Zeit für längerfristige Anlage in Aktien ist nicht gekommen
Dass die Finanzwerte nun wieder zu Lieblingen der Aktionäre werden, erwarten Marktbeobachter jedoch nicht. „Die Bankaktien sind eineinhalb Jahre gefallen wie ein Stein, da kann es auch einmal kräftige Zwischenerholungen geben“, sagt Roland Ziegler, Aktienstratege der BHF-Bank. Von einer Trendumkehr sei nichts zu sehen. „Eine Citigroup-Aktie hatte bei einem Dollar das Niveau einer Option erreicht“, sagt Ziegler. „In solchen Regionen kann sich ein Kurs auch schnell mal verdoppeln.“
Für eine längerfristige Geldanlage in Aktien sieht Ziegler die Zeit jedenfalls noch nicht gekommen: „In einem Umfeld, in dem noch so viele unkalkulierbare Risiken lauern, ist es die bessere Strategie, sein Pulver noch trocken zu halten, bis etwas mehr Klarheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung herrscht.“ Ziegler rät daher, defensive Sektoren wie Telekommunikation oder Energie noch überzugewichten. Sobald jedoch wieder etwas mehr Stabilität in die Märkte komme, seien Industrietitel und Minenaktien wieder interessant.
Kopplung an Rohstoffpreise empfohlen
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Auch Gerhard Schwarz, Aktienstratege der Unicredit, sieht in Finanzwerten keine attraktive Geldanlage: „Der Großteil der Kurserholung bei Bankaktien dürfte bereits vorbei sein - und wir sind angesichts einer Vielzahl weiterhin ungelöster Probleme sicherlich weit davon entfernt, diesen Sektor überzugewichten.“ Stattdessen bevorzugt er Branchen, deren Aktienkurse meist besondes stark zulegen konnten, wenn die Rohstoffpreise gestiegen sind, wie zum Beispiel die Chemieindustrie.
Vermögensverwalter Georg Thilenius sieht für Bankaktien nach dem Kursfeuerwerk ebenfalls keine ansprechende Perspektive. „Die Banken müssen sich in ihrem Kerngeschäft erst regenerieren und überzeugend darlegen, wie sie künftig Geld verdienen wollen“, sagt Thilenius. „Eine Deutsche Bank hat zwei Drittel ihrer Gewinne im Investmentbanking erzielt, das wird so schnell nicht wiederkommen.“ Unter den Finanzwerten räumt er eher Versichereraktien wegen ihres stabilen Kerngeschäfts gute Perspektiven ein.
Dr. Copper - Trends sechs Monate im Voraus
Generell sieht der Vermögensverwalter die Aktienmärkte unter gelegentlichen Rückschlägen aber wieder steigen. „Die Amerikaner nennen Kupfer Dr. Copper, weil es konjunkturelle Wendepunkte rund sechs Monate im Voraus schon anzeigt“, sagt Thilenius. „Seit dem Jahresbeginn steigen die Notierungen wieder.“ Als Favoriten am Aktienmarkt nennt er unter anderen BASF und Bayer: „BASF profitiert als führender Anbieter in China vom dort weiter überdurchschnittlichen Wachstum und weist eine Dividendenrendite von 8 Prozent auf.“ Auch Bayer sei in Zukunftsbranchen wie Pharma und Saatgut ausgezeichnet aufgestellt. Zyklische Unternehmen wie die Hersteller von Autos, Maschinen oder Stahl sieht Thilenius noch nicht wieder als attraktive Geldanlage an: „Solange das Ende der Krise nicht in Sicht ist, würde ich von diesen Aktien die Finger lassen.“
Am Mittwoch setzte sich der Ansturm auf die Finanzwerte fort. So legte der Kurs der Commerzbank-Aktie nochmals um bis zu 18 Prozent zu, derjenige der Hypo Real Estate um 15 Prozent. Wie bei allen Finanztiteln ist die Erholung jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Im Jahresvergleich liegt die Commerzbank-Aktie mit einem Wertverlust von 80 Prozent an letzter Stelle im Dax; Hypo Real Estate geht es mit einem Verlust von 92 Prozent im M-Dax genauso.
Donnerstag, 26. März 2009
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