Samstag, 2. März 2013

Rein psychologisch ist die Skepsis vieler Anleger beim Blick auf die aktuellen Dax-Stände somit durchaus verständlich. Tatsächlich begründet ist sie nach Einschätzung der meisten professionellen Investoren und Analysten allerdings nicht. Denn beim Blick auf die aktuellen Bewertungskennzahlen des Dax sind die 8000 von heute, kaum mit denen in der Vergangenheit zu vergleichen.

Denn während die hohen Indexstände speziell um die Jahrtausendwende tatsächlich vor allem durch überbordende Fantasie geprägt wurden, sind sie heute bei den meisten Unternehmen durch reale Gewinne untermauert. Und die sind zum Teil noch sehr viel stärker gestiegen als die Aktienkurse, was dazu führt, dass das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) der 30 Dax-Werte heute – trotz der hohen Kurse – noch immer unter dem langjährigen Durchschnitt liegt.

Was das bedeutet, kann am Beispiel des Dax-Schwergewichts BASF mustergültig vorgeführt werden. Im Jahr 1999 kurz vor dem ersten Dax-Absturz vom 8000er-Gipfel erwirtschaftete BASF einen Gewinn von einem Euro je Aktie. Der Börsenkurs am Jahresende lag bei knapp 26 Euro. Bei gleichbleibendem Gewinn hätte man also 26 Jahre investiert bleiben müssen, damit sich der Kapitalaufwand durch die Gewinne amortisiert.


Nichts spricht für einen radikalen Kehraus im Depot



Bis zum Ende des Jahres 2012 ist der Börsenkurs von BASF auf gut 71 Euro gestiegen und hat sich damit beinahe verdreifacht. Der anteilige Gewinn pro Aktie ist im vergangenen Jahr allerdings auf 5,31 gestiegen, hat sich also mehr als verfünffacht. Die Bewertung der Aktie ist gemessen am realen Gewinn – trotz des optisch höheren Aktienkurses - daher heute nur halb so hoch wie damals.

Ähnliche Rechnungen lassen sich auch für den zweiten Dax-Riesen Siemens anstellen. 2008, während des zweiten Dax-Debakels, war das Unternehmen mit dem 40-fachen des Gewinns bewertet. Seit her ist die Aktie um 20 Prozent gestiegen, während sich der Gewinn je Aktie verdreieinhalbfacht hat und die anteilige Dividende fast verdoppelt wurde.

Angesichts dieser Zahlen spricht eigentlich nichts für einen radikalen Kehraus im Depot. Trotzdem zeigt die "Angstmarke" 8000 ihre psychologische Wirkung und viele Anleger drängt es trotz aller rationalen Argumente danach, dieses Mal "schlauer" sein zu wollen und nicht noch einmal in die Dax-Falle zu tappen.


Reverse Bonuszertifikate eine Handlungsalternative



Eine Handlungsalternative in diesem Umfeld sind Anlageprodukte, die zwar von fallenden Kursen profitieren, mit denen aber nicht zwangsläufig Geld verloren geht, wenn der Aktienmarkt doch weiter steigen sollte. Reverse Bonuszertifikate erfüllen diese Anforderung am besten. Anders als bei klassischen Bonuszertifikaten ist die Barriere, die während der Laufzeit nicht verletzt werden darf, bei diesen Papieren oberhalb des aktuellen Indexstands angesetzt.

Der Abstand hierzu sollte also sehr groß gewählt werden. Denn nur wenn der Dax bis zum Ende der Laufzeit nicht über diese Barriere steigt, wird am Ende auch der Bonus ausgezahlt. Andernfalls gilt: Gewinne des Dax sind Verluste des Zertifikats. Bei einem Dax-Niveau von rund 7740 Punkten bietet ein Zertifikat mit einer Barriere bei 9000 Indexpunkten einen "Sicherheitsabstand" von gut 16 Prozent.

Ein Reverse Bonus der BNP Paribas (WKN: BP5WP8) lässt dem Dax genau diesen Spielraum und stellt dabei einen Bonusertrag von 26 Prozent in Aussicht (13,5 Prozent jährlich). Dies wäre der zu erwartende Gewinn, wenn es dieses Mal zu keinem Crash kommt, der Dax aber auch nicht weit über seine alten Hochs hinausschießt.


Bei einem Dax-Crash winken hohe Erträge



Bricht der Dax hingegen doch wieder dramatisch ein, dann sind mit dem Reverse-Papier auch größere Gewinne möglich. Dazu kommt es, wenn der Index bei Fälligkeit im Dezember 2014 bis unter das Bonuslevel bei 5500 Punkten abstürzt. Auch hier gilt, dass der Anleger mit dem Zertifikat nahezu eins zu eins an möglichen Indexverlusten beteiligt wird. Ausgangspunkt ist dabei der sogenannte Reverse-Punkt bei 14.000 Zählern. Notiert der Dax am Ende bei 5000 Punkten, dann wird das Zertifikat zu 90 Euro zurückgezahlt (14.000 minus 5000 gleich 9000 Euro-Cent).

Noch mehr Luft für unverhoffte Dax-Gewinne bietet ein anderes Papier des gleichen Emittenten. Die kritische Barriere-Marke wird hier erst bei 9400 Dax-Punkten erreicht, was einem Dax-Anstieg von mehr als 20 Prozent entsprechen würde (WKN: BP61WU). Der mögliche Gewinn, der auch bei moderat steigenden Aktienkursen erzielt wird, liegt immer noch bei knapp 16 Prozent (8,3 Prozent pro Jahr).

Doch auch hier gilt, dass bei einem Crash auch sehr viel höhere Gewinne möglich sind. Auch dieses Zertifikat ist also einem sehr starken Einbruch am Aktienmarkt gewachsen. Anders ist es bei Papieren mit einer Gewinnobergrenze (Cap). Ihr Gewinnpotenzial ist auch im Crash-Fall auf den Bonusertrag begrenzt, dafür werden solche Papiere aber etwas günstiger angeboten. In einem "normalen" Szenario ohne dramatischen Kursverfall bieten sie somit eine etwas höhere Rendite.
 
(Die Welt. de)