Montag, 2. Januar 2012

Aktien ?? (DEr Spiegel)

Tatsächlich gibt es einige gute Gründe, derzeit auf Aktien zu setzen.


■Es gibt kaum lohnende Alternativen. Weltweit liegen die Zinsen auf einem historisch extrem niedrigen Niveau. Zinsabhängige und zugleich als sicher wahrgenommene Anlagen wie Bundesanleihen, US-Staatsanleihen, Festgeld oder Tagesgeldkonten werfen deshalb nur mickrige Renditen ab, die oft unter der Inflationsrate liegen. Anleihen anderer Länder wie Italien oder Spanien bieten zwar höhere Zinsen, allerdings gilt die Rückzahlung des Geldes zunehmend als unsicher.
■Aktien sind Sachwerte - und die sind in unsicheren Zeiten besonders gefragt. Anders als Staatsanleihen oder andere Schuldverschreibungen haben Aktien einen reellen Gegenwert, der Aktionär ist Teilhaber des jeweiligen Unternehmens. Solange das Unternehmen besteht, wird die Aktie also nie ganz wertlos. Viele Experten raten deshalb, auf große, international tätige Konzerne zu setzen, die auch größere Krisen überstehen können.
■Aktien sind vergleichsweise billig. Als wichtigste Kennzahl an der Börse gilt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es setzt den aktuellen Aktienkurs in Verhältnis zum erwarteten Jahresgewinn. Historisch betrachtet weisen die meisten Dax-Aktien derzeit sehr günstige Werte auf. Die Autobauer BMW , Daimler und Volkswagen etwa kommen alle auf ein KGV von unter sieben, auch der Energiekonzern RWE und die Deutsche Bank erscheinen demnach sehr günstig bewertet. Dieser Eindruck bestätigt sich, wenn man auf das Verhältnis des Aktienkurses zum sogenannten Buchwert schaut, also dem Wert aller Vermögensgegenstände des jeweiligen Unternehmens: Abgesehen von BMW haben alle genannten Unternehmen ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von weniger als eins. Das heißt: Würde man das gesamte Firmenvermögen verkaufen, bekäme man mehr Geld dafür, als der gesamte Konzern derzeit an der Börse wert ist.
■Aktien werfen auch bei stagnierenden Kursen Gewinne ab. Einige Papiere können sich sogar bei leicht sinkenden Preisen rentieren. Grund ist die Dividende, also die jährliche Gewinnausschüttung an die Aktionäre. Einige Konzerne geben derzeit extrem große Teile an die Anteilseigner weiter. In Deutschland etwa kann man so mit Aktien von RWE 7,6 Prozent pro Jahr verdienen. Auch E.on, die Deutsche Telekom und der Rückversicherer Munich Re liefern Dividendenrenditen von mehr als fünf Prozent - vorausgesetzt die Ausschüttung bleibt so hoch wie sie ist.
■Krisenjahre sind gute Jahre für Aktien. Das klingt zwar paradox, stimmt aber meistens. Aktienkurse sind Frühindikatoren, sie eilen der Konjunkturentwicklung voraus. Zwischen Anfang Januar und Mitte September 2011 ist der Dax um mehr als ein Viertel eingebrochen. Das kann als Vorbote einer leichten Rezession gesehen werden, die einige Ökonomen für Anfang 2012 erwarten. Im Rezessionsjahr selbst könnte es dagegen wieder nach oben gehen. So war es jedenfalls in der Vergangenheit häufig: 2009 etwa schrumpfte die deutsche Wirtschaft um fünf Prozent. Der Dax legte im gleichen Zeitraum um knapp 24 Prozent zu. 2003 betrug das Minus beim Bruttoinlandsprodukt 0,4 Prozent, der Dax stieg um mehr als 30 Prozent. Ähnlich verlief es in den Jahren 1993, 1982 und 1975.


All diese Gründe sprechen dafür, dass 2012 ein gutes Jahr für Aktien wird. Doch es gibt natürlich auch viele Risiken: Was, wenn aus der milden Rezession eine schwere Depression wird? Was, wenn die Euro-Zone auseinanderbricht oder die chinesische Immobilienblase mit einem lauten Knall platzt? Dann fallen die Gewinnerwartungen der Unternehmen schneller als das Laub im Herbst - und aus günstigen Schnäppchen werden überteuerte Aktien, die keiner mehr haben will.

Sicherheitshalber haben viele Analysten solche Szenarien dieses Mal in ihre Prognosen aufgenommen. Die Landesbank Hessen-Thüringen etwa sieht eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent, dass der Dax unter die Marke von 4000 Punkten fällt. Auch Folker Hellmeyer möchte auf den schlimmsten Fall vorbereitet sein. Festlegen will er sich allerdings lieber nicht: Wenn die Euro-Zone zerfällt, weiß der Experte, drohe ein "nicht quantifizierbares Abwärtsrisiko".

Keine Kommentare: