Das scheint auch die Mehrheit an der Börse so zu sehen. Denn trotz der jüngsten Turbulenzen fließt Aktienprodukten viel Geld zu. Seit Anfang 2011 verzeichnete zum Beispiel ein Exchange Traded Fund (ETF) auf den S&P 500, der iShares S&P 500 aus dem Hause Blackrock, Nettomittelzuflüsse von mehr als einer Milliarde Dollar. Damit bündelt der Fonds nun 9,2 Milliarden Dollar und ist größter ETF Europas. Für diese Zuversicht lassen sich gute Gründe finden.
Mehr Aktien aus Europa, weniger aus Schwellenländern
Europäische Aktien zum Beispiel hätten hervorragende Aussichten, sagte William Davies erst im Februar. Er verantwortet die Verwaltung europäischer Aktien bei Threadneedle. Und dabei schaut er nicht nur auf die Aktien deutscher Exportunternehmen, bislang die Standardantwort auf die Frage nach den Profiteuren der Krise. "Wir beabsichtigen, uns zunehmend auf Unternehmen zu konzentrieren, die von einer starken Binnennachfrage in den wachstumsstärkeren Ländern der Eurozone - Deutschland und die nordischen Länder - profitieren werden. So dürfte Metro Chart zeigen aus der wachsenden Inlandsnachfrage Kapital schlagen können, da das zunehmende Konjunkturvertrauen die deutschen Konsumenten spendabler werden lässt."
Gregor Hirt vom Konkurrenten Schroders ergänzt: "Verglichen mit dem Rest der Welt haben wir unseren relativen Anteil deutscher und europäischer Aktien erhöht, besonders im Vergleich zu den Emerging Markets."
Die Risiken sind natürlich da. Auch Davies sieht sie - zum Beispiel die Verschuldung einiger Euro-Länder. "Während der ersten sechs Monate in diesem Jahr dürften sich die Anleger wieder auf die Staatsverschuldung konzentrieren. Sowohl Regierungen als auch Banken der Peripherieländer werden Neuemissionen platzieren. Allerdings könnten die Zweifel über die Eurozone durchaus nachlassen und der Ausblick für die europäischen Volkswirtschaften dürfte sich deutlich verbessern, sollten diese Neuemissionen in der ersten Jahreshälfte 2011 auf ein positives Echo stoßen."
"Giftiger Coctail" für die Märkte
Auch beim Thema Öl schauen Anleger nun genauer hin. "Wir bewegen uns auf einen Kipppunkt zu", schreibt GAM-Mann McNamara. "Es gibt eine weit verbreitete Meinung, dass ab einem Preis von 120 Dollar je Barrel der Punkt erreicht ist, wo Öl eine deflationäre Kraft entfalten kann, weil es das Wachstum belastet. Und historisch ist es so, dass in jenen Fällen, in denen sich ein Ölpreis, der sich in acht Monaten verdoppelt hat - so wie jetzt - dazu neigt, ein Indikator für eine Rezession zu sein."
Einen "giftigen Cocktail" nennt Marktstratege David Buik von BGC Partners die Unruhen in Libyen auf der einen und die europäische Schuldenkrise auf der anderen Seite.
Es klingt alles so gar nicht nach einem Wachstumsszenario für Aktien. Nur - was sind die Alternativen? "Die Dividendenrendite von Aktien liegt immer noch deutlich über der Anleihenrendite", sagt de Jörg de Vries-Hippen, bei RCM für die europäischen Aktien zuständig. Und solange die Aktienmärkte liquide bleiben, dürften sie für viele Anleger derzeit erste Wahl bleiben. Nicht unbedingt aus Überzeugung - aber all das Geld, das Pensionskassen und Fonds eingesammelt haben, muss ja irgendwo angelegt werden. Die Aktie scheint da wie der Einäugige unter den Blinden.
Sonntag, 13. März 2011
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