amerikanische Staatsanleihen mit vorhandenen Dollars kaufte und so die US-Währung stabil hielt. Inflationieren die USA nun ihre Währung noch intensiver, dann berauben sie ihre Gläubiger um ihr Eigentum. Und genau das ist ihre Strategie.

Ob sie völlig aufgehen wird, ist jedoch fraglich. Man kann schon deshalb an ihrem Erfolg zweifeln, weil sie von den gleichen Leuten erdacht wurde, die uns den gegenwärtigen Schlamassel erst eingebrockt haben. Ob man eine Inflation steuern kann, wenn sie denn kommt, wird man sehen. Denn neben den USA gibt es noch eine Reihe von anderen Wirtschaftsmächten und -blöcken, die selbstverständlich eigene Strategien verfolgen werden.

In den ersten drei Kapiteln geht der Autor auf die wichtigsten Finanzmarktkrisen der letzten 80 Jahre und insbesondere auf die gegenwärtige Situation ein. Er schildert dabei insbesondere, warum es für Banken so lukrativ war Milliarden in Subprime-Anleihen und Kreditderivate zu stecken. Lobenswert ist auch hier schon Rißes Fähigkeit, scheinbar komplizierte Zusammenhänge so einfach zu erklären, wie sie sich nämlich wirklich darstellen. Besonders interessant sind im dritten Kapitel die dort geschilderten wirtschaftlichen Zukunftsaussichten für die einzelnen Weltregionen.

Das vierte Kapitel befasst sich mit der Rolle des Geldes im Wirtschaftskreislauf. Außerdem werden die Begriffe Inflation und Deflation erläutert. Danach begründet Riße seine Meinung, dass es zwangsläufig zu einer Inflation kommen muss, die aber im Rahmen bleibt. Der Steuerzahler wird mit einer Inflation doppelt bestraft. Er trägt mit seinen Steuern die Schulden anderer ab und verliert nun auch noch Teile seines Vermögens.

Im vorletzten Kapitel erklärt uns der Autor dann schließlich seine Vorstellungen von der Finanzarchitektur von morgen. Märkte brauchen Regeln, sonst macht jeder, was er will. Die Subprime-Krise ist in einem bis heute nicht regulierten Markt entstanden. Der Autor schlägt einige solcher vernünftigen Regeln vor. Selbstverständlich muss man ihm zustimmen, wenn er meint, dass Gesetze und Regeln die Moral prägen müssen.

Bis jetzt ist es jedoch so, dass kein wirklich erfolgreicher Ansatz dafür zu sehen ist. Regierungen und Aufsichtsbehörden stehen offenbar hilflos vor so genannten Experten, die mit schlichten mathematischen Modellen hantieren, die sie nicht verstanden haben und deren Voraussetzungen sie nicht kennen oder einfach missachten. Aus solchen Modellen haben diese Genies auch den Schluss gezogen, dass man (etwas übertrieben formuliert) Risiko irgendwie verschwinden lassen kann. Das Parkett, auf dem diese Irren tanzen, ist spiegelglatt und selbstverständlich bis heute völlig unreguliert. Stattdessen wird über Managergehälter, Gier und andere Ablenkungen öffentlich diskutiert. In der Sache jedoch läuft alles wie bisher.

Im letzten Kapitel schließlich lernen wir, wie wir unser Kapital vor der Inflation schützen können. Letztlich läuft alles auf Gold hinaus. Und das erklärt uns der Autor sehr ausführlich.

Fazit.
Ein überraschend gutes und sehr flüssig geschriebenes Buch, das uns scheinbar komplizierte Zusammenhänge so einfach erläutert, wie sie tatsächlich sind. Es hilft die gegenwärtige Krise besser zu verstehen und bereitet seine Leser auf eine eventuell eintretende Situation vor, die nicht unwahrscheinlich ist. Ob es dann letztlich so kommt, wie der Autor prognostiziert, bleibt abzuwarten. Seine Ratschläge für diesen Fall sind konsequent und einsichtig

Sonntag, 30. Mai 2010

Platin

Anlegern, die sich an dieser Spekulation beteiligen wollen, stehen dafür verschiedene Instrumente zur Verfügung. Eine direkte Beteiligung ermöglichen beispielsweise die auch in Deutschland erhältlichen ETP-Papiere (Exchange Traded Products) mit physisch hinterlegten Metallbeständen zur Absicherung der Position. Anbieter ist wie in den USA der Rohstoffspezialist ETF Securities, dessen Platin-Fonds auch im Xetra-System der Frankfurter Börse gehandelt wird (WKN: A0N62D).

Außerdem bietet ETFS auch ein jeweils auf Tagesbasis mit dem Faktor zwei gehebeltes Papier auf den DJ-UBS Platinum-Index (WKN: A0V9ZC) an. Diese sogenannten Leveraged-Papiere sind allerdings gerade bei längeren Anlagezeiträumen nicht unproblematisch. Denn durch die tägliche Anpassung des Hebels können zuvor erzielte Gewinne bei einer nachfolgenden Korrektur schnell zunichtegemacht und sogar ins Gegenteil verkehrt werden.

Als Alternative zu den ETP stehen Anlegern aber auch herkömmliche Zertifikate zur Verfügung. Sie werden in der Regel ohne Managementgebühren angeboten und können bei Direktbanken oft auch weit über die Börsenzeiten hinaus gehandelt werden (WKNs: 104207, GS0HH1). Zudem bieten einige Anbieter auch Platin-Zertifikate mit einer eingebauten Währungssicherung an, sodass Wechselkursverschiebungen zwischen dem Euro und der Metallhandelswährung Dollar neutralisiert werden.

DAx Outlook

Unterstützt durch die wieder gesunkenen Anleiherenditen in Deutschland und den schwachen Euro, hat der Dax seine attraktivere technische Lage verteidigen können, auch wenn sich das sehr positive technische Hausse-Bild der letzten 14 Monate so nicht mehr fortsetzen sollte. Im Index lässt sich die Hausse seit März 2009 in zwei Phasen einteilen. Erstens der sehr steile Liquiditätshausse-Trend von März bis Oktober 2009; Kursanstieg von 3589 bis 5888 Punkten. Zweitens seit August 2009 der moderatere Hausse-Kanal mit der unteren Aufwärtstrendkanallinie bei 5650 Punkten direkt an der 200-Tage-Linie. Dieser hatte den Index im April 2010 mit Kursen um 6340 fast bis an das technische Jahresziel von 6500 Punkten geführt.

Zuletzt ist der Dax in einer Abwärtsrally bis in den Unterstützungsbereich zwischen 5600 und 5700 Punkten, der die steigende 200-Tage-Linie und die untere Aufwärtstrendkanallinie beinhaltet, gefallen. Einerseits sollte sich der Dax, ausgehend von diesem Niveau, wieder leicht erholen, andererseits sollte es in den kommenden Wochen aber schwerfallen, die alte Hausse-Dynamik durchzuhalten beziehungsweise neue Jahreshöchstwerte zu erzielen. Damit hat der Dax zumindest die Chance, einen Trading-Markt im Umfeld der 200-Tage-Linie zu etablieren. Sollte sich die Korrektur allerdings mit einer Kursetablierung deutlich unterhalb der 200-Tage-Linie ausweiten und die massive Unterstützung um 5300 Punkte zur Disposition gestellt werden, wäre eine kurzfristig defensive technische Haltung angemessen.

Freitag, 28. Mai 2010

Meinungsaustausch

http://forum.aktien-online.at

Mittwoch, 26. Mai 2010

Gefährungen

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/8/8a/Staatsverschuldung_in_Europa.png

Dienstag, 25. Mai 2010

Profittieren von schwachen Euro

Die einfachste Art, um von der Aufwertung von Dollar, Lira oder Real und der Abwertung des Euro zu profitieren, sind Währungskonten sowie Zinszertifikate und nicht zuletzt Staatsanleihen in Fremdwährung. Allen Anlagen gemeinsam ist, dass sich neben dem Zins auch der Wechselkurs auf die Rendite auswirkt. Wird der Euro weiter billiger, steigt sie. Verteuert sich die Gemeinschaftswährung, frisst der Wechselkurs erst den Zinsertrag und kann sogar am investierten Kapital nagen.

Währungskonto als Einstieg

Ein Währungskonto ist nichts anderes als ein Tagesgeldkonto in Fremdwährung, das jederzeit wieder aufgelöst werden kann. Angenommen, ein Anleger investierte Anfang Dezember 100 Euro, so bekam er dafür 229 türkische Lira. Anfang Mai erhielt er beim Rücktausch seiner 229 Lira bereits 116 Euro plus die in diesem Zeitraum angefallenen Zinsen. Da lassen sich auch die Kosten von jeweils einem Prozent bei Kauf und Verkauf verschmerzen. Einziger Wermutstropfen: Für viele Banken und Sparkassen sind Währungskonten ein Fremdwort. Einige Direktbanken bieten sie allerdings an.

Wie beim Währungskonto beeinflussen auch bei einem Zinszertifikat Zins und Wechselkurs zwischen Euro und der Fremdwährung den Ertrag. Im günstigsten Fall addieren sich bei dieser Konstruktion Zins und Wechselkurs. Die Kosten für Zinszertifikate sind mit deutlich unter einem Prozent akzeptabel. Eines sollte der Käufer indes immer im Hinterkopf haben: Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen – bei einer Pleite des Emittenten ist auch das Papier nichts mehr wert. Vorteil: Mit Zinszertifikaten können Anleger fast jede Währungspaarung durchspielen – zum Beispiel Euro/Lira, Euro/Rubel und Euro/Real. Und diese Papiere werden täglich an der Börse gehandelt.

Zehn Prozent Rendite sind drin

„Im Grunde kann man fast alles kaufen, was in Fremdwährung abgerechnet wird – das gilt für Rohstoffe ebenso wie für Anleihen“, fasst RBS-Finanzprofi Bagci zusammen. Mit Fremdwährungsanleihen sind deutlich höhere Renditen drin als mit Papieren von Bund oder Ländern in Euro. So rentiert sich beispielsweise eine Anleihe in Real der European Investment Bank mit Aaa-Rating (Moody’s), die in zweieinhalb Jahren fällig wird, mit annähernd zehn Prozent. Wenn der brasilianische Real gegenüber dem Euro weiter an Wert gewinnt, sind es sogar mehr als diese zehn Prozent.

Montag, 24. Mai 2010

Inflation

Wenn die Zentralbank immer mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf gibt, steigen dann irgendwann zwangsläufig die Preise? Diese Frage steckt hinter der Furcht vor der Inflation, die momentan die Talkshows beherrscht.

Die Antwort darauf liefert die sogenannte Quantitätstheorie, und die ist steinalt, ihre Anfänge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, schreibt der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing in seiner „Einführung in die Geldtheorie“. Zu den ersten Vertretern zählt er Kopernikus, in Gleichungsform fand die Theorie durch Irving Fisher weite Verbreitung: Geldmenge × Umlaufgeschwindigkeit = Preisniveau × reales Bruttoinlandsprodukt.

In ihrer naiven Form besagt diese Theorie, dass sich das Preisniveau direkt proportional zur Veränderung der Geldmenge verhält, also: Alles, was die EZB an zusätzlichem Geld in den Kreislauf pumpt, spüren wir direkt in steigenden Preisen.

So simpel ist der Zusammenhang, gerade in kürzerer Frist, freilich nicht, wie Milton Friedman mittels empirischer Studien herausgefunden hat. Der Chicagoer Nobelpreisträger hat die Quantitätstheorie weiterentwickelt als elementare Grundlage, auf der seine Denkschule, der Monetarismus, aufbaut.

Friedmans Fazit lautet: Inflation ist der Ausdruck und die zwangsläufige Folge eines Anstiegs der Geldmenge pro Produktionseinheit. Ihm sei kein Beispiel bekannt, gleich aus welchem Land oder welcher Periode, so hat er geschrieben, in dem eine wesentliche Steigerung der Geldmenge nicht langfristig auf die Preise durchgeschlagen hat.

Die Geldmenge ist demnach einer der besten Indikatoren der zukünftigen Preisentwicklung. Daraus folgert Otmar Issing: „Je unabhängiger die Notenbank eines Landes ist, desto niedriger ist über einen längeren Zeitraum hinweg die durchschnittliche Inflationsrate.“

Hedgefonds - ja oder nein

en Hedgefonds ein Denkmal. Unternommen wurde nichts, stattdessen haben die Regierungschefs darauf spekuliert, dass die Sache schon irgendwie gut gehen wird. Tat sie aber nicht. Was nun frech jenen professionellen Spekulanten angelastet wird, die frühzeitig erkannt haben, dass der „Club Med“ auf das Glück von oben wartete, statt die Ausgaben zurückzufahren. Weshalb Hedgefonds & Co. begonnen haben, Kreditausfallversicherungen („Credit Default Swaps“, kurz: CDS) für mediterrane Staatsanleihen aufzukaufen.

Das wiederum wären jene spekulativen Finanzprodukte, die heute von den Staatskanzleien als Ausgeburt der Finanzhölle gebrandmarkt werden. Was insofern überraschend ist, als gerade diese Produkte nach Geld suchenden Staaten hervorragende Dienste leisten: Ohne das vermeintliche Teufelszeug namens CDS wären Länder wie Griechenland längst zahlungsunfähig. Nur mehr Ahnungslose hätten dem griechischen Staat Geld geliehen, wären da nicht jene Versicherungen gewesen, mit denen sich Gläubiger gegen den Ausfall ihrer Ausleihungen absichern konnten. Auch bei finanziell potenteren Euroländern wären Geldgeber ohne derartige Versicherungen übrigens längst zurückhaltender.

Die Politik wäre den Spekulanten also ebenso zu Dank verpflichtet wie die investierende Allgemeinheit den ominösen Hedgefonds. Ohne sie wären viele ins offene Messer gelaufen: Schließlich kauften Hedgefonds immer mehr CDS auf griechische Staatsanleihen auf, als das finanzielle Desaster Athens konkretere Formen anzunehmen begann. Aufgrund der wachsenden Nachfrage verteuerten sich die Preise für CDS – was wiederum Pensionsfonds und andere Anleger auf das steigende Risiko aufmerksam machte und letztlich verschreckte.


Lukrativer Teufelskreis. Griechenland kam in der Folge freilich immer schwerer zu neuen Krediten, während die Staatsausgaben durch die Decke gingen. Eine Traumkonstellation für risikofreudige Hedgefonds: Sie kauften weiter CDS zu und spekulierten munter darauf, dass die Euroländer zwar notfalls den Stabilitätspakt in die Luft jagen könnten, um Griechenland vor der Pleite zu retten, diese Rettung aber nicht funktionieren würde. Die Spekulanten gehen nach wie vor davon aus, dass die Gläubiger Athens früher oder später zum „Haircut“ müssen, um auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten. Andernfalls würde Griechenland nicht einmal den Zinsendienst für die wachsenden Schuldenberge bewältigen können. In der Politik läuft eine derartige Anlagestrategie unter dem Titel „Wetten auf den Untergang bedrängter Staaten“.


Wenn die Wirkung zur Ursache wird. Ein Untergang, der freilich weniger von Spekulanten als von den demokratisch gewählten Regierungen jener Pleitestaaten vorbereitet wurde, die Schulden versteckten, Budgetdaten frisierten und das billige Geld zur Absicherung der eigenen politischen Zukunft einsetzten. Und von jenen Finanzministern aus dem „reichen“ Norden, die Schmiere standen, um sich im Mai des Jahres 2010 im Namen der Allgemeinheit dazu verpflichten, die Schuldenstaaten freizukaufen, sollte es tatsächlich eng werden. Das wiederum verkauft die Politik der Öffentlichkeit als „verantwortungsvolles Handeln“.

Nun spricht nichts dagegen, Hedgefonds zu regulieren. Allerdings werden weder strenge Regeln für Hedgefonds noch Steuern auf Finanztransaktionen am grundsätzlichen Problem etwas ändern: Selbst eine Welt ohne Spekulanten und Hedgefonds machte über beide Ohren verschuldete Staaten nicht zahlungsfähiger. Bestenfalls gäbe es zwei Sündenböcke weniger.

franz.schellhorn@diepresse.com

Palladium

Kulmbach (aktiencheck.de AG) - Für die Experten vom Anlegermagazin "Der Aktionär" ist die Aktie von North American Palladium (ISIN CA6569121024/ WKN 858071) der Top-Tipp spekulativ.

Sonntag, 23. Mai 2010

Gold - wie ?

Beliebt bei Goldanlegern sind vor allem die börsengehandelten Rohstoffe (ETCs). Sie sind einfach und günstig wie eine Aktie zu kaufen und zu verkaufen und orientieren sich in einem bestimmten Verhältnis am Goldpreis. Noch dazu kaufen die Anbieter bestimmter Produkte für das Geld der Investoren physisches Gold. Beim deutschen Xetra Gold etwa können sich Anleger ihre Anteile auf Wunsch in Barrenform ausliefern lassen. Und sollte der Emittent insolvent werden, so bleibt Anlegern das Recht auf Auslieferung des Goldes. Allein in der ersten Mai-Woche kauften Anleger Xetra Gold-Anteile für 3,7 Tonnen, das Gesamtvolumen des Produkts liegt damit bei 45 Tonnen. Xetra-Gold kostet jährlich eine Managementgebühr von 0,40 Prozent, die die Kosten für die Lagerung bereits beinhalten. Globales Flaggschiff dieser Produktklasse ist der SPDR Gold, dessen Bestände sich auf 1220 Tonnen belaufen.

Wer trotz der Wirren um Euro, Dollar und Pfund keine Sorge um das große Ganze hat, aber dennoch von den Preisbewegungen am Goldmarkt profitieren will, für den stehen weitere ETCs und Zertifikate bereit. So können Anleger mit dem Gold-Bear-ETF von ETF Securities (WKN A0V9X0) von einem Preisrückgang beim Gold profitieren. Derselbe Anbieter hat auch ein gehebeltes Produkt im Programm, das mögliche Zuwächse beim Goldpreis für den Anleger verdoppelt (A0V9YZ). Geht der Preis nicht in die gewünschte Richtung, wachsen die Verluste entsprechend.
Themen

Eine eigene Anlagekategorie innerhalb des Sektors bilden die Goldminenaktien. Hier hofft Martin Siegel von westgold.de, der auch den Fonds stabilitas gold und silber berät, noch auf Nachholpotenzial. "Viel Anlagekapital, das früher in Reaktion auf einen steigenden Goldpreis direkt in Minenaktien geflossen ist, wird heute von den ETC-Anbietern absorbiert", hat er beobachtet. In der Folge seien die Minenaktien in ihrer Kursentwicklung zurückgeblieben. "Viele Minenunternehmen sind inzwischen ungewöhnlich günstig bewertet. Wenn der Goldpreis auf diesem Niveau bleibt oder steigt, werden die Aktien irgendwann anspringen."

Gold - wie ?

Beliebt bei Goldanlegern sind vor allem die börsengehandelten Rohstoffe (ETCs). Sie sind einfach und günstig wie eine Aktie zu kaufen und zu verkaufen und orientieren sich in einem bestimmten Verhältnis am Goldpreis. Noch dazu kaufen die Anbieter bestimmter Produkte für das Geld der Investoren physisches Gold. Beim deutschen Xetra Gold etwa können sich Anleger ihre Anteile auf Wunsch in Barrenform ausliefern lassen. Und sollte der Emittent insolvent werden, so bleibt Anlegern das Recht auf Auslieferung des Goldes. Allein in der ersten Mai-Woche kauften Anleger Xetra Gold-Anteile für 3,7 Tonnen, das Gesamtvolumen des Produkts liegt damit bei 45 Tonnen. Xetra-Gold kostet jährlich eine Managementgebühr von 0,40 Prozent, die die Kosten für die Lagerung bereits beinhalten. Globales Flaggschiff dieser Produktklasse ist der SPDR Gold, dessen Bestände sich auf 1220 Tonnen belaufen.

Wer trotz der Wirren um Euro, Dollar und Pfund keine Sorge um das große Ganze hat, aber dennoch von den Preisbewegungen am Goldmarkt profitieren will, für den stehen weitere ETCs und Zertifikate bereit. So können Anleger mit dem Gold-Bear-ETF von ETF Securities (WKN A0V9X0) von einem Preisrückgang beim Gold profitieren. Derselbe Anbieter hat auch ein gehebeltes Produkt im Programm, das mögliche Zuwächse beim Goldpreis für den Anleger verdoppelt (A0V9YZ). Geht der Preis nicht in die gewünschte Richtung, wachsen die Verluste entsprechend.
Themen

Eine eigene Anlagekategorie innerhalb des Sektors bilden die Goldminenaktien. Hier hofft Martin Siegel von westgold.de, der auch den Fonds stabilitas gold und silber berät, noch auf Nachholpotenzial. "Viel Anlagekapital, das früher in Reaktion auf einen steigenden Goldpreis direkt in Minenaktien geflossen ist, wird heute von den ETC-Anbietern absorbiert", hat er beobachtet. In der Folge seien die Minenaktien in ihrer Kursentwicklung zurückgeblieben. "Viele Minenunternehmen sind inzwischen ungewöhnlich günstig bewertet. Wenn der Goldpreis auf diesem Niveau bleibt oder steigt, werden die Aktien irgendwann anspringen."

Donnerstag, 20. Mai 2010

DAX

Deutlich ins Minus gedreht ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstagmittag. Marktbefürchtungen vor einer europaweiten Ausdehnung des Leerverkaufs-Verbots setzen die Aktienmärkte unter Druck. Der Dax verliert gegen 13.03 Uhr 0,8 Prozent bzw. 45 Punkte auf 5.934. Damit ist die anfänglich positive Reaktion auf die späte Erholung an Wall Street bereits wieder verpufft.

Daneben gebe es Unsicherheiten über die zukünftige Besteuerung des Finanzsektors in Großbritannien. Auch der wieder fallende Euro wird zum Anlass genommen, Positionen aufzulösen. Vor allem bei Exportwerten würden Gewinne realisiert.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Lehmann

Schon heute ist das Vertrauen in den Euro spürbar erschüttert. Der Kurs fällt, und die Menschen investieren lieber in Gold, um ihr Geld vor der drohenden Inflation zu schützen. Susanne Schmidt, Finanzexpertin und Tochter von Helmut Schmidt konnte sich etwa vorstellen, dass die Inflationsrate bald auf vier bis sechs Prozent ansteigen würde.

Auch der ARD-Börsenexperte Frank Lehmann pries Gold als lohnende und sichere Investition an.

Schmidt und Lehman sahen durchaus die Notwendigkeit, neue Regeln für die Finanzmärkte aufzustellen. Höhere Eigenkapitaldeckung und strengere Finanzaufsicht wurden genannt. Sie beklagten aber auch Geschäftspraktiken und fehlende Moral der jungen Investmentbanker-Generation.

Lehmann befürchtete sogar das Aussterben des „ehrlichen Kaufmanns“, der durch einen ausschließlich von Profit getriebenen Banker ersetzt worden sei.

Die Zukunft wird zeigen, ob die angekündigten Maßnahmen die Exzesse auf den Finanzmärkten tatsächlich eindämmen können oder ob sie am Ende nur eine Volks-Beruhigungssteuer waren.

Bei aller Empörung über einige Geschäftspraktiken der Banken sollte allerdings nicht vergessen werden, dass es nicht die Spekulanten waren, die die griechische Schuldenkrise verursacht haben.

Über Jahrzehnte hinweg waren es griechische Regierungen, die gelogen, getäuscht und immer wieder haufenweise Schulden gemacht haben. Griechen und Deutsche werden noch lange dafür bezahlen müssen.

Dienstag, 18. Mai 2010

Goldpreismanipulation

boerse.ARD.de: Sie haben davon gesprochen, dass heute die Manipulationen in erster Linie an den Terminmärkten durchgeführt werden. Aber jede Position, die zu einem Goldpreisrückgang eingegangen wird, muss doch irgendwann auch einmal zurückgeführt werden, was wiederum zu einem Anstieg des Goldpreises führt. Das ist wohl eher ein Nullsummenspiel.

Speck: Nein, denn Ziel ist es, die Investoren durch die Goldpreisinterventionen zu entmutigen und vom Gold abzuhalten - also die Goldnachfrage nachhaltig zu senken. Dies ist bei Gold möglich, denn Gold ist ein Anlagegut und kein Verbrauchsgut wie andere Rohstoffe. Angesichts der hohen weltweiten Verschuldung könnte es jederzeit eine deflationäre Schuldenkrise geben, auf die die Zentralbanken mit einer Monetarisierung der Schulden reagieren würden. Solche Maßnahmen würden stark inflationär wirken.

Sowohl bei Inflation als auch bei Deflation wäre Gold ein liquides Wertaufbewahrungsmittel, das nicht Pleite gehen kann, und das auch bei einer hohen Inflation seinen Wert bewahren würde. Durch die Interventionen allerdings wird Papiergeld relativ gesehen attraktiver gemacht. Dies ist keine echte Medizin. Sie kann nicht ewig wirken.

Verteilungskämpfe

Unglücklich nur, dass es mit Griechenland ein Euro-Land traf - und damit die noch junge Gemeinschaftswährung der Europäer. Zu Recht weist der niederländische Ökonomie-Professor Willem Buiter, Chefvolkswirt der Citigroup, darauf hin, dass die USA und Großbritannien bei ihren sogenannten strukturellen Defiziten - bereinigt um Konjunktureinflüsse und im Vergleich zur Wirtschaftsleistung - noch schlechter dastehen als Griechenland, Portugal oder Spanien.

Nun ist die Fiesta zu Ende, nicht nur für die Griechen, sondern für alle Europäer, Amerikaner und Japaner. Es muss umgesteuert werden. Und das ist auch möglich. Noch mal Willem Buiter: Die finanzpolitischen Schwierigkeiten der entwickelten Nationen, sagt er, seien bisher kein "Wir können nicht zahlen", sondern ein "Wir wollen nicht zahlen".

Wie aber sieht der "Quantensprung" aus, der nach den Worten von EZB-Chef Trichet unvermeidlich ist?

Weniger staatliche Schulden oder gar keine neuen Schulden, wie es die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse ab 2016 für Deutschlands Bundeshaushalt (und ab 2020 für die Länder) erfordert, bedeuten einen tiefen Einschnitt in die Lebensgewohnheiten, der Regierenden wie der Bürger.

Ein Gutteil des regelmäßigen Wirtschaftswachstums war nur möglich, weil die fest eingebauten Defizite in den öffentlichen Budgets als Beschleuniger der Nachfrage wirkten. Gegenwartskonsum auf Kosten der Zukunft. Es durfte keinen Stillstand geben, das stete Mehr war und ist oberstes Gebot und muss notfalls durch Schuldscheine herbeigezaubert werden.

Beispielhaft hat das die Politik in der jüngsten Krise zelebriert, als nicht nur die Banken mit aberwitzigen Milliardengarantien vor dem Kollaps gerettet wurden (was unvermeidlich war), sondern auch noch ein Ausgabenprogramm mit dem grotesken Namen "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" draufgesattelt wurde (was weitgehend unnötig war). Fünf gepumpte Milliarden kostete allein die sogenannte Abwrackprämie, das größte Wertevernichtungsprogramm aller Zeiten.

Die Wirtschaftswissenschaft hat keine Rezepte

Schuldenmachen für anhaltend steigenden Wohlstand - diese liebgewonnene Übung muss beendet werden, wenn keiner mehr der Staatskasse Kredit gewährt. Der allseits verinnerlichte Glaubenssatz "Ohne Wachstum ist alles nichts" (so im Leitantrag auf dem CDU-Parteitag 2004) war schon angesichts der in den vergangenen Jahren immer dürftigeren Wachstumsraten fragwürdig; jetzt muss er endgültig gestrichen werden.

Die Wirtschaftswissenschaft hält bislang keine Rezepte bereit, wie denn eine Wirtschaft mit weniger oder gar keinem Wachstum funktionieren könnte; die Professoren sind dem Dogma des steten Zuwachses genauso verfallen wie Politiker und Unternehmer. Noch vor kurzem forderte der Münchner Ökonom Hans-Werner Sinn von der Politik, "die Ausgaben im nächsten Jahr auf keinen Fall zurückzufahren" und sich sogar "weiter zu verschulden".

Das geht nun nicht mehr. Die Umkehr wird von den Anlegern erzwungen, falls die Staaten sich nicht dauerhaft Geld von der Notenbank drucken lassen. Die Wende wird schmerzhaft und womöglich mit schweren politischen Erschütterungen verbunden sein. Die Proteste in Griechenland lassen erahnen, was anderen Ländern noch bevor steht. In Deutschland zeigte schon der Widerstand gegen die Hartz IV-Gesetze, wie schwer Korrekturen bei staatlichen Leistungen durchzusetzen sind; Hartz IV sorgte für die Abwahl der rot-grünen Regierung und zum Aufstieg der Linken.

Jahre harter Verteilungskämpfe stehen uns bevor, und womöglich eine schwere Belastung des demokratischen Systems

Montag, 17. Mai 2010

Quirin Bank - Vogt

Handelsblatt: Herr Vogt, wo drohen die größten Gefahren für die Finanzmärkte?

Vogt: Eine der größten Bedrohungen kommt vom US-Immobilienmarkt. Hier sind die gewerblichen Immobilien auch ein Problem. Aber ich erwarte eine zweite Krisenwelle von den Wohnimmobilien. Viele Darlehen mit Zinsanpassung werden jetzt und in den kommenden Monaten angepasst. Es geht um ähnlich große Summen wie bei der ersten Subprime-Welle. Normalerweise dauert es anschließend drei Monate, bis solche Kredite notleidend werden, die die Schuldner nicht mehr bezahlen können. Nach etwa weiteren drei Monaten beginnt dann die Zwangsversteigerung. Das heißt: Spätestens im Herbst kommt in den USA eine zweite Pleitewelle auf die USA zu, damit auch auf die Bankbilanzen. Die Atempause an diesem wichtigen Markt ist also vorbei. Bald werden die Immobilienpreise weiter rutschen.

Was heißt das für die Aktienmärkte?

Die Börsenampeln stehen auf dunklem Gelb. Negativ sind schon die Geldpolitik, die Bewertung an den Aktienmärkten und die Stimmungslage. Die Geldmengen in den Industrieländern wachsen nicht mehr, schrumpfen teilweise sogar. Der Hausse geht also die Liquidität und damit der Treibstoff aus. Das ist schlecht für Aktien und Rohstoffe, auch für die Realwirtschaft. Das alles passiert in einer Zeit, in der die Konjunkturprogramme noch laufen, aber an Durchschlagskraft verlieren müssten. Im zweiten Halbjahr werden also die Wachstumsraten geringer sein. Dann beginnt die akute Gefahrensaison für Aktien und Rohstoffe. Von den Bewertungen her sind die Märkte mit hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen und geringen Dividendenrenditen historisch sehr teuer. Einige Stimmungsindikatoren sind schon wieder auf Rekordniveau. Der Börsianer sind so optimistisch wie zuletzt im Jahr 2000 - vor dem Crash. Deshalb sind Börsen anfällig für schlechte Nachrichten. Für ein endgültiges Verkaufssignal müssten jetzt nur noch die technischen Indikatoren, die das Kursgeschehen widerspiegeln, drehen.

Jetzt schon verkaufen oder noch warten?

Insgesamt sehe ich die Aktienmärkte in einer Top-Bildung. In einigen Monaten dürften die Aktien nach unten abdrehen und ihre zweite Baissephase starten. Von den Verlusten und der Zeitdauer her könnten wir die erste Phase von Anfang 2008 bis Frühjahr 2009 kopieren: Das ist für mich eine Art Blaupause. Der Markt kann sich also halbieren. Das wird richtig ungemütlich an allen Börsen der Industrieländer. Was Europa angeht, sind die Bewertungen hier zwar nicht so überzogen wie in den USA, aber auf eine Abkopplung von der Wall Street können wir in Zeiten globaler Finanzmärkte nicht hoffen. Auch Rohstoffe und Unternehmensanleihen sind unter diesen Vorzeichen kein Kauf mehr. Sie sind wie die Aktien hervorragend gelaufen, aber wenn die Anleger sich erneut aus Risikopositionen zurückzuziehen beginnen, muss man auch hier verkaufen. Anleger sollten jetzt ihre Bestände in allen drei Märkten, das heißt Aktien, Risiko-Anleihen, Rohstoffe, schrittweise auflösen.

Sonntag, 16. Mai 2010

Greenspan-Put

Eine "Geschäftsbank" entspricht in Roubinis Welt genau der populären Vorstellung von einer Bank: Sie leiht Geld an Firmen und Privatleute und refinanziert sich durch Kundeneinlagen, die teilweise staatlich versichert werden. Sie sollen genau das tun und nichts anderes. Verboten werden soll ihnen zum Beispiel ein bis vor kurzem hochprofitables Geschäftsfeld: kurzfristige "Repo-Kredite" an Investmentbanken. Diese waren 2008 ein wichtiger Ansteckungsweg, über den sich die Finanzkrise ausgebreitet hat. Investmentbanken sollen sich auf ihr Kerngeschäft beschränken: die Beratung von Unternehmen bei Finanzfragen wie der Emission von Anleihen und Aktien. Wenn sie in langfristige Anlagen investieren wollen, müssen sie sich das Geld über eigene Anleihen oder Aktien beschaffen; kurzfristige Kreditaufnahme ist ihnen ebenso verboten wie spekulativer Eigenhandel. Dieser ist ausschließlich Hedgefonds vorbehalten.

Sie dürfen machen was sie wollen - solange sie keine kurzfristigen Kredite aufnehmen. Genau dadurch aber wird ihr Geschäft weniger profitabel. Vieles an Roubinis Drei-Klassen-Welt wird schwierig zu regeln sein. So ist die Grenze zwischen Geschäften im Kundenauftrag und dem Eigenhandel der Bank weniger scharf als Roubini unterstellt. Trotzdem ist sein Vorschlag der präziseste und in sich schlüssigste unter allen, die bisher zum Problem "Too Big to Fail" vorgelegt wurden. "Das Finanzsystem, das wir hier beschreiben, ist sauber parzelliert, keimfrei - und langweilig", schreiben die Autoren. "Doch genau das ist das Ziel."

Weg mit dem Greenspan-Put

Roubinis Vorschläge zur Vorbeugung vor neuen Spekulationsblasen sind weniger spektakulär, aber sie erfordern ein Umdenken in den Notenbanken. Seit den achtziger Jahren war es Konsens zumindest in der US-Zentralbank Fed, dass man Blasen nicht bekämpfen kann, weil man sie nicht genau definieren kann. Stattdessen sollte die Notenbank, so die Überzeugung, nach dem Platzen einer Blase aggressiv Geld in das System pumpen, um einen Absturz des Finanzsystems zu verhindern. Diese Ideologie ging als "Greenspan-Put" in den Sprachgebrauch der Wall Street ein. Der frühere Fed-Chef Alan Greenspan stellte den Finanzmärkten eine Art Versicherung aus: Sie konnten nach Herzenslust spekulieren, denn wenn etwas schief ging, stand ja die Fed bereit.

Greenspans Nachfolger Ben Bernanke tat es ihm nach, zuletzt im gigantischen Maßstab. Diesen Greenspan-Put will Roubini beenden

Dienstag, 11. Mai 2010

Reinhard

Die Illusion, dass "dieses Mal alles anders ist" und dass daher die bisherigen Regeln und Gesetzmäßigkeiten nicht mehr gelten, ist offenbar ein universelles Frühwarnsignal für die Entstehung ökonomischer Krisen – so universell, dass die renommerten US-Ökonomen Carmen Reinhart und Ken Rogoff es zum Titel ihres Buches gemacht haben. Vermutlich haben sie bereits mit der Wahl dieses Titels einen Beitrag zur Prävention künftiger Krisen geleistet, denn ganz so unbefangen wie bisher wird Ökonomen das Wort "This time is different" wohl nicht mehr über die Lippen gehen, und das Wissen, dass eben diese Aussage ein charakteristisches Merkmal sich aufbauender Krisen ist, lässt sich nicht mehr so ohne Weiteres abschütteln.

Was die beiden Forscher – Reinhart ist Professorin an der University of Maryland und hat viel über Wirtschaftskrisen geforscht; Rogoff lehrt in Harvard und war davor Chefökonom des Internationalen Währungsfonds – in diesem Buch vorstellen, ist empirische Krisenforschung im besten Sinne: Sie haben einen umfangreichen Datenbestand über historische Wirtschaftskrisen zusammengetragen, der 66 Länder umfasst und acht Jahrhunderte zurückreicht, mit Schwerpunkt natürlich in den letzten 200 Jahren, und begrenzt häufig nur durch das Gründungs- oder Unabhängigkeitsdatum der erfassten Staaten. Der über 160 Seiten umfassende Anhang vermittelt einen Eindruck von dieser weltweit umfangreichsten Datenbank. Er ermöglicht es ihnen, quantitative Analysen über Wirtschaftskrisen durchzuführen, von denen man bislang nur träumen konnte. Und so haben Reinhart und Rogoff empirische Befunde zu zahlreichen Zusammenhängen vorzuweisen, über die bislang nur theoretisiert und spekuliert werden konnte.

Das Buch umfasst 17 Kapitel, die sich in sechs Teile gliedern. Die ersten vier davon bringen eine Systematik in die Daten; sie befassen sich nach einer grundsätzlichen Einführung "Financial Crisis: An Operational Primer" mit "Souvereign External Debt Crisis" (Part II), mit der "Forgotten History of Domestic Debt and Default" (Part III) sowie mit "Banking Crises, Inflation, and Currency Crashes" (Part IV). Nach diesen grundlegenden Untersuchungen kommen Reinhart und Rogoff im fünften Teil zur gegenwärtigen Krise: "The U.S. Subprime Meltdown and the Second Great Contraction"; daran schließt noch ein abschließender Teil an, der nur aus einem Kapitel besteht und "What Have We Learned?" überschrieben ist; er enthält "Reflections on Early Warnings, Graduation, Policy Responses, and the Foibles of Human Nature".

Schon aus dem Vorwort dieses Buches habe ich mehr gelernt als auch mancher langen Abhandlung. Was freilich auch daran liegt, dass die Autoren es für eine verdichtete Vorschau auf ihre Erkenntnisse nutzen. Zumindest dieses Vorwort muss eigentlich jeder gelesen haben, der sich ernsthaft für makroökonomische Zusammenhänge interessiert und/oder eine fundierte Einschätzung der derzeitigen Krise entwickeln will. Schon der zweite Absatz bringt eine Aussage von größter Tragweite: "If there is one common theme to the vast range of crises we consider in this book, it is that excessive debt accumulation, whether it be by the government, banks, corporations, or consumers, often poses greater systemic risks than it seems during a boom." (S. XXV) Der Grund dafür ist, dass hohe Verschuldung die Anfälligkeit für Stimmungsschwankungen und Vertrauenskrisen erhöht, "particularly when debt is short term and needs to be constantly refinanced." (a.a.O.) Wenn das zutrifft, dann haben die westlichen Industriestaaten mit Bankenrettungen und Konjunkturprogrammen die Milderung der akuten Krise mit einer Erhöhung der mittel- und langfristigen Krisengefahr erkauft.

Ein zentrales Anliegen von Reinhart und Rogoff ist, durch die Untersuchung großer Zeitspannen auch relativ seltene Ereignisse zu erfassen, die allzu leicht in Vergessenheit geraten – wobei sich dann herausstellt, dass sie weit häufiger und ähnlicher sind als gemeinhin angenommen: "Indeed, analysts, policy makers, and even academic economists have the unfortunate tendency to view recent experience through the narrow window opened by standard data sets, typically based on a narrow range of experience in terms of countries and time periods", kritisieren sie (S. XXVII). Tatsächlich waren Staats-, Finanz- und Wirtschaftskrisen in der Vergangenheit sehr viel häufiger als es sich im allgemeinen Bewusstsein widerspiegelt. Allein 250 Staatsbankrotte weist ihre Datenbank aus, und wie eine Grafik im Vorwort zeigt, gab es seit 1800 kaum ein Jahr, in dem nicht einige Staaten zahlungsunfähig waren. Die Spitzenwerte liegen zwischen 1920 und 1950, wo zeitweise bis zu 40 Staaten pro Jahr bankrott waren, doch der langfristige Trend weist keineswegs, wie man angesichts moderner Finanzinstrumente erwarten würde, nach unten; vielmehr liegt der Durchschnittswert der Periode nach 1950 deutlich höher als in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. (Was möglicherweise allerdings auch mit der seitdem deutlich gestiegenen Zahl unabhängiger Staaten zu tun hat.)

Bei einer weniger engen Perspektive wäre auch die Entstehung der momentanen Weltwirtschaftskrise alles andere als unvorhersehbar gewesen: "We show that in the run-up to the subprime crisis, standard indicators for the United States, such as asset price inflation, rising leverage, large sustained current account deficits, and a slowing trajectory of economic growth, exhibited virtually all the signs of a country in the verge of a financial crises–-indeed, a severe one. This view of the way into a crisis is sobering; we show that the way out can be quite perilous as well. The aftermath of systemic banking crisis involves a protected and pronounced contraction in economic activity and puts significant strain on government resources." (X. XXIX) Womit sie dem Leser – immer noch im Vorwort – zugleich eine Prognose der vor uns liegenden Entwicklung mit auf den Weg geben.

Auf psychologisches Terrain dringen die Autoren in der Präambel vor, in der sie "Some Initial Intuitions on Financial Fragility and the Fickle Nature of Confidence" vorstellen. Denn hier liegt ein Knackpunkt von Krisen: "Perhaps more than anything else, failure to recognize the precariousness and fickleness of confidence–-especially in cases in which large short-term debt needs to be rolled over continuously–-is the key factor that gives rise to the this-time-is-diffferent symdrome. Highly indebted governments, banks, or corporations can seem to be merrily rolling along for an extended period, when bang!—confidence collapses, lenders disappear, and a crisis hits." (S. XXXVII) Und, klar, je höher die Schulden sind, die verlängert werden müssen, desto härter und vernichtender schlägt die Krise zu.

Das Beunruhigende daran ist, dass die Wissenschaft weit davon entfernt ist zu verstehen, was diese Stimmungsschwankungen auslöst, geschweige denn davon, sie vorhersagen zu können. Reinhart und Rogoff räumen ganz offen ein: "Economists do not have a terribly good idea of what kinds of events shift confidence and of how to concretely assess confidence vulnerability. What one does see, again and again, in the history of financial crises is that when an accident is waiting to happen, it eventually does." (S. XLIII) Leider hat auch die Psychologie hier nicht zu bieten als die Ökonomie: Zwar kann man spekulieren, dass die Fähigkeit von Menschen, Stimmungsveränderungen auch auf die Distanz feinfühlig wahrzunehmen und schnell auf sie zu reagieren, in der Entwicklungsgeschichte vermutlich fitness-förderlich war – doch das würde nur erklären, weshalb die Stimmung in den Märkten so unglaublich schnell umschlagen kann, nicht aber, was solche Umschwünge auslöst. Einmal mehr rächt sich hier die langjährige Vernachlässigung des Themas Massenpsychologie.

Nachdem sie in den ersten zwölf Kapiteln die wichtigsten Ergebnisse ihrer quantiativen Krisenforschung vorgestellt haben, zeigen Reinhart und Rogoff im 13., dass im Vorfeld der momentanen Krise sämtliche klassischen Warnleuchten blinkten: Weit über das langjährige Mittel hinausgehende Preissteigerungen bei Immobilien, wachsende Staats- und Verbraucherverschuldung, Einsatz immer extremerer Hebel bei Finanzgeschäften, "Gewinn-Bonanzas" wie die Triple-A-gerateten Credit Default Swaps, eine sich verlangsamende "Realwirtschaft", wachsende Außenhandelsdefizite … Dabei weisen sie auf einen Zusammenhang hin, den sich Wirtschaftspolitiker dreimal rot anstreichen sollten: "Historically, financial liberalization or innovation has been a recurrent predictor to financial crisis." (S. 217) Doch auch diesmal schlug das "This time is different-Syndrom" zu: Statt etwa mit einer moderaten Zinserhöhung Dampf aus der entstandenen Blase zu nehmen, führte der damalige Fed-Chef Alan Greenspan beharrlich seine Politik des billigen Geldes fort – was faktisch einem "Löschen mit Benzin" gleichkam.

Die Nachwirkungen von Finanzkrisen untersuchen die Autoren im folgenden Kapitel, und ihre quantitativen Analysen der historischen Daten sprechen für alles, bloß nicht für eine schnelle Erholung: "Broadly speaking, financial crises are protracted affairs." (S. 224) So bleiben die Immobilienpreise im Durchschnitt sechs Jahre lang am Boden; zugleich geht die Wirtschaftsleistung um durchschnittlich 9 Prozent (Abstand zwischen Höhe- und Tiefpunkt) zurück, und die Arbeitslosigkeit steigt für mehr als vier Jahre im Mittel um 7 Prozentpunkte. Am folgenschwersten ist jedoch, dass die Staatsschulden explodieren, und zwar im Durchschnitt um 86 Prozent relativ zum Vorkrisenniveau. Die Treiber dafür sind nicht alleine kostspielige Rettungspakete und Konjunkturprogramme, sondern auch und vor allem ein Kollaps der Steuereinnahmen und wachsende Transferzahlungen. Steigende Zinsen führen dann leicht zu extrem hohen Zinslasten – was letztlich die Gefahr von Staatsbankrotten mit sich bringt.

Als ob das nicht genug wäre, merken Reinhart und Rogoff an: "Yet, in many ways, this 'Second Great Contraction' is a far deeper crisis than others in the comparison set, because it is global in scope, whereas the other severe post-World War II crises wer either country-specific or at worst regional." (S. 233) Was man wohl so verstehen muss, das wir von Glück reden können, wenn es in diesem Fall bei den genannten Durchschnittswerten bleibt. Am Ende des Kapitels wird es endgültig gruselig: "The planned quadrupling of International Monetary Fund (IMF) resources, along with the apparent softening of IMF loan conditions, could have the effect of causing the next round of defaults to play out in slow motion, albeit with a bigger bang at the end if the IMF itself runs into broad repayment problems." (S. 239)

Was die internationale Ausbreitung der amerikanischen Subprime-Krise betrifft, unterscheiden sie zwischen direkten Wirkungen, die sie als "fast and furious" charakterisieren, und langsam verlaufenden Ansteckungseffekten. Ein Beispiel für ersteres waren jene europäischen und japanischen Banken, die ebenfalls in erheblichem Ausmaß im amerikanischen Subprime-Sektor engagiert waren, weil sie sich dort bessere Gewinne versprachen als in ihren Heimatmärkten. Diese direkten Auswirkungen dürften inzwischen weitgehend bekannt – wenn auch noch keineswegs verkraftet – sein. Schwerer ist zu sagen, welche Dimension die langsamer verlaufenden Ansteckungseffekte haben, denn: "Their more gradual evolution does not make their cumulative effect less serious" (S. 246). Angesichts der Schwierigkeiten, in denen viele südeuropäische Länder, aber auch Irland und Großbritannien mittlerweile stecken, scheint die Feststellung von Reinhart und Rogoff durchaus treffend: "Given the tendency for souvereign defaults to increase in the wake of both global financial crises and sharp declines in global commodity prices, the fallout from the Second Great Contraction may well be an elevated number of defaults, reschedulings, and/or massive IMF bailouts." (S. 247)

In Kapitel 16 entwickeln Reinhart und Rogoff ein quantitatives Maß für die Schwere von Finanzkrisen. Sie addieren dazu einfach die fünf Ausprägungen von Krisen, die sie im ersten Kapitel herausgearbeitet haben: "External and internal souvereign default, banking crises, currency crashes, and inflation outbursts." (S. 249) Zwei Krisendimensionen werden in diesem Index, wie sie erläutern, nicht direkt erfasst, nämlich Privatinsolvenzen und Unternehmenspleiten. Beide sollten sich jedoch vor allem in den Bankenkrisen widerspiegeln, da ein starker Anstieg dieser Insolvenzen natürlich jene trifft, die das Kapital zu Verfügung gestellt haben. Auch nach diesem sogenannten BCDI-Index (die Abkürzung steht für Banking – Currency – Debt – Inflation) kann die gegenwärtige Krise mit der Great Depression mithalten: "Like its prewar predecessors, the 2008 episode has been both severe in magnitude and global in scope, as reflected by the large share of countries mired in the crisis." (S. 255) (Da die Zahlen nicht einfach aufaddiert, sondern nach ihrem Anteil am Weltsozialprodukt gewichtet wurden, führt der absolute Anstieg der Anzahl souveräner Staaten hierbei zu keiner optischen Vergrößerung der gegenwärtigen Krise.)

Allerdings wissen wir bei der gegenwärtigen Krise noch nicht, wie die Geschichte ausgeht – wir wissen noch nicht einmal, ob wir den Höhepunkt schon erreicht haben. Was wir indes mit ziemlicher Sicherheit wissen, ist, dass es angesichts des globalen Charakters dieser Krise keine regionale Lokomotive geben wird, die die Weltwirtschaft aus diesem Tal herausziehen wird. (Bei allem Respekt vor China und Indien: So stark, dass sie die westlichen Industriestaaten mit ihrer Nachfrage wieder in Schwung bringen könnten, sind diese Supermächte der Zukunft heute noch nicht.) Insofern ist der derzeitige Optimismus an den Kapitalmärkten kaum auf reale Wachstumsperspektiven der Weltwirtschaft begründet, sondern vielleicht tatsächlich auf eine Mischung aus Wunschdenken und "Fiat Money", also einer aufgeblähten Geldschöpfung.

Im abschließenden Teil VI "What Have We Learned?" – unter dem trockenen Motto: "There is nothing new except what is forgotten" (Rose Bertin) – fordern die Autoren naheliegenderweise bessere volkswirtschaftliche Frühwarnsysteme, beispielsweise durch den fortlaufenden Abgleich von Immobilienpreisen und Schulden mit historischen Benchmarks. Nach ihren Untersuchungen sind reale Wechselkurse und reale Hauspreise die besten Prädiktoren für Bankenkrisen. Als größtes Hindernis dafür bezeichnen sie "the well-entrenched tendency of policy-makers and market participlants to treat the signals as irrelevant archaic residuals of an outdated framework, assuming that old rules of valuation no longer apply." (S. 281) This time is different …

Zum zweiten fordern sie eine neue Rolle für internationale Institutionen: "International institutions can play an important role in reducing risk, first by promoting transparency in reporting data and second by enforcing regulations related to leverage." (S. 281) So wäre es extrem wertvoll, bessere und klarere Informationen über Staatsschulden und implizite staatliche Garantieverpflichtungen zu haben, ebenso transparentere Daten über Bankenbilanzen. Allerdings erkennen sie auch, dass das leichter gefordert als umgesetzt ist, denn die Regierungen dieser Welt haben aus innen- wie außenpolitischen Gründen ein lebhaftes Interesse daran, unerfreuliche Zahlen mit den unterschiedlichsten Tricks zu verstecken und zu verschleiern. Und wie jüngste Beispiele gezeigt haben, sind internationale Investmentbanken immer gerne bereit, gegen angemessene Gebühren bei solchen Tricksereien zu helfen – und so ihren bescheidenen Beitrag zu künftigen Krisen zu leisten. Reinhart und Rogoff vertreten die Position, dass nur ein starker internationaler "financial regulator" die nötige Unabhängigkeit besitzt, um sich dem zu erwartenden Lobbydruck entziehen zu können.

Trotzdem äußern sie sich am Ende nicht sehr optimistisch über die Chancen, künftige Krisen früher ekrennen und abmildern zu können: "The fading memories of borrowers and lenders, policy makers and academics, and the public at large do not seem to improve over time, so the policy lessons on how to 'avoid' the next blow-up are at best limeted. Danger signals emanating from even a well-grounded early warning system may be dismissed on the grounds that the old rules of valuation no longer apply" (S. 287). Was wohl so viel heißt wie, dass Krisen de facto unvermeidlich sind – nicht, weil sie nicht vorherzusehen wären, sondern weil sich die ökonomischen und politischen Akteure weigern, die Warnsignale zu sehen. Umso wichtiger, meinen Reinhart und Rogoff, wäre es dann, wenigstens verlässlich zu wissen, wie hoch die tatsächliche Staatsverschuldung ist und ob sie auf die Dauer getragen werden kann – was allerdings an den gleichen Interessen scheitern dürfte.

Nicht einmal bei der Krisenintervention bewegen wir uns auf gesichertem Terrain. Denn obwohl staatliche Stimuluspakete allgemein als das Mittel der Wahl gelten, liegen kaum historische Erfahrungen damit vor. Und man darf durchaus die Frage stellen, ob die dadurch entstehende hohe Staatsverschuldung, die daraus resultierende Verdrängung der privaten Kreditnachfrage und von Sparzwängen getriebene Nachfragerückgang eine Erholung nicht mindestens ebenso effektiv verhindern wie davor den Abschwung. Spätestens wenn ein Konjunkturprogramm in Verbindung mit Steuerausfällen die Gefahr eines Staatsbankrotts heraufbeschwört, erweist es sich nicht wirklich als rettende Idee.

Alles in allem ein Buch, das sicherlich keine leichte Lektüre ist, aber angesichts der schwierigen Materie bewundernswert klar und lesbar geschrieben. Auch interessierte Laien haben durchaus eine Chance, Nutzen daraus zu ziehen, sofern sie das erforderliche Stehvermögen mitbringen. Die Mühe lohnt sich, weil das Buch zu einem grundlegend verbesserten Verständnis sowohl der Dynamik von Wirtschaftskrisen generell wie auch der gegenwärtigen Lage im Speziellen beiträgt. Dass die Lektüre nicht in jeder Hinsicht beruhigend ist, dafür können die Autoren nichts. Doch sie hilft, sich gegen haltlosen Optimismus ebenso zu wappnen wie gegen Weltuntergangsphantasien.

Hoisington

http://www.hoisingtonmgt.com/pdf/HIM2009Q4NP.pdf

Reflation

Unter Reflation versteht man eine aggressiv auf Vermeidung von Deflation ausgerichtete Wirtschaftspolitik. Dabei ordnet der Staat alle wirtschaftspolitischen Zwänge (wie ausgeglichener Staatshaushalt, Inflationsgefahr etc.) der Vermeidung von allgemeinen, anhaltenden Preisrückgängen unter.

Reflation kann entweder erfolgen durch das Zusammenspiel einer expansiven Geldpolitik und einer expansiven Fiskalpolitik (also niedrigere Zinsen verbunden mit höheren Staatsausgaben) oder allein durch expansive Geldpolitik. Grund für eine kompromisslose Reflationspolitik ist zumeist die Angst vor einer Deflationsspirale.

www.BoeckhInvestmentLetter.com

The centerpiece of our own strategy, and outlined in the book, is understanding liquidity flows.
They are the single most important force driving investment markets both up and down. Contracting
liquidity caused the crash in 2008‐2009 and dramatically expanding liquidity since March 2009 has
triggered one of the greatest bull markets in U.S. history. The next bear market will also be driven, at
some point, by a contraction in liquidity flows. However, as long as the great reflation is doing its work,
that day can be postponed. Chuck Prince, if he were to comment today, would probably point out that
the music is playing again. People are back out on the dance floor. But, if the great reflation is as
artificial as we believe, then this is still musical chairs. When the music stops, there won’t be a chair for
everyone, just like the last time.
Tony Boeckh
Date: May 4, 2010

info@bccl.ca

Montag, 10. Mai 2010

EU to-do list

First, the core problem is that the euro zone as currently designed is a failure. It has proven wrong to blend so many disparate nations into one currency, and then manage the currency according to relatively hawkish German preferences.

This is an unfortunate loss of face for the eurozone policy elite, but they need to get over this and move on.

The euro zone in its current form needs to be wound down, most likely being reduced to a core of countries that are sufficiently similar – and without the presumption that others will soon be admitted. The weaker countries badly need currencies reflect their national fundamentals. Germany does not need a weak currency, but Greece, Portugal, Ireland and Spain today do.

A depreciation of the euro against the dollar and other major currencies would help. But these nations trade more with each other more than with non-euro countries, so they need to change competitiveness relative to each other.

Even if by a miracle the worst outcomes are now averted, what will prevent problems like this from happening again if the euro zone stays in place? The euro authorities have demonstrated repeatedly they are incapable of regulating banks well at the eurozone or EU level – it is unimaginable that the 16 eurozone countries could get together around a table and declare that any one regulator has been seriously derelict.

The planned budget reforms at the EU level will push towards more discipline, but you need an incentive structure to get that and the consensus-based decision-making does not work for that. If this weekend only produces a reaffirmation of platitudes in this regard, next week will be very bad. This is fiddling while cities burn.

On top of all this, shocks to economic performance that are different across nations will persist. Sharing one currency across these very different and insufficiently convergent countries simply does not make sense.

Second, there needs to be an orderly plan for debt restructuring across the euro zone. This needs to be done quickly (this weekend works, but realistically it will take several weeks), while the exit to a new currency could take longer. Since most euro zone nations bonds are issued under domestic law, such restructurings should be able to proceed quickly (in emerging markets, most of the bonds are often under US or UK law, which generally makes restructuring much harder).

But do not think that Greece can restructure its debts without having broader repercussions. All the weaker eurozone countries must proceed together on this front or there will be chaos.

Third, the G20 needs to assist in the euro restructuring project. This body can authorize the International Monetary Fund to help each affected nation declare a standstill on debt, and then draw up a plan to restructure debt. The IMF should play a key implementation role in helping to decide which nations should restructure their debts and then support this process – not because it is particularly good or suited to this task, but simply because no one else is available.

During the next few years each troubled euro nation will need liquidity support from the ECB, and they will need fiscal financing from the IMF and core nations in the EU. Probably the G20 should commit more resources, at least as a back stop. These programs can be drawn up quickly, and, they should include a transition to a new currency where appropriate.

There is no real leadership in the EU, combined with complete unwillingness to admit the fundamental error of the euro zone itself. The Germans are happy to let other nations suffer for their past mistakes, so they will do nothing until there is a more complete crisis.

The ECB, as witnessed by Mr. Trichet’s news conference on Thursday, has decided that they will play the hawk, and so offer nothing of support to the nations in the periphery. Meanwhile, bond markets have closed for the periphery. This can only mean bond yields keep rising, there are runs on the banks in many nations, and then eventual economic collapse. This, unfortunately, is the path of least resistance for all parties.

So, someone needs to take leadership. Who can do this? Not the IMF by itself – it is too weak and conflicted with Dominique Strauss-Kahn clinging to his position as managing director (against increasing pressure from the United States). Indeed, Strauss-Kahn should leave the IMF so he can launch his run for the French presidency – it would be appropriately ironic if he were to win; as an architect of the eurozone, he is the perfect person to dismantle it. A much more independent person with international stature should replace him.

President Obama needs to step in personally to help this process work smoothly. The president can rightly claim that this is an international issue, not just a euro zone issue, since it impacts global trade and financial stability. All the world’s large banks are closely linked through debt, derivatives contracts, and other finance.

It would be irresponsible to presume that American banks will smoothly sail through the impending financial collapse in the euro zone. If this is left to the Europeans, as we learned this week in markets, there is a clear danger that Europe’s problems will topple the world into a new recession and a serious round of financial instability this year.

Someone needs soon to bring clarity and restore confidence. If not President Obama, who?

Written by Simon Johnson

May 7, 2010 at 8:57 am

Posted in Commentary

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Falling Back On Waterloo »
58 Responses

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1.

The “perfect” storm, as it has been described. Here is the opportunity (for the president) to bring confidence and calm back into the markets worldwide, the new realities being “All the world’s large banks are closely linked through debt, derivatives contracts, and other finance.”

Beth

May 7, 2010 at 9:13 am
Reply
2.

Simon, thanks for making clear that there are too many inept and corrupt politicians in Europe as well as a number of jokers disguised as economists that are willing to advise them about how to continue the destruction of wealth. The most interesting part of your post is that a U.S. politician is the Only Savior. I can hear the Joker laughing.

E. Barandiaran

May 7, 2010 at 9:14 am
Reply
3.

“If not President Obama, who?”

Gordon Brown…..

Peter Mountford

May 7, 2010 at 9:45 am
Reply
4.

RESPECTFULLY, I disagree with Professor Johnson on this. If Germany and France want to stick their neck out, it’s dumb as H$LL, but fine, the French banks’ knees are shaking now, so they want to present themselves as innocent angels, fine it’s their business. But If President Obama spends one more red American penny on this (that includes indirectly with funds that haven’t already been given to the IMF) he’s a fool. A damned fool. And I don’t think President Obama is a fool…but that would be the action of a fool.

Just ask yourself one simple question : What would any of those European countries do (or did they do in Oct-Sept 2008) that would help America when our back is up against the wall???? Answer: ZERO

Ted K

May 7, 2010 at 9:49 am
Reply
*

Ted, look into the details surrounding the Central Bank Liquidity Swap engineered by Bernanke and the other central bank heads around the world in the fall of 2008. It seems to have worked. The US Federal Reserve Banks took on a trillion bucks worth of these critters as an asset. The counterparties were the central banks of the world. The deposit quickly, almost immediately, travelled onto the books of the US banks as Reserve Deposits at their Federal Reserve Bank.

It might have been a trick but it worked until the Central Bank Liquidity Swap was mostly replaced by Mortgage Backed Securities guaranteed by Fannie and Freddie.

Jerry J

May 7, 2010 at 1:08 pm
Reply

Streuung

Doch was, wenn am Ende gar nichts passiert? Dann steht der Anleger mit einer großen Wohnung da. „Man ist dann erst mal immobil, und dann ist wichtig, dass nicht zu viel von meinem Vermögen darin steckt“, sagt Vermögensverwalter Albrech. Deshalb empfiehlt er, höchstens ein Drittel des Gesamtvermögens in Immobilien zu stecken. Für offene Immobilienfonds setzt er die Grenze noch niedriger an, nämlich bei zehn Prozent, weil denen demnächst eine Gesetzesänderung droht und Anleger danach ihr Geld möglicherweise jahrelang in den Fonds lassen müssen. Auch Gold gehört für Albrech ins Portfolio, ergänzt allerdings um andere Edelmetalle. „Man sollte auch Silber und Platin kaufen. Die stehen in engerer Beziehung zu ihrem eigenen Wert“, sagt Albrech. Insgesamt sieht er für die Edelmetalle 10 bis 20 Prozent des Vermögens vor, dazu kommen 10 Prozent an anderen Rohstoffen.

Zusätzliche Stabilität bringen „Absolute Return“-Fonds, also Hedge-Fonds oder ähnliche Fonds. Zwar haben Hedge-Fonds nach wie vor keinen guten Ruf, viele haben sie als Mitverursacher der Finanzkrise im Kopf. Tatsächlich hatte die Finanzkrise aber mit Hedge-Fonds wenig zu tun, sie haben sie nicht verursacht, sondern höchstens die Trends verstärkt. Und für ihre Anleger lieferten sie bessere Ergebnisse als die meisten anderen Fonds. Hedge-Fonds-Kenner sind sich einig: Wer investiert, tut das am besten über einen Dachfonds, um nicht den Schwankungen einzelner Fonds ausgeliefert zu sein.

Übrig bleibt rund ein Drittel des Geldes, das Albrech gleichmäßig zwischen Aktien und Anleihen aufteilen würde. Aktien gewinnen in Zeiten einer Inflation, Anleihen sind dagegen gut für Zeiten der Wirtschaftskrise. Für den Fall, dass der Euro schwächelt, sollten die Aktien und Anleihen allerdings zum Teil aus anderen Ländern stammen - dann profitieren Anleger auch von Kursschwankungen. Als solide gilt derzeit Norwegen, das viel Öl und wenig Schulden hat.

Samstag, 8. Mai 2010

Galbraith

http://utip.gov.utexas.edu/Flyers/GalbraithMay4SubCommCrimeRV.pdf

Freitag, 7. Mai 2010

Urschitz - 10 Lügen

Lüge 1: Österreich ist von der Griechenland-Krise vergleichsweise wenig betroffen.
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Die Wahrheit: Allein Österreichs Banken halten knapp fünf Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen. Das „Exposure“ ist bezogen auf die Größe des Landes also deutlich größer als jenes des zehn Mal so großen Deutschland, dessen Banken mit 35 Milliarden engagiert sind.



Lüge 2: Die Griechenland-Hilfe ist „nur“ ein Kredit und kann durch die Zinsen zum Geschäft werden.

Die Wahrheit: Formell ist das so, in der Praxis erwartet aber niemand, dass dieses Geld je zurückkommt. Im Gegenteil: Es wird noch mehr „nachgeliefert“ werden müssen.



Lüge 3: Der Staat hat dem Knaben aus dem jüngsten Finanzministeriums-Inserat 23.900 Euro Schulden „umgehängt“.

Die Wahrheit: Wenn man schon Milchmädchen rechnen lässt, dann richtig: Der Kleine hat rechnerisch zwar tatsächlich so hohe Schulden, weil der Staat aber 20 Prozent seiner Schulden im Inland macht, hat der junge Mann auf Basis dieser Durchschnittsrechnung gleichzeitig auch eine Forderung von knapp 5000 Euro gegen den Staat. Das Problem ist nur: Seine Forderung kann er sich in die (erst schütter vorhandenen) Haare schmieren, die hält vermutlich seine Bank. Für die Schulden wird er mit seiner späteren Steuerleistung aber wohl geradestehen müssen.



Lüge 4: Der Euro unterliegt strengen Stabilitätskriterien und ist deshalb eine stabile Währung.

Die Wahrheit: In ihrer Not überlegt die Europäische Zentralbank gerade, ein absolutes Tabu zu brechen und Staatsanleihen direkt anzukaufen. Damit wird, bildlich gesprochen, die Notenpresse direkt angeworfen. Am Ende einer solchen Entwicklung steht immerhohe Inflation.



Lüge 5: Ohne neue Steuern lässt sich das Budget nicht sanieren.

Die Wahrheit: Österreich hat in vielen Bereichen strukturelle Probleme, das Sparpotenzial ist hier selbst bei vorsichtigster Betrachtung wesentlich höher als der Konsolidierungsbedarf des Staates. Es ist allerdings leichter, mittels Neideffekts („die Reichen bzw. die anderen sollen zahlen“) Steuererhöhungen in der Bevölkerung durchzubringen, als gegen die Großverschwender in den eigenen Reihen (beispielsweise die Landeshauptleute) vorzugehen.



Lüge 6: Es geht wieder aufwärts, die Budgetprobleme lassen sich durch Wachstum lösen.

Die Wahrheit: Die Eurozone hat (nicht ganz ohne Grund) das langsamste Wachstum aller Weltregionen. Das wird die kommenden Jahre so bleiben. Um Arbeitslosenraten zu verringern und positive Budgeteffekte zu erzielen, ist ein Realwachstum von 2,5 bis drei Prozent erforderlich. Das wird die Eurozone in den nächsten Jahren mit Sicherheit nicht sehen.



Lüge 7: Der mindestens fünf Milliarden Euro teure Koralmtunnel ist Teil der total wichtigen transeuropäischen „Baltisch-Adriatischen Verkehrsachse“ und muss deshalb gebaut werden.

Die Wahrheit: Diese Verkehrsachse existiert nur in den Planspielen einiger Universitätsprofessoren, aber nicht in der Praxis. Der Eisenbahn-Güterverkehr in Osteuropa ist in den vergangenen Jahren dramatisch geschrumpft, Personenverkehr zwischen Polen und Italien gibt es auf dieser Achse praktisch nicht. Nicht einmal in Österreich: Von Wien nach Italien verkehrt derzeit pro Tag ein einziger durchgehender Zug. Das Milliarden-Prestigeprojekt dient also ausschließlich der Fahrzeitverkürzung zwischen Klagenfurt und Graz und wird deshalb, wie Wifo-Chef Karl Aiginger diese Woche bei einem Hintergrundgespräch sagte, nicht einmal in die Nähe der Auslastung kommen.



Lüge 8: Es ist egal, ob ein Unternehmen öffentliche oder private Eigentümer hat.

Die Wahrheit: Am Rande der Skylink-Affäre am Wiener Flughafen wurde bekannt, dass der Vorstand dieses zur Hälfte (20 Prozent Wien, 20 Prozent Niederösterreich, zehn Prozent Betriebsrat) in politischem Einfluss stehenden börsenotierten Unternehmens vor Vorstandssitzungen nach Parteien getrennte „Fraktionssitzungen“ unter Beiziehung von Landesparteisekretären abhält. Einmal ehrlich: Möchten Sie Aktien eines Unternehmens halten, dessen Geschäftspolitik von Provinz-Parteiapparatschiks vorgegeben wird?



Lüge 9: Agrarsubventionen dienen dazu, die klein strukturierte Landwirtschaft am Leben zu erhalten.

Die Wahrheit: Die Aktualisierung der Transparenzdatenbank zeigt: 80 Prozent der Agrarförderung gehen an die (Raiffeisen-dominierte) Lebensmittelindustrie, an große Gutshöfe und an Polit-„Nebenerwerbsbauern“ à la Gebrüder Scheuch. Gerade einmal ein Fünftel fließt dorthin, wo es wirklich gebraucht wird: zu den Kleinen.

Das ist auch der Grund, warum die Agrarförderung das breitflächige „Bauernsterben“ der vergangenen Jahrzehnte ganz klar nicht verhindern konnte.



Lüge 10: Die Banken sind saniert und machen wieder hohe Gewinne.

Die Wahrheit: Interessant ist nicht, was in den Bankbilanzen steht, sondern das, was man darin nicht findet: den ausgelagerten Schrott in den außerbilanziellen Zweckgesellschaften von Zypern bis Dublin. Der Inhalt solcher „Special Purpose Entities“ könnte der Grund dafür sein, warum es manche mit Fusionen gar so eilig haben.

Dienstag, 4. Mai 2010

Gold forecast

http://www.er.ethz.ch/fco/fbe_003.pdf

Montag, 3. Mai 2010

Geld

http://www.egon-w-kreutzer.de/Geld/Sammlung%20Geld.html