Rein psychologisch ist die
Skepsis vieler Anleger beim Blick auf die aktuellen Dax-Stände somit
durchaus verständlich. Tatsächlich begründet ist sie nach Einschätzung
der meisten professionellen Investoren und Analysten allerdings nicht.
Denn beim Blick auf die aktuellen Bewertungskennzahlen des Dax sind die
8000 von heute, kaum mit denen in der Vergangenheit zu vergleichen.
Denn während die
hohen Indexstände speziell um die Jahrtausendwende tatsächlich vor
allem durch überbordende Fantasie geprägt wurden, sind sie heute bei den
meisten Unternehmen durch reale Gewinne untermauert. Und die sind zum
Teil noch sehr viel stärker gestiegen als die Aktienkurse, was dazu
führt, dass das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) der 30 Dax-Werte heute – trotz der hohen Kurse – noch immer unter dem langjährigen Durchschnitt liegt.
Was das bedeutet, kann am Beispiel des Dax-Schwergewichts BASF
mustergültig vorgeführt werden. Im Jahr 1999 kurz vor dem ersten
Dax-Absturz vom 8000er-Gipfel erwirtschaftete BASF einen Gewinn von
einem Euro je Aktie. Der Börsenkurs am Jahresende lag bei knapp 26 Euro.
Bei gleichbleibendem Gewinn hätte man also 26 Jahre investiert bleiben
müssen, damit sich der Kapitalaufwand durch die Gewinne amortisiert.
Nichts spricht für einen radikalen Kehraus im Depot
Bis zum Ende des
Jahres 2012 ist der Börsenkurs von BASF auf gut 71 Euro gestiegen und
hat sich damit beinahe verdreifacht. Der anteilige Gewinn pro Aktie ist
im vergangenen Jahr allerdings auf 5,31 gestiegen, hat sich also mehr
als verfünffacht. Die Bewertung der Aktie ist gemessen am realen Gewinn –
trotz des optisch höheren Aktienkurses - daher heute nur halb so hoch
wie damals.
Ähnliche Rechnungen lassen sich auch für den zweiten Dax-Riesen Siemens
anstellen. 2008, während des zweiten Dax-Debakels, war das Unternehmen
mit dem 40-fachen des Gewinns bewertet. Seit her ist die Aktie um 20
Prozent gestiegen, während sich der Gewinn je Aktie verdreieinhalbfacht
hat und die anteilige Dividende fast verdoppelt wurde.
Angesichts
dieser Zahlen spricht eigentlich nichts für einen radikalen Kehraus im
Depot. Trotzdem zeigt die "Angstmarke" 8000 ihre psychologische Wirkung
und viele Anleger drängt es trotz aller rationalen Argumente danach,
dieses Mal "schlauer" sein zu wollen und nicht noch einmal in die
Dax-Falle zu tappen.
Reverse Bonuszertifikate eine Handlungsalternative
Eine
Handlungsalternative in diesem Umfeld sind Anlageprodukte, die zwar von
fallenden Kursen profitieren, mit denen aber nicht zwangsläufig Geld
verloren geht, wenn der Aktienmarkt doch weiter steigen sollte. Reverse
Bonuszertifikate erfüllen diese Anforderung am besten. Anders als bei
klassischen Bonuszertifikaten ist die Barriere, die während der Laufzeit
nicht verletzt werden darf, bei diesen Papieren oberhalb des aktuellen
Indexstands angesetzt.
Der Abstand
hierzu sollte also sehr groß gewählt werden. Denn nur wenn der Dax bis
zum Ende der Laufzeit nicht über diese Barriere steigt, wird am Ende
auch der Bonus ausgezahlt. Andernfalls gilt: Gewinne des Dax sind
Verluste des Zertifikats. Bei einem Dax-Niveau von rund 7740 Punkten
bietet ein Zertifikat mit einer Barriere bei 9000 Indexpunkten einen
"Sicherheitsabstand" von gut 16 Prozent.
Ein Reverse Bonus der BNP Paribas
(WKN: BP5WP8) lässt dem Dax genau diesen Spielraum und stellt dabei
einen Bonusertrag von 26 Prozent in Aussicht (13,5 Prozent jährlich).
Dies wäre der zu erwartende Gewinn, wenn es dieses Mal zu keinem Crash
kommt, der Dax aber auch nicht weit über seine alten Hochs
hinausschießt.
Bei einem Dax-Crash winken hohe Erträge
Bricht der Dax
hingegen doch wieder dramatisch ein, dann sind mit dem Reverse-Papier
auch größere Gewinne möglich. Dazu kommt es, wenn der Index bei
Fälligkeit im Dezember 2014 bis unter das Bonuslevel bei 5500 Punkten
abstürzt. Auch hier gilt, dass der Anleger mit dem Zertifikat nahezu
eins zu eins an möglichen Indexverlusten beteiligt wird. Ausgangspunkt
ist dabei der sogenannte Reverse-Punkt bei 14.000 Zählern. Notiert der
Dax am Ende bei 5000 Punkten, dann wird das Zertifikat zu 90 Euro
zurückgezahlt (14.000 minus 5000 gleich 9000 Euro-Cent).
Noch mehr Luft
für unverhoffte Dax-Gewinne bietet ein anderes Papier des gleichen
Emittenten. Die kritische Barriere-Marke wird hier erst bei 9400
Dax-Punkten erreicht, was einem Dax-Anstieg von mehr als 20 Prozent
entsprechen würde (WKN: BP61WU). Der mögliche Gewinn, der auch bei
moderat steigenden Aktienkursen erzielt wird, liegt immer noch bei knapp
16 Prozent (8,3 Prozent pro Jahr).
Doch auch hier
gilt, dass bei einem Crash auch sehr viel höhere Gewinne möglich sind.
Auch dieses Zertifikat ist also einem sehr starken Einbruch am
Aktienmarkt gewachsen. Anders ist es bei Papieren mit einer
Gewinnobergrenze (Cap). Ihr Gewinnpotenzial ist auch im Crash-Fall auf
den Bonusertrag begrenzt, dafür werden solche Papiere aber etwas
günstiger angeboten. In einem "normalen" Szenario ohne dramatischen
Kursverfall bieten sie somit eine etwas höhere Rendite.
(Die Welt. de)
