Freitag, 1. April 2011

Mongolia Stock xchange

tattliche Kursgewinne (das diesjährige Plus beträgt auch nach der Korrektur noch immer 63 Prozent), wie sie die mongolische Börse bis vor kurzem zu bieten hatte, locken viele Anleger magisch an. Das gilt auch für die Emittenten von Zertifikaten und deshalb war absehbar, dass es nicht lange dauern würde, bis entsprechende Produkte lanciert werden. Die Vorreiterrolle hat dabei jetzt die Royal Bank of Scotland übernommen.

Seit dem 30. März bietet sie das RBS Mongolia Opportunities TR Open End Index Zertifikat (Isin DE000AA3ACK6, Geld-/Briefspanne: 1,5 Prozent (unter normalen Marktbedingungen), Managementgebühr: 1,0 Prozent p.a.) an, das den RBS Mongolia Opportunities TR Index abbildet.
Lokal gelistete Aktien noch zu klein für ein Zertifikat


Wie es der Struktur der mongolischen Wirtschaft entspricht, besteht der von Standard & Poor's berechnete Index, der halbjährlich neu gewichtet wird, derzeit vorwiegend aus Aktien aus dem Rohstoffsektor. Konkret handelt es sich momentan um 9 Aktien aus dem Minensektor, die bei Auflegung auf Grundlage ihrer Marktkapitalisierung gewichtet sind. (siehe Grafiken) Diese Unternehmen erzielen mindestens 50 Prozent ihrer Umsätze in der Mongolei oder üben dort mindestens 50 Prozent ihrer geschäftlichen Tätigkeit dort aus.

Berücksichtigt werden ausschließlich Aktien, die über einen Tagesumsatz von umgerechnet 500.000 Dollar über die letzten drei Monate verfügen. Gleichzeitig muss die betreffende Aktie über eine Marktkapitalisierung von mindestens 100 Millionen Dollar verfügen, um sich für eine Aufnahme in den Index zu qualifizieren.

Beide Bedingungen sollen eine kontinuierliche Handelbarkeit sichern. Für lokal gelistete Unternehmen sind diese Hürden derzeit noch zu hoch. „Die mongolische Börse gehört zu den kleinsten der Welt. An einem guten Tag werden dort 100.000 Dollar gehandelt und das wird keinen Liquiditätsanforderung für ein Zertifikat gerecht“, gibt Kemal Bagci vom Emittenten RBS zu bedenken. „Der Index ist aber so konzipiert, dass er halbjährlich Unternehmen, die die Aufnahmekriterien erfüllen, aufnehmen kann. So können lokal gelistete Unternehmen, die in Zukunft diese Kriterien erreichen, in den Index einziehen. Und weil die Regierung in der Zukunft verstärkt privatisieren will, kann das durchaus passieren.“
Rohstoffreichtum verspricht hohe Wachstumsraten

Viele Anleger werden aber ohnehin gerade durch den Rohstoffreichtum des Landes angelockt. So gesehen passt die Struktur des Zertifikats zu den Vorlieben der Marktteilnehmer. Bei den Kohlevorkommen dürfte das Land beispielsweise mit geschätzten 22,3 Milliarden Tonnen an nachgewiesenen Reserven weltweit auf Rang zehn liegen. Daneben gibt es unter anderem auch reichlich Gold, Silber, Kupfer, Blei, Eisenerz, Molybdän und Uran.

Alleine die Tavan Tolgoi Mine soll mit Kohlereserven von 6,4 Milliarden Tonnen das weltgrößte unerschlossene Kokskohlevorkommen beherbergen. Und auch auf der westlichen Seite des Gebietes schlummert in der Oyu Tolgoi Mine ein Kohleschatz. Mit der Produktionsaufnahme wird hier 2012 gerechnet und die Betreiber prognostizieren, dass ihre Betriebsstätte 2020 rund 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen wird.

Das sind Assets von unschätzbarem Wert, besonders wenn man wie die Mongolei an das rohstoffhungrige China angrenzt. Nicht wenige Experten hoffen vor diesem Hintergrund auf ein Wirtschaftswunder. In diesem Jahr hält beispielsweise der IWF eine Zuwachsrate von mehr als 10 Prozent für möglich.

Doch damit nicht genug: Geht es nach den Verantwortlichen ist alles das nur der Auftakt für ein goldenes Jahrzehnt. So hat das Nationale Entwicklungs- und Innovations Komitee eben erst für die Periode von 2013 bis 2021 ein durchschnittliches Plus für das Bruttoinlandsprodukt von 15,8 Prozent prognostiziert. Diesen Optimismus teilt auch Temuulen Munkhbaatar von Eurasia Capital: „In diesem Jahr dürfte ein Jahrzehnt mit zweistelligen prozentualen Wachstumsraten eingeleitet werden. Wir sehen die Mongolei in der nächsten Dekade weltweit unter den drei am stärksten wachsenden Volkswirtschaften.“
Risiken nicht vergessen

Das sind natürlich Perspektiven, die dafür sprechen, das auf dem Radarschirm zu haben. Allerdings sollte bei allen viel versprechenden Wachstumsperspektiven auch nie die Risiken ausgeblendet werden. So bleibt unter anderem abzuwarten, wie es dem armen und mit rund 3 Millionen Einwohnern dünn besiedelten Land gelingen wird, mit dem erwarteten Reichtum umzugehen.

Zudem gibt es mit einer in diesem Jahr vermutlich auf 20 Prozent steigenden Inflation auch volkswirtschaftliche Klippen zu umschiffen. Zudem gilt es zu bedenken, dass viel spekulatives Kapital mit an Bord ist, was wie zuletzt demonstriert volatile Kursausschläge in beiden Richtungen bewirken kann. Einsteigen sollte man außerdem erst dann, sobald sich abzeichnet, dass die jüngst eingeleitete Kurskorrektur tatsächlich ausgestanden ist.

Keine Kommentare: