Freitag, 6. Januar 2012

Gold ? - FAZ

Investoren klammern sich ans Gold

Dies spornt die Notenbanken vor allem der Schwellenländer an, einen größeren Teil ihrer Reserven von Staatsanleihen in Gold umzuschichten, ihre Goldreserven also aufzustocken. Die Krise in der Währungsunion und die Unfähigkeit der amerikanischen Administration, die Fiskalpolitik der Vereinigten Staaten zu konsolidieren, beschleunigen diesen Prozess. Und solange Investoren fürchten, dass es ein - wenn auch geringes - Restrisiko gibt, dass die Währungsunion durch eine Welle von unkontrollierten Zahlungsausfällen von Staaten, Banken und Unternehmen auseinanderbrechen könnte, klammern sich Investoren erst recht an Gold.

Russland, Bolivien, Kasachstan, Thailand, Südkorea, Weißrussland, die Türkei, Tadschikistan, Makedonien, Mauritius und Marokko haben ihre Goldreserven im vergangenen Jahr erhöht oder signalisiert, dass sie ihre Goldreserven weiter aufstocken könnten. Im vergangenen Jahr haben Notenbanken 349 Tonnen Gold gekauft, mehr als vom Markt erwartet.

Goldpreis könnte weiter steigen

„Angesichts der expansiven Geldpolitik könnte der Goldpreis in den kommenden zwölf Monaten sogar kurzfristig auf ein Niveau von 2000 bis 2500 Dollar je Feinunze steigen“, meinten Analysten von Bank of America Merrill Lynch. Der Silberpreis indessen werde nicht entsprechend zulegen. Der Rekordpreis von fast 50 Euro im vergangenen Jahr sei die Folge unbändiger Spekulationen gewesen, ein Preis von etwa 30 Dollar jedoch fundamental gerechtfertigt, heißt es bei der amerikanischen Investmentbank.

Die Prognose könnte bedeuten, dass das Gold-Silber-Verhältnis von derzeit Faktor 56 weiter steigt (siehe Grafik). Das Verhältnis liegt indessen noch weit unter Faktor 83 von Ende 2008, als der Goldpreis wegen der Finanzkrise bereits rasant zulegte, dem Silber seine Aufholjagd jedoch noch bevorstand. Der Preisanstieg von Silber ließ das Preisverhältnis beider Edelmetalle dann bis Mai 2011 auf ein vorläufiges Tief von 32 fallen.




Angesichts der Nervosität am Markt und der für die Märkte gewichtigen politischen Entscheidungen ist es für Anleger schwer einzuschätzen, wann die glänzende Zeit für Gold vorbei sein könnte. Manche Investoren schwören, sich auf Jahre nicht von ihren Beständen trennen zu wollen. Aber wenn die Regierungen mehr tun, um das Wachstum ihrer Volkswirtschaften anzukurbeln, und wenn sich mittelfristig die Inflation tatsächlich beschleunigen sollte, könnte Gold an Attraktivität verlieren. Mit steigenden Zinsen gewinnen andere Anlageklassen an Attraktivität, und der Investor muss höhere Opportunitätskosten mit seinen Gold-Investments schultern.

„Gold ist wahrscheinlich eines der besten Investments in Zeiten des Vertrauensverlustes in Staaten und Finanzinstitute sowie bei zunehmender Besorgnis angesichts der expansiven Geldpolitik rund um den Globus“, heißt es bei dem Vermögensverwalter MAN Group. Wenn es aber erst zu Inflation komme, seien andere Vermögens- und Rohstoffpositionen interessanter. JP Morgan erwartet, dass der Goldpreis ab dem zweiten Quartal nicht weiter steigt.

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