Wien. Die Preise vieler Rohstoffe kannten monatelang kein Halten. Solange die Schwellenländer wachsen, werde der Aufschwung bei den Rohstoffen auch weiter anhalten, sagen Experten. Am besten, man kaufe alles ein, was China in den nächsten Jahren braucht, wird etwa der US-Starinvestor Jim Rogers nicht müde zu sagen. Sein börsegehandelter Indexfonds Jim Rogers International Commodity Index ETF (ISIN: LU0249326488), mit dem mehrere Rohstoffe abgebildet werden, legten im Vorjahr auch deutlich zu.
Eines ist aber auch klar: Nicht alle, die Rohstoffe kaufen, verarbeiten es. Je mehr Geld von spekulativen Investoren in Rohstoffe fließt, desto größer sind Preisschwankungen und desto größer ist die Gefahr einer Blase. Die Termingeschäfte auf den US-Rohstoffbörsen erreichten zuletzt ein Volumen, das größer als zum Höhepunkt der Rohstoffblase des Jahres 2008 war.
Davon sind auch die Edel- und Industriemetalle betroffen. Das heißt aber nicht, dass Investments in bestimmte Metalle uninteressant sind – obwohl deren Preise seit Jahresanfang etwas zurückgingen.
•PALLADIUM
Ein Geheimtipp unter vielen Experten. Zwar legte der Palladium-Preis bereits seit Anfang 2010 um 100Prozent zu und liegt bei 820 Dollar je Feinunze. Dabei trieben börsegehandelte Indexfonds die Nachfrage ordentlich an. Bei Palladium muss man sich aber keine Sorgen um die industrielle Nachfrage machen. Das Metall wird bei Autokatalysatoren verwendet und ist noch deutlich billiger als das „Konkurrenz“-Metall Platin.
Da der Bedarf nach Autos in den Schwellenländern ungebrochen hoch ist, könnte der Boom der Autoindustrie weiter anhalten – was dem Palladium-Preis nur gut tun würde und wovon auch die privaten Anleger profitieren könnten.
Aktie: Eine der größten Palladium-Minen ist die kanadische North American Palladium. Die Aktie legte im Vorjahr im Gleichschritt mit dem Palladium-Preis stark zu.
Exchange Traded Commodities(ETC): Das börsegehandelte Palladium-Wertpapier der ETF Securities (DE000A0N62E5) konnte den Palladium-Preis zuletzt eins zu eins abdecken.
•GOLD
Das gelbe Edelmetall ist die Krisenwährung schlechthin. Der Preis legt dann zu, wenn Finanzkrisen, Staatspleiten oder hohe Inflationsraten befürchtet werden.
Zuletzt ging der Goldpreis aber auf 1347 Dollar je Unze zurück. Dass der Preis schon in den nächsten Tagen wieder rasant ansteigt, wird von einigen Experten bezweifelt. Das erste Quartal ist immer ein schwächeres für den Goldpreis; die Angst vor einer Zuspitzung der Schuldenkrise hat nachgelassen; bessere Konjunkturdaten treiben die Anleger in riskantere Anlagen. Der Charttechniker Wieland Staud hat erst kürzlich vor einer größeren Korrektur des Goldpreises gewarnt. Sollte der Kurs auf 1319 Dollar abstürzen, könnte der Preis daraufhin weiter auf zumindest 1250 Dollar oder darunter fallen.
Ein positives Signal für das Edelmetall gab es jedoch am Freitag. Der weltweit größte Goldfonds, SPDR, erhöhte seinen Goldbestand um 20 Tonnen, weil die Investoren wohl aus Sorgen über eine höhere Inflation Geld in den Fonds steckten. Im vierten Quartal hatten zahlreiche Anleger Kapital abgezogen, woraufhin SPDR die Goldbestände reduzieren musste. Die meisten Investoren sind beim Gold noch immer optimistisch eingestellt, wie Daten von Bloomberg zeigen. Die meisten Futures-Kontrakte für Dezember werden zu einem Ausübungspreis von 1500 Dollar gehandelt.
Für jene, die in Folge des gefallenen Goldpreises antizyklisch investieren wollen, bieten sich einige Möglichkeiten:
Aktie: Der Kurs des großen US-Goldproduzenten Newmont Mining hat die Goldrallye im Vorjahr nicht ganz mitgemacht. Das könnte die Aktie für Investoren attraktiver machen.
Zertifikat: Das Goldzertifikat der Barclays Capital (DE000BC0GLD2) bildet den Preis des Edelmetalls ab. Dementsprechend nahm auch der Wert des Zertifikats zuletzt ab.
•SILBER
Anders als Gold hat Silber auch eine industrielle Verwendung. Das Edelmetall profitiert daher nicht nur von Unsicherheiten auf den Finanzmärkten. Zieht die Konjunktur an, nimmt die Nachfrage aus der Industrie zu.
Früher war der Silbermarkt noch von zwei Banken – JP Morgan Chase und HSBC – dominiert. Die beiden Geldhäuser müssen sich mittlerweile vor Gericht verantworten, weil sie regelmäßig den Preis manipulativ gedrückt haben sollen. Damit soll es aber bald vorbei sein. Ein Indiz dafür ist, dass die Banken ihre Short-Positionen bereits abbauen. Das wirkt sich tendenziell positiv auf den Preis aus.
Trotz des rasanten Preisanstieges auf mittlerweile 27 Dollar je Unze sind die meisten Analysten von einem weiteren Höhenflug überzeugt – so auch der US-Assetmanager Astor, der ein Volumen von 570 Mio. Dollar verwaltet. Zehn Prozent dieses Geldes wurden früher im Goldfonds SPDR veranlagt. Nun setzen die Astro-Strategen lieber auf Silber und Kupfer.
Worauf die Anleger beim Silber aber aufpassen sollten: Viele Hedgefonds haben das Potenzial für das „kleine“ Edelmetall bereits erkannt, die spekulativen Investments haben in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen.
ETC: Auf einen steigenden Silberpreis kann man etwa mit dem Silber-ETC von ETF Securities (DE000A0N62F2) setzen.
Silbermünze: Ein Silber-Philharmoniker der Münze Österreich kostet derzeit rund 28Euro. Steigt der Silberpreis, gewinnt auch die Münze an Wert.
•BREITER GESTREUTE
ROHSTOFF-INVESTMENTS
Wem es zu riskant ist, in einzelne Rohstoffe zu investieren, der kann das Geld auch in Zertifikate stecken, die etwa mehrere Metalle abdecken. In Österreich bietet die Raiffeisen Centrobank einen Edelmetall-Korb (Indexzertifikat, AT0000489406) an, der sich aus Gold, Silber, Platin und Palladium zusammensetzt (wobei die Bestände für Silber und Palladium zuletzt aufgestockt wurden). Derzeit kann man ein Zertifikat um knapp 26 Euro kaufen. Für den Anleger fällt nur der Spread als Kosten an, der aktuell 0,5Prozent ausmacht. Aufpassen sollte man aber auf mögliche Rollverluste (siehe Tipps oben, Anm.).
Es gibt auch aktiv gemanagte Fonds, die in Anteile von Rohstoffunternehmen investieren. Diese Fonds sind teurer, die Fondsmanager können die Anleger aber vor großen Einbrüchen oft auch nicht schützen. Das verdeutlicht etwa der Aktienfonds Carmignac Commodities, der während der Finanzkrise um 60Prozent einbrach.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01
Dienstag, 25. Januar 2011
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