Mittwoch, 1. September 2010

Dollar oder Franken

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«Der Dollar wird weiter an Wert verlieren»
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert um 15:28 Uhr 13 Kommentare

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Nicht nur gegenüber dem Euro, auch gegenüber dem Dollar legt die Schweizer Währung immer mehr zu. Vieles spricht dafür, dass der Dollar bald weniger als einen Franken kostet.
Kein sicherer Hafen: Auch der US-Dollar stürzt gegenüber dem Schweizer Franken ab.

Kein sicherer Hafen: Auch der US-Dollar stürzt gegenüber dem Schweizer Franken ab.
Bild: Eric Allie, Caglecartoons.com
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Der Kurs des Schweizer Frankens zum Euro macht erneut Schlagzeilen. Der Franken erreicht gegenüber der Gemeinschaftswährung praktisch täglich historische Höchstwerte. Im Windschatten dieser Entwicklung ist das Verhältnis zur anderen für die Schweiz besonders wichtigen Währung fast etwas in den Hintergrund getreten: Jenes zum US-Dollar. Auch hier zeigt sich ein scheinbar unaufhaltsamer Wertanstieg des Frankens. Momentan kostet ein Dollar noch leicht mehr als 1.01 Franken. Im November vor einem Jahr war er sogar schon leicht billiger als 1 Franken. Bis zum Juni ist die US-Währung dann allerdings wieder auf einen Preis von beinahe 1.17 Franken angestiegen.

Der Zerfall des Dollarkurses gegenüber dem Franken seither ist vor allem deshalb dramatisch, weil er die Probleme der Schweizer Exporteure massiv verschärft. Der Dollarkurs hat nicht bloss Bedeutung für die Exporte in die USA, sondern auch für jene nach Asien und den nahen Osten. Grund: Die dortigen Länder haben ihre Währungen mehr oder weniger stark an den Dollar gebunden. Die Dollarschwäche gegenüber dem Franken verteuert Schweizer Produkte daher zum Beispiel auch in China.

Alles spricht gegen den Dollar

Der Chef-Währungsanalyst der UBS, Thomas Flury, rechnet mit einer noch schwächeren US-Währung gegenüber dem Franken: «Alles spricht dafür, dass der Dollar weiter an Wert verlieren wird», sagt Flury. Der Analyst erwartet ab Jahresbeginn 2011, dass der Dollar einen Wert von weniger als einem Franken aufweisen wird. Nur kurzfristig könnte sich die US-Währung gegenüber dem Euro zwischenzeitlich leicht erholen: wegen zu erwartenden Streiks in Südeuropa infolge der harten Sparmassnahmen. Im Schlepptau würde sich der Dollar auch gegenüber dem Franken leicht aufwerten.

Für einen künftig wieder stärkeren Dollar werden von einigen Analysten dagegen Ängste vor einem erneuten Absturz in die Rezession angeführt. Sie verweisen darauf, dass der Dollar, ähnlich wie der Schweizer Franken, die Funktion eines sicheren Hafens einnimmt. Thomas Flury hält davon nicht viel. Dass der Dollar bei aufsteigender Unsicherheit gegenüber dem Euro jeweils zugelegt hat, liegt laut dem Währungschef der UBS mehr am Euro als am Dollar. Wegen der grundsätzlichen Exportstärke der Europäer profitiere deren Gemeinschaftswährung besonders stark von Aufhellungen der Weltkonjunktur und umgekehrt.

Die Chinesen wenden sich immer mehr von der US-Währung ab

Bei bisherigen Kursstürzen des Dollars haben vor allem die Chinesen und die Japaner alles getan, um die US-Währung wieder zu stützen. Denn auch ihre Konjunktur hängt noch immer zu einem grossen Teil von den Exporten ab. Ein fallender Dollar macht diese Exporte in die USA teurer. Doch die Zeichen mehren sich, dass diese Stütze des Dollars auslaufen wird. Laut einer Reuters-Meldung von gestern investieren die Chinesen bereits jetzt immer weniger in Dollars und damit letztlich in Staatsanleihen der USA, dafür immer mehr in die Staatspapiere Japans. Dies obwohl die Langfristzinsen in Japan mit rund 1 Prozent weit tiefer liegen als in den USA mit rund 2,5 Prozent.

Die Chinesen halten gemäss der Meldung, die sich auf einen Think-Tank der Regierung bezieht, die Staatsfinanzen Japans für weniger gefährdet, als jene der USA. Dies obwohl die japanische Staatsschuld gemessen am Bruttoinlandprodukt mehr als doppelt so hoch ist wie jene der USA und zu den höchsten weltweit zählt. Doch die Schuld des japanischen Staates besteht zu 95 Prozent gegenüber den Japanern. Bei den USA liegt ein Drittel der Schulden in ausländischen Händen. Die Chinesen werden dem Dollar und den Amerikanern nicht den Rücken zukehren, dennoch mischen sie ihre Karten allmählich neu. Das genügt, um den Dollar weiter unter Druck zu setzen.

Der Franken bleibt das Gold der Währungsmärkte

Druck auf den Dollar üben auch die erwarteten Zinsentwicklungen aus. So hat die US-Zentralbank deutlich gemacht, dass sie angesichts einer Arbeitslosigkeit von fast 10 Prozent die Leitzinsen noch länger nicht anheben wird. Anders sieht es in Europa aus. Dort wird zwar ebenfalls eine Wachstumsabschwächung erwartet, dennoch glauben die meisten Marktbeobachter, dass die europäische Zentralbank (EZB) und die Schweizer Nationalbank (SNB) die Zinsen früher als die Amerikaner erhöhen werden.

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