Freitag, 17. September 2010
Palladium
Platin – die meisten Menschen kennen es, denn während sich die Damen an dem edlen Metall in Form von kostbaren Schmuckstücken erfreuen, fördern die Herren der Schöpfung die Nachfrage eher indirekt durch ihre Liebe zu Autos. Die Automobilbranche steht nämlich für nahezu die Hälfte der gesamten Nachfrage nach dem edlen Metall, dass aufgrund seiner Beschaffenheit äußerst geeignet für die Herstellung von Autokatalysatoren ist. Doch mit aktuell um die 1570 US-Dollar je Feinunze ist Platin aufgrund knapper Vorkommen und relativ aufwendiger Methoden zur Förderung das mit Abstand teuerste der vier Edelmetalle. Gut also, dass es eine "kleine Schwester" hat – das Edelmetall Palladium. Chemische Ähnlichkeiten und ein wesentlich günstigerer Preis ermöglichen die Substitution des einen Metalls durch das andere und führen dazu, dass Palladium dem Schwesternmetall mittlerweile mächtig Konkurrenz zu machen scheint. Das silbrig glänzende Metall wurde erstmalig 1803 von dem englischen Arzt und Chemiker William Hyde Wollaston entdeckt. In Anlehnung an den Planetoiden Pallas, der im vorangehenden Jahr entdeckt und nach der griechischen Göttin Pallas Athene benannt wurde, erhielt das Edelmetall seinen Namen Palladium. Auch wenn es häufiger als Gold und Platin vorkommt, ist Palladium stets ein sehr seltenes Metall. Es wird vorwiegend als Nebenprodukt der Platin-, Nickel- und Kupferproduktion gewonnen, wobei Russland, als das weltgrößte Förderungsgebiet, für ungefähr 50 Prozent der globalen Produktion verantwortlich ist und die internationale Angebotsseite somit erheblich dominiert. Topthema Da Edelmetallanleger während der Rezession der letzten Jahre vor allem das traditionsreiche Gold oder das relativ erschwingliche Silber präferierten, erlitt Palladium Ende 2008 starke Kurseinbrüche. Insbesondere die Krise der Automobilindustrie wirkte sich außerdem negativ auf den Preis von Palladium aus, denn ähnlich wie die "große Schwester" finden auch bei Palladium ungefähr 60 Prozent der Gesamtproduktion in der Automobilbranche ihre Verarbeitung. Ende 2008 fiel der Preis pro Feinunze unter anderem vor diesem Hintergrund auf unter 170 US-Dollar. Seit 2009 verfolgt die Platinschwester jedoch vorwiegend einen Aufwärtstrend, so dass Palladium aktuell wieder bei knapp über 550 US-Dollar notiert. Ob sich der Preisanstieg weiter fortsetzt und Palladium es vielleicht sogar irgendwann schafft, seiner "großen Schwester" die Position streitig zu machen, gilt es abzuwarten. Auszuschließen ist es nicht, denn bereits 2001 war das Edelmetall das teuerste unter den vieren, als es erstmalig innerhalb der Gruppe die 1000 US-Dollar Marke durchbrechen konnte.
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2 Kommentare:
http://mobil.derstandard.at/Kursinfo/WertpapierDetail.aspx?InstrumentId=334514
Das Anlegerinteresse an Edelmetallen untermauern auch folgende Zahlen: So stieg die weltweite Goldnachfrage im zweiten Quartal dieses Jahres um fast ein Drittel, wie DekaBank-Expertin Dora Borbely in einer Studie schreibt. Nicht nur die Gold-Nachfrage börsengehandelter Fonds (ETF) ist derzeit stark, sondern auch das Interesse an Goldbarren und Münzen - vor allem in Deutschland. Die Nachfrage der Deutschen nach Barren und Münzen stieg im zweiten Vierteljahr weltweit am stärksten, wie Borbely unterstreicht.
Für den hohen Silberpreis gibt es weitere Gründe - wenngleich Silber als "günstige Alternative zu Gold" auch im Schlepptau seines "großen Bruders" gestiegen ist, wie es bei der Commerzbank heißt. Allerdings resultiert mehr als die Hälfte der Silbernachfrage nicht aus Anlagemotiven, sondern aus der Produktion: Aufgrund seiner starken Leitfähigkeit ist Silber bei der Herstellung vieler Elektronikprodukte nicht mehr wegzudenken. Als preistreibender Faktor gilt vor allem der große Rohstoffhunger Chinas, auch "Werkbank der Welt" genannt.
Dass der Preisschub bei Gold und Silber bald abebbt, halten Experten für sehr unwahrscheinlich. Nicht zuletzt die weltweit rekordniedrigen Zinsen sprechen dafür, dass Anleger noch lange nach Alternativanlagen wie Edelmetallen suchen werden. Die US-Notenbank hatte unlängst sogar neue konjunkturstützende Maßnahmen in Aussicht gestellt. Dies dürfte bestehende Sorgen vor einer langfristig hohen Inflation nicht gerade mildern, wie auch die Großbank UniCredit herausstellt. Gold und Silber gelten seit jeher als Inflationsschutz. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis Gold die Marke von 1.300 Dollar reißt und Silber seinen Höchstpreis während der Finanzkrise von gut 21 Dollar überspringt.
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