Freitag, 29. Juli 2011
Ratschlag f. Krisenbewältigung
Dirk Müller: Ich vertraue in diesen Tagen im Wesentlichen auf Realwerte wie Edelmetalle und starke Aktien – gern Unternehmen mit langfristig hoher Dividendenrendite. Wenn der Sturm wieder besonders ungemütlich wird, sichere ich diese Positionen kurzfristig mit Optionsstrategien, also dem Kauf klassischer Verkaufsoptionsscheine, gegen Kurseinbrüche ab. In diesen Zeiten ist das die ideale Strategie. Wenn weiterhin Geld in die Realwerte wie Aktien, Edelmetalle oder Rohstoffe fließt, bin ich voll dabei. Bei einem möglichen Kurseinbruch verliere ich kein Geld. Die „Versicherungsprämie“ von fünf bis acht Prozent pro Jahr bezahle ich gern, wenn ich dann gut schlafen kann.
Sonntag, 10. Juli 2011
Lebensversicherung - ein Beschiss
Während sie bei jungen Frauen kaum ins Gewicht fällt, macht sie etwa bei Männern ab einem Alter von 55 Jahren einen beträchtlichen Anteil aus. Die Versicherungssteuer, die an den Staat abgeführt wird, schlägt mit vier Prozent zu Buche. Dazu kommen Verwaltungskosten von bis zu fünf Prozent, die in den Kanälen der Versicherung versickern, denn der riesige Personalapparat will auch finanziert sein. Auf fünf Prozent und mehr belaufen sich die so genannten Abschlusskosten – auch der Vertriebspartner der Versicherung muss schließlich von etwas leben. Je höher die Versicherungssumme – das ist jener Betrag, zu dessen Bezahlung sich die Assekuranz im Todesfall oder bei Ablauf der Vertragslaufzeit verpflichtet hat – und je länger die Laufzeit ist, desto üppiger fällt die Provision für den Vertrieb aus. Bleibt noch der so genannte Unterjährigkeitszuschlag, der bis zu sechs Prozent betragen kann. Was der Versicherung damit abgegolten werden soll, bleibt unklar. Einheben kann sie ihn dann, wenn die Prämie nicht jährlich, sondern monatlich einbezahlt wird. Klartext: Die genannten Kosten fallen bei jeder Prämieneinzahlung an. Von 100 Euro monatlich einbezahlter Prämie werden nur 75 bis 85 Euro tatsächlich veranlagt.
Und erst diese „Sparrate“ wird mit dem Garantiezins verzinst. Ein Umstand, der den Versicherten meist nicht bekannt ist, und auch in den Assekuranzen dürfte er sich noch nicht bei allen Mitarbeitern herumgesprochen haben. Denn trotz mehrmaliger Nachfrage hat Otto Laimer bei seiner Versicherung keine Auskunft darüber erhalten, wo die Erträge der Garantieverzinsung von – in seinem Fall – 3,25 Prozent geblieben sind. Der Vorteil bei Lebensversicherungen: Die Prämienzahlungen sind steuerlich begrenzt absetzbar, wenn die Auszahlung in Form von Rentenzahlungen vorgesehen ist. Zudem sind die Auszahlungen von der Kapitalertragsteuer und der Einkommensteuer befreit. Lebensversicherungen sind ein gutes Geschäft, nicht umsonst werden in diesem Bereich die größten Vertriebsanstrengungen unternommen. Über 30 Anbieter matchen sich um die Gunst der Anleger, und trotz des gesättigten Markts schaffen die Unternehmen noch immer Steigerungen: So erhöhte sich das verwaltete Prämienvolumen im vergangenen Jahr um knapp zwei Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Ein Verwaltungsaufwand wie bei Lebensversicherungen fällt bei einem klassischen Sparbuch nicht an.
Hätte Laimer die insgesamt 7453 Euro, die er in seine Polizze investiert hat, auf ein mit vier Prozent jährlich verzinstes Sparbuch gelegt, hätte er nach zehn Jahren statt über 8254 Euro über 9029,55 Euro verfügen können (siehe Berechnung S. 43). „Wäre ich damals richtig informiert worden, hätte ich die Polizze niemals abgeschlossen“, meint Laimer rückblickend. Die Verantwortlichen bei den Versicherungen wollen diesen Vergleich freilich nicht gelten lassen. „Hier wird ausschließlich eine Renditerechnung betrieben, doch dass wir von einer Versicherung sprechen, die im Todesfall den Hinterbliebenen die volle Versicherungssumme auszahlt, und zwar egal, wie viel bereits angespart wurde, wird negiert“, ärgert sich Wolfgang Ortner, Leiter der Abteilung Lebensversicherung bei der Generali. Tatsache ist jedoch, dass viele Verträge mit dem Zweck der Kapitalanlage und deren Vermehrung abgeschlossen werden. Und so werden sie auch vonseiten der Versicherungen beworben. Bleibt als Fazit: Die Versicherungsnehmer werden schlecht beraten. Wer das erst während der Laufzeit bemerkt, hat schlechte Karten. Der Ausstieg ist mit hohen Verlusten verbunden. Die Rückkaufwerte liegen deutlich unter den bereits einbezahlten Prämienvolumen. Erst ab etwa der Hälfte der Laufzeit hat man die Kosten für einen Ausstieg hereingespielt. Nur ein Szenario ist wirklich lukrativ: wenn der Versicherte möglichst bald nach Abschluss des Vertrags das Zeitliche segnet. Er hat dann zwar nichts mehr davon, doch die Erben werden sich freuen.
Und erst diese „Sparrate“ wird mit dem Garantiezins verzinst. Ein Umstand, der den Versicherten meist nicht bekannt ist, und auch in den Assekuranzen dürfte er sich noch nicht bei allen Mitarbeitern herumgesprochen haben. Denn trotz mehrmaliger Nachfrage hat Otto Laimer bei seiner Versicherung keine Auskunft darüber erhalten, wo die Erträge der Garantieverzinsung von – in seinem Fall – 3,25 Prozent geblieben sind. Der Vorteil bei Lebensversicherungen: Die Prämienzahlungen sind steuerlich begrenzt absetzbar, wenn die Auszahlung in Form von Rentenzahlungen vorgesehen ist. Zudem sind die Auszahlungen von der Kapitalertragsteuer und der Einkommensteuer befreit. Lebensversicherungen sind ein gutes Geschäft, nicht umsonst werden in diesem Bereich die größten Vertriebsanstrengungen unternommen. Über 30 Anbieter matchen sich um die Gunst der Anleger, und trotz des gesättigten Markts schaffen die Unternehmen noch immer Steigerungen: So erhöhte sich das verwaltete Prämienvolumen im vergangenen Jahr um knapp zwei Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Ein Verwaltungsaufwand wie bei Lebensversicherungen fällt bei einem klassischen Sparbuch nicht an.
Hätte Laimer die insgesamt 7453 Euro, die er in seine Polizze investiert hat, auf ein mit vier Prozent jährlich verzinstes Sparbuch gelegt, hätte er nach zehn Jahren statt über 8254 Euro über 9029,55 Euro verfügen können (siehe Berechnung S. 43). „Wäre ich damals richtig informiert worden, hätte ich die Polizze niemals abgeschlossen“, meint Laimer rückblickend. Die Verantwortlichen bei den Versicherungen wollen diesen Vergleich freilich nicht gelten lassen. „Hier wird ausschließlich eine Renditerechnung betrieben, doch dass wir von einer Versicherung sprechen, die im Todesfall den Hinterbliebenen die volle Versicherungssumme auszahlt, und zwar egal, wie viel bereits angespart wurde, wird negiert“, ärgert sich Wolfgang Ortner, Leiter der Abteilung Lebensversicherung bei der Generali. Tatsache ist jedoch, dass viele Verträge mit dem Zweck der Kapitalanlage und deren Vermehrung abgeschlossen werden. Und so werden sie auch vonseiten der Versicherungen beworben. Bleibt als Fazit: Die Versicherungsnehmer werden schlecht beraten. Wer das erst während der Laufzeit bemerkt, hat schlechte Karten. Der Ausstieg ist mit hohen Verlusten verbunden. Die Rückkaufwerte liegen deutlich unter den bereits einbezahlten Prämienvolumen. Erst ab etwa der Hälfte der Laufzeit hat man die Kosten für einen Ausstieg hereingespielt. Nur ein Szenario ist wirklich lukrativ: wenn der Versicherte möglichst bald nach Abschluss des Vertrags das Zeitliche segnet. Er hat dann zwar nichts mehr davon, doch die Erben werden sich freuen.
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